04.04.2018

Ihre Bedeutung für heute

Wie die Zehn Gebote uns heute helfen

Die Zehn Gebote gehören zu den bekanntesten Sätzen in der Bibel. Sie können unser Leben als Christen bereichern – wenn wir sie in die Gegenwart übersetzen. Wie das geht? 

Foto: istockphoto
Sieht alt aus – und ist doch immer noch aktuell:
Moses und die Zehn Gebote
Foto: istockphoto

Als Buchtitel funktionieren die Zehn Gebote nach wie vor exzellent. Es gibt die Zehn Gebote der Hypnose und die der inneren Ruhe, die Zehn Gebote des erfolgreichen Marketings und jene des gesunden Menschenverstands. Es gibt die Zehn Gebote für wahlweise starke, erfolgreiche oder anspruchsvolle Frauen. Nicht zu vergessen die Zehn Gebote für bepflanzte Gesellschaftsaquarien. Und natürlich: die Zehn Gebote kompromissloser Leistungssteigerung in Bodybuilding & Kraftsport.

Mit dem biblischen Original haben all diese Bücher fast nichts zu tun. Das Original verliert im zunehmend säkular geprägten Deutschland an Bedeutung. „Die Zehn Gebote im Gesamtpaket werden nur noch von einer Minderheit in der Bevölkerung akzeptiert“, sagt der Freiburger Religionssoziologe Michael Ebertz. „Sie sind keine normative Klammer unserer Gesellschaft mehr.“ Weil es in unserem Land immer weniger bekennende Christen gibt – und immer mehr Menschen, die an andere Götter glauben. Oder an gar keinen Gott.

Einige der Zehn Gebote, so beobachtet Ebertz, seien aber nach wie vor allgemein anerkannt – vor allem das vierte und das siebte: „Du sollst Vater und Mutter ehren“ und „Du sollst nicht stehlen“. Das siebte Gebot sei auch deswegen für so viele Menschen die Norm, weil es durch unser Recht untermauert werde, glaubt der Religionssoziologe. Das vierte Gebot wiederum stärkt die Familie. Und die Familie stehe heute in unserer Gesellschaft so hoch im Kurs wie nichts sonst, sagt Ebertz: „Mit der Familie sind hohe Glückserwartungen verbunden.“

Andere Gebote, stellt Ebertz fest, würden kaum noch angenommen. Etwa: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Oder: „Du sollst den Tag des Herrn heiligen.“ Und auch „Du sollst nicht töten“ sei gesellschaftlich umstritten: Wofür gilt dieses Gebot? Auch für jede Art der Sterbehilfe? Und für jede Art der Abtreibung? Das wird diskutiert.


Christen müssen ihre Haltung für Nicht-Christen übersetzen

Fest aber steht: Wichtig sind die Zehn Gebote nach wie vor. „Sie sind eine Schatztruhe jüdisch-christlicher Weisheit“, sagt Ebertz. Christen könnten heute zwar nicht mehr direkt mit den Zehn Geboten argumentieren: „Damit überzeuge ich niemanden. Denn dann sagt der andere: Die Zehn Gebote gelten für mich nicht.“ Aber Christen können glaubwürdig leben, sie können ihre Haltungen und ihr Handeln aus den Zehn Geboten ableiten.

Wirkungsvoll einsetzen können Christen die Zehn Gebote dann, wenn sie ihre Werthaltung für Nicht-Christen übersetzen. Der Religionssoziologe Ebertz sagt: „Gerade weil unsere Gesellschaft so plural geworden ist, müssen wir unsere Werte als Christen so formulieren, dass sie für andere plausibel werden – ohne dass sie mit uns unsere Motivationsquelle teilen.“

Von Andreas Lesch