30.08.2016

Elisa berichtet über ihren Freiwilligendienst in Botswana 2016/17

Neues aus Gaborone

Zwei junge Leute aus dem Bistum Osnabrück, die einen Freiwilligendienst im Ausland (FDA) absolvieren, 2016 bis 2017, berichten an dieser Stelle über ihre Erlebnisse. Elisa Erpenbeck aus Osnabrück betreut in einem Vorort von Gaborone, der Haupstadt von Botswana, Vorschulkinder in einem Day Care Center der Caritas. 

 

April
„Ke bidiwa Bonolo" und Besuch aus der Heimat

Sonnenuntergang bei einer Wanderung durch das Okavango-Delta

So, langsam geht auch schon der April zu Ende. Ich habe das Gefühl, dass die Zeit zu rennen anfängt. Mir bleiben nur noch zwei Monate, bevor ich mich Ende Juni wieder Richtung Heimat aufmachen muss. Umso besser, dass ich nun endlich mal Besuch aus Deutschland bekommen habe.

Über die Ostertage waren meine Mutter und mein Bruder in Gaborone, um mich zu besuchen, aber auch, um meinen Alltag und meine Stelle besser kennenzulernen und mein Leben hier zu erleben. Leider haben genau an dem Tag, an dem die beiden angekommen sind, die Schulferien angefangen, so dass Sister Angela und ich ihnen leider nur die Schule ohne Kinder und Lehrer zeigen konnten. Das war schade, aber letztendlich hat es ihnen trotzdem sehr gefallen.

Lagerfeuer am Abend

Wir waren noch bis Karfreitag in Gaborone und haben uns dann abends auf den Weg nach Maun, in den Norden Botswanas, gemacht. Dort waren wir für sechs Tage und hatten Zeit, das Okavango-Delta und Maun zu erkunden. Am Ostersonntag nutzte ich die Gelegenheit, um mit den beiden einen Ostergottesdienst zu besuchen. Nach diesem kulturellen Einblick ging es auf ins Delta. Wir hatten einen „Mokoro“ (traditionelles Einbaumboot) Trip mit Übernachtung im Delta geplant. Es waren zwei unvergessliche Tage im Delta mit einer sehr tollen Truppe, bestehend aus den Guides James und Extra, sowie anderen Crew-Mitgliedern, mit langen Wanderungen und einem gigantischen Sternenhimmel. Nach diesem Erlebnis ging es wieder zum Hostel und am nächsten Tag zurück nach Gaborone. Dort wieder angekommen, haben wir Sister Angela in Metsimotlhabe besucht und uns das Projekt „Grain of Hope“ in Mam‘hiko angeschaut. Meine Mutter und mein Bruder wollten gar nicht wieder nach Hause, als Sister Botshelo (eine der Schwestern, mit denen ich zusammen lebe) und ich die beiden am Samstagmittag zum Flughafen gebracht haben.
 

Eine Nacht im Delta verbracht

Nicht nur mein Besuch hat den April bestimmt, sondern auch meine Abschlussprüfung für meinen Setswana-Sprachkurs. Kurz bevor meine Mutter und mein Bruder gekommen sind, ging der zehnwöchige Kurs zu Ende. Meine Mitfreiwillige Charlotte und ich hatten beschlossen, diesen Kurs in der eigentlich französischen Sprachschule, „Alliance Française“ zu belegen. Zweimal wöchentlich haben wir abends den ersten Kurs für Setswana („Setswana 1“) besucht und viel über die Kultur und natürlich über die Sprache gelernt. Ziel des Kurses war es, sich vorstellen zu können, einfache Sätze zu bilden und einen weiteren Einblick in die Kultur zu bekommen.

Abschlussprüfung für Setswana 1

Setswana ist mit Englisch die offizielle Sprache Botswanas und wird eigentlich überall im Land gesprochen. Sie gehört zu den „Bantusprachen“ und ist auch im nördlichen Teil Südafrikas verbreitet. Ich hatte, bevor ich den Kurs besucht hatte, schon einige Wörter von den Kindern und Lehrern in der Schule aufgeschnappt und wollte unbedingt mehr lernen. Man kommt viel besser mit Menschen ins Gespräch, wenn man mit ihnen anfängt auf Setswana zu reden. Das habe ich auch in Maun gemerkt. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, mich mit den beiden Guides auf Setswana zu unterhalten und so war das erst ein wenig angespannte Touristen-Guide-Verhältnis aufgelöst und wir konnten uns auf freundschaftlicher Basis unterhalten. Für mich ist es sehr ungewohnt und manchmal unangenehm, als Tourist aufzutreten, denn ich lebe mit Batswana (Mehrzahl von Motswana) und arbeite mit ihnen. Ich fühle mich als Teil ihrer Gemeinschaft und lerne jeden Tag ein bisschen mehr über ihre komplexe Kultur und Sprache kennen.

Auch habe ich am Anfang meines Jahres einen Setswana-Namen bekommen. „Ke bidiwa Bonolo“ („Ich bin Bonolo“) ist nun meine Standardantwort auf die Frage: „O bidiwa mang?“ („Wie heißt Du?“). Diesen Namen haben mir meine Lehrer in der Schule gegeben und er bedeutet soviel wie „sanft“, „höflich“ oder auch „gutmütig“. Setswana Namen haben immer eine Bedeutung. So nennt man sein Kind „Naledi“ („Stern“), „Refilwe“ („Von Gott gegeben“) oder „Lorato“ („Liebe“). Ich hoffe, ich bekomme die Möglichkeit, den zweiten Setswana-Kurs zu belegen und so noch mehr Setswana und über die Kultur zu lernen.

 

März
Ein „Korn von Hoffnung“ und ein Besuch im Land der Zulu

am Strand von Durban

Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug. Ich bin nun schon über ein halbes Jahr in Botswana, also wurde es im Februar allerhöchste Zeit für das Zwischenseminar. Da meine Mitfreiwillige Charlotte und ich die Einzigen aus dem Bistum Osnabrück in Botswana bzw. im südlichen Afrika sind, wurde beschlossen, dass wir unser Zwischenseminar gemeinsam mit der katholischen Organisation „Missionare auf Zeit (MaZ)“ von den Spiritanern in Südafrika haben. Wir machten uns also Ende Februar auf den Weg nach Durban ins Land der Zulu, das KwaZulu-Natal. Durban liegt an der Ostküste am Indischen Ozean. Es war dementsprechend eine sehr lange Reise.

Nach 15-stündiger Busfahrt und einem achtstündigen Aufenthalt in Pretoria sind wir übermüdet und erschöpft in Durban angekommen. Wir haben uns in Durban noch fünf Tage gegönnt, an denen wir die Stadt, aber vor allem den Strand erkundet haben. Dann ging es für uns weiter nach Mariannhill, eine Stadt nördlich von Durban, die vor allem von den deutschen und österreichischen Mariannhiller Missionaren geprägt wurde. Noch heute leben in dem Ort deutsche Schwestern und Priester.

Das Zwischenseminar war sehr schön. Wir waren insgesamt nur sechs Teilnehmer, wir, zwei „MaZler“ und zwei aus dem Bistum Augsburg, so dass eine sehr entspannte Atmosphäre herrschte. An den vier Tagen, die wir hatten, standen Themen wie zum Beispiel „Meine Stelle und ich“, „Rassismus und meine Rolle als „Weiße/r“ sowie Interviews mit Einheimischen auf dem Plan. Geleitet wurde das Seminar von den zwei Teamern und ehemaligen „MaZlern“ Natalie und Laurenz. Nach dem Seminar mussten wir uns alle wieder verabschieden. Es waren vier wunderschöne Tage, an denen ich meine bisherige Zeit in Botswana noch einmal Revue passieren lassen konnte, aber auch Südafrika ein bisschen besser kennenlernen durfte. Ich habe die Zeit dort sehr genossen, musste mir aber auch eingestehen, dass ich Botswana wirklich ein bisschen vermisst hatte, als wir Anfang März wieder in Gaborone ankamen.

Das erste Gebäude der neuen Schule und Begegnungsstätte „Grain of Hope" steht.

Kaum dort, ging mein Alltag auch schon wieder los. In der Schule bin ich nun seit Januar in der Babyclass, also bei den ganz Kleinen von zwei bis zweieinhalb Jahren, was mir sehr gefällt. Außerdem helfe ich nun auch in einem anderen Projekt der „Cross and Passion“ Schwestern, Sister Angela, meiner Ansprechpartnerin, Sister Botshelo und Sister Pulane (die beiden Schwestern, mit denen ich nun zusammen lebe), mit. Jeden Samstag fahren wir raus aufs Land, etwa eine halbe Stunde von Gaborone entfernt, in ein kleines Dorf namens Mam‘hiko. Die Menschen, die dort wohnen, leben größtenteils von der Landwirtschaft. Sie haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, geschweige denn Elektrizität.

Das Dorf ist zwar nicht weit von anderen, etwas größeren Orten, weg, der Weg dorthin führt aber durch den Busch, der auch mit dem Auto nur schwer passierbar ist. Die älteren Kinder müssen jeden Tag rund drei Stunden zur Schule laufen oder gehen auf staatliche Internate. Die jüngeren Kinder aber haben keine Möglichkeit, eine Vorschule oder eine Grundschule zu besuchen, da der Weg einfach zu lang ist für Drei- bis Sechsjährige. Die Schwestern fahren schon seit mehreren Jahren regelmäßig nach Mam‘hiko, um den Menschen Nahrung und Wasser zu bringen. Jeden Samstag wird für die Kinder gekocht und kühle Getränke und Süßigkeiten ausgegeben.

Gefällte Bäume und Büsche werden verbrannt, um Platz zu schaffen für neue Häuser.

Seit diesem Januar nimmt das Projekt richtig Gestalt an. Die Schwestern haben Land in Mam‘hiko erworben, auf dem sie eine Vor- und Grundschule sowie Begegnungsstätte für Jugendliche und Frauen bauen wollen. Das Projekt „Grain of Hope“ (deutsch: „Ein Korn von Hoffnung“) wurde geboren. Seit kurzem steht nun auch das erste Gebäude. An einem Samstag waren wir den ganzen Tag in Mam‘hiko und haben nicht wie sonst zu Hause vorgekocht, sondern vor Ort das Essen für die Kinder zubereitet.

Elisa beim Befeuern des Samps, eines traditionellen Gerichts.

Kinder beim Essen

Ich habe beim Kochen des Samps (besteht aus Mais- und anderen Körnern, die getrocknet und dann zerstampft und gekocht werden) und des „Beef stews“ mitgeholfen. Bevor wir anfingen zu kochen, mussten noch die zusammengetragenen gefällten Dornbüsche und Gräser verbrannt werden – um Platz zu machen für weitere Gebäude. Dies ist die einzige Möglichkeit, die Pflanzenreste loszuwerden. Es hat mir, trotz der doppelten Hitze (Sonne und Feuer), sehr viel Spaß gemacht. Danach bin ich mit Tlhogi, Sister Angelas Nichte und gute Freundin von mir, Brennholz sammeln gegangen, um mit dem Kochen zu beginnen. Nachdem alle satt und zufrieden waren, saßen wir noch ein bisschen im kühlen Schatten zusammen.

Ich finde es immer wieder schön mit nach Mam‘hiko zu kommen und die Anfänge dieses Projekts mit erleben zu dürfen. Ich bin gespannt, wie es dort aussieht, wenn ich in ein paar Jahren, oder vielleicht schon nächstes Jahr, wiederkomme.

 

 

 

Februar
„Pula!" Regen und Reichtum!

Der Regen kommt – ein Segen!

Das Wort „Pula“ begegnet einem in Botswana ständig. Es befindet sich auf dem Wappen Botswanas, nach dem Singen der Nationalhymne hört man Menschen „Pula!“ rufen, und wenn man an der Kasse steht und bezahlen möchte, braucht man „Pula“. Dabei hat das Wort „Pula“ eigentlich nur eine Bedeutung. „Regen“. Und dieser ist in Botswana, einem Land, das fast komplett aus der Kalahari, einer Dornen-/und Trockensavanne, besteht überlebenswichtig. Kein Wunder also, dass Regen mit Reichtum gleichgesetzt wird und so auch die Geldscheine der nationale Währung „Pula“ und die Münzen „Thebe“ (Regentropfen) heißen.

Die Regenzeit hat letztes Jahr im September/Oktober, also zu Beginn des Sommers, angefangen. Das war der erste Regen seit einem Jahr. Die letzten zwei Jahre musste die Regierung eine Dürre ausrufen. Das Thermometer stieg in dieser Zeit auf fast 50 Grad Celsius an und es gab über Monate hinweg gar keinen Regen. So verendeten viele Kühe, Esel, Ziegen und Schafe, die besonders für die ländlichen Regionen überlebenswichtig sind. Viele Menschen mussten hungern. Das Wasser wurde in den Städten tagelang abgedreht, um zu sparen. Für solche Fälle haben viele Menschen große grüne Wassertanks neben ihren Häusern stehen, die „JoJo“ genannt werden.

Wasser ist überlebenswichtig. Deshalb haben viele Menschen
solche Wassertanks vor dem Haus.

Mir wurde auch gleich eingetrichtert, so viel Wasser wie möglich zu sparen, also immer den Hahn richtig zuzudrehen, nur ein bisschen Wasser zum Geschirrspülen zu benutzen, mit dem Spülwasser die Pflanzen zu wässern und so weiter. Ich muss aber sagen, es hat mich überrascht, dass man hier wirklich ohne Probleme das Wasser aus dem Hahn trinken kann. Es schmeckt zwar manchmal ein bisschen nach Chlor, aber ich hatte noch keine Probleme mit dem Leitungswasser.

Nachdem der Regen erstmal eingesetzt hatte, hat es dann auch fast jede Woche einmal geregnet. Es war erstaunlich zu sehen, wie Gaborone sich innerhalb weniger Wochen in eine grüne Oase verwandelte. Als ich ankam, war der rote Sand das prägende Bild. Nun ranken sich Gräser, Büsche und Blumen auf den Grünflächen der Stadt. Es ist der regnerischste Sommer seit mehr als 15 Jahren, was hier ein großer Segen ist. Die Bauern können ihre Felder vernünftig bestellen und keiner muss hungern. Die Temperaturen sind zwar immer noch hoch und fühlen sich nun auch höher an, da es oftmals ziemlich schwül ist, aber der Regen bringt immer wieder eine schöne Abkühlung.
 

Straßen verwandeln sich bei Regen schnell in Schlamm-
landschaften.

Der Höhepunkt des Sommers kam mit dem Zyklon „Dineo“ in den vergangenen Tagen. Dieser brachte eine Sturmflut in Mosambik und Südafrika und kam dann letztendlich auch rüber nach Gaborone. Es wurde vor starkem Wind und viel Regen gewarnt. Wir machten uns also auf alles gefasst, da es im Dezember auch schon einen Sturm gab, der Bäume entwurzelte und Dächer abdeckte. Als „Dineo“ dann am 17. Februar Gaborone erreichte, war er zum Glück nicht so schlimm wie gedacht. Es wurden lediglich ein paar Bäume entwurzelt, und es gab viel Nieselregen und einige heftige Schauer. Es war trotzdem der erste Zyklon seit mehreren Jahrzehnten.

Das größte Problem, das mit dem Regen kommt, ist der Schlamm. Da der Boden sehr fest ist und nicht wirklich viel Wasser aufnehmen kann, bilden sich riesige seeartige Pfützen. In einigen Ortschaften werden die ungeteerten Straßen, auch „dust roads“ genannt, zu richtigen Flüssen. Diese Ortschaften sind dann nicht mehr mit einem normalen Auto zu erreichen. Der letzte Regen ist für Ende März beziehungsweise Anfang April angesagt. Dann wird es so langsam trocken und kalt, der Winter kommt.

 

 

Januar
„I am the church, you are the church, we are the church“
 

katholische Messe in der Gemeinde „Holy Cross" in Mogoditshane

Nach einigen Reiseberichten habe ich mir gedacht, ich schreibe mal etwas über den Glauben in Botswana. Dieser ist hier nämlich sehr wichtig. Man merkt das nicht nur in der Kirche, sondern auch im alltäglichen Leben. Vor größeren Veranstaltungen wird zusammen gebetet, im Bus wird für eine sichere Fahrt gebetet, im Krankenhaus kommen Familienmitglieder, um für eine schnelle Genesung oder eine erfolgreiche OP zu beten. Einer der ersten Fragen, die mir gestellt werden nach dem „Wo kommst du her?“ ist: „Zu welcher Kirche gehst du?“ Das hat mich anfangs ziemlich verwundert, aber mittlerweile hab ich mich daran gewöhnt.

Ich persönlich bekomme einen ziemlich guten Einblick in die katholische Kirche, aber ich war auch schon in einem lutherischen und einem evangelikalen Gottesdienst. Die katholischen Messen sind von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Es kommt auch sehr darauf an, ob man eine Kirche im Dorf oder in der Stadt besucht. So gibt es in katholischen Kirchen in der Stadt meist eine englische und eine Setswana-Messe. Die englischen Messen sind von ihrer Länge her ähnlich wie die Messen, die ich aus Deutschland gewöhnt bin. Die Setwana-Messen hingegen waren ein kleiner Kulturschock für mich. Eine normale Sonntagsmesse dauert mindestens zwei bis drei Stunden. Wenn besondere Feierlichkeiten anstehen, können es auch schon mal fünf bis sechs Stunden werden. Zu fröhlichen Liedern wird getanzt, und manchmal werden auch jodelnde Geräusche gemacht, um Freude auszudrücken. Außerdem gibt es in jeder Kirche einen Chor, der die Lieder vorgibt und die Gemeinde beim Singen unterstützt. Dazu wird nur getrommelt und geklatscht.

Ich muss sagen, dass mir das Singen während des Gottesdienstes am besten gefällt. Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis und verwandelt den Sonntagmorgen fast schon zu einem Konzerterlebnis. Was mir gleich am Anfang aufgefallen ist: Man macht sich hier sehr schick für die Kirche. In manchen Gemeinden, meistens in den Dorfgemeinden, müssen Frauen Kleider oder Röcke tragen, die bis über die Knie gehen. In meiner Gemeinde ist es zum Glück etwas lockerer, ich darf auch Jeans anziehen. Ich habe hier schon mehrere katholische Kirchen besucht und in fast jeder sollte ich mich am Ende des Gottesdienstes der Gemeinde vorstellen. So werden neue potentielle Mitglieder in die Gemeinde aufgenommen und herzlich mit Applaus begrüßt.
 

eine große sechsstündige Messe mit tausend
Menschen zur Weihe eines Priesters mit dem
Bishop of Gaborone

Auch die Jugend ist sehr aktiv. Ob katholisch, evangelisch oder muslimisch – in fast jeder Gemeinde gibt es Jugendgruppen. Aber auch die älteren Generationen sind in Gruppen organisiert. In der „Diocese of Gaborone“ gibt es viele verschiedene Frauengruppen und „small Christian Communitys“. Man trifft sich und unternimmt Ausflüge, bereitet die Messen vor und nimmt Bibelunterricht. Der Zusammenhalt ist ziemlich stark und so ist der Leitspruch der „Diocese of Gaborone“ auch ziemlich passend: „I am the church, you are the church, we are the church“.

Da ich nun mit den Ordensschwestern meiner Ansprechpartnerin Sister Angela zusammenlebe, bekomme ich viel mehr mit vom Gemeindeleben und den einzelnen „Parishs“. So habe ich viele Nonnen und Priester kennengelernt. Die meisten von ihnen sind noch sehr jung. Manche sogar in meinem Alter. Das hat mich sehr überrascht, denn wann sieht man noch eine 20 Jahre alte Nonne in Deutschland?

Eine spannende Erfahrung war es für mich, die Evangelikale Kirche meiner Gastschwester zu besuchen. In Botswana sind diese Kirchen sehr im Trend. Es gibt verschiedene solcher Kirchen. Hier gibt es auch sehr viele Freikirchen und auch der christliche Zionismus ist verbreitet. In der Evangelikalen Kirche meiner Gastschwester gibt es die sogenannten „Propheten“. Sie meinen, dass sie von Gott auserwählt seien und Visionen hätten. Besonders junge Leute werden von den „Heilsversprechen“ und „Wundererfahrungen“ der sogenannten „Propheten“ angelockt. Im Laufe des Gottesdienstes werden stundenlange Predigten gehalten, es wird  gesungen, meist Gospelsongs, die ein bisschen an Popsongs erinnern, und natürlich viel gebetet. Ein weiteres Element des Gottesdienstes besteht darin, dass die Menschen nach vorne gehen, und die „Propheten“ die Menschen in Trance versetzen.
 

die Holy Cross-Kirche in Mogoditshane von außen

Dieser Teil war für mich der spannendste. Ich muss aber auch sagen, dass es für mich ein bisschen angsteinflößend und sehr fremd war. Die Menschen werden mit einem Stoß gegen die Stirn in Trance versetzt und haben sich nicht mehr unter Kontrolle. Einige fangen hemmungslos an zu weinen, andere fallen um und liegen reglos am Boden, andere wiederum fangen an, sich um Kreis zu drehen und um sich schlagen und zu treten. Die Propheten behaupten, dass der „Heilige Geist“ in einen komme und dass diese Trance „heilend“ sei. Als Außenstehende war es aber eine spannende und mal ganz andere Erfahrung. Trotzdem stehe ich der Sache kritisch gegenüber, weil es auch einige „Propheten“ gibt, die nur das Geld der Menschen haben wollen. So gab es schon einige Vorfälle in Botswana, wo sich angebliche „Propheten“ mit dem ganzen Geld aus dem Staub gemacht haben.

Was ich auch sehr spannend und ein bisschen befremdlich finde ist, dass hier sehr viele Menschen an Hexerei und böse Geister und Dämonen glauben. Das sind nicht nur die Menschen, die zu den sogenannten „traditionellen Doktoren“ gehen, sondern Menschen aus allen Schichten. So wurde ich schön öfters im Combi gefragt, ob ich denn an Hexerei glauben würde, und immer wenn ich mit „Nein“ geantwortet habe, wurden mir alle möglichen „Beweisfotos“ von merkwürdigen Tieren gezeigt.

Ich habe Botswana bis jetzt als sehr tolerant gegenüber verschiedenen Religionen empfunden. So leben Muslime, Christen, Juden, Buddhisten, Hinduisten und Ethnien, die ihre Narurreligionen praktizieren friedlich nebeneinander.

Ein kurzes Video von einer Priesterweihe gibt es auf unserer Facebookseite: https://www.facebook.com/derkirchenbote/

 

 

Dezember
Weihnachten unter Palmen

Buntes Programm zum Abschluss der Vorschule. Die Kinder gehen dann nach den Ferien in die Grundschule.

So, nach einer kleinen Blogpause melde ich mich nun wieder. Die vergangenen Wochen waren sehr ereignisreich. Ende November habe ich sechs Wochen Ferien bekommen. Zum Abschluss der Schulzeit gab es die große „Graduation“ der ältesten Klasse. Die Kinder werden nun in die Grundschule gehen. Für die Graduation wurde über mehrere Monate geprobt. Jede Klasse sollte etwas aufführen. Ob Lieder, Gedichte, Tänze oder kleine Theaterstücke – die Kinder haben sich wirklich ins Zeug gelegt. Die Eltern waren natürlich alle total aus dem Häuschen, als ihre Sprösslinge an der Reihe waren. Ich musste mit meiner Klasse ein Lied und einen Tanz aufführen. Wir haben schon im Oktober angefangen, dafür zu üben. Am Ende gab es noch viele Reden, von Eltern, von Sister Angela und Gastrednern. Es war ein sehr schöner Tag und ich werde die Kinder vermissen, die nun nach den Ferien zur Grundschule gehen werden.

Es lagen also sechs Wochen freie Zeit vor mir. Das war sehr merkwürdig, weil ich bis dahin eigentlich ununterbrochen gearbeitet hatte. In den ersten Wochen habe ich meine freie Zeit zum Shoppen genutzt und Freunde getroffen. Kurz vor Weihnachten ging es dann mit einer anderen deutschen Freiwilligen und ihrer Gastfamilie nach Kasane, also in den Norden Botswanas. Wir sind am 23. Dezember um 2 Uhr morgens losgefahren und am selben Tag um ca. 15 Uhr angekommen. Da Gaborone ganz im Süden und Kasane ganz im Norden Botswanas liegt, hat die Reise entsprechend lange gedauert. Kasane liegt direkt an der Grenze zu Namibia, Simbabwe und Sambia. Wobei die Grenze zu Sambia nur wenige hundert Meter lang ist.
 

Elefanten beim Trinken und Impallas im Chobe-Nationalpark

Schon auf dem Weg nach Kasane haben wir Elefanten am Straßenrand gesehen. Die Gegend ist bekannt für ihre vielen Elefanten. Etwa ein Drittel aller afrikanischen Elefanten leben im Chobe- und Moremi-Nationalpark im Norden Botswanas. Die Gegend ist sehr beliebt bei Touristen, auch wenn Safaris und Übernachtungen vergleichsweise teuer sind.

Am nächsten Tag haben wir eine kleine Safari durch den Chobe-Nationalpark gemacht. Der Chobe-River ist der Grenzfluss zu Namibia und Sambia. Er fließt in den Sambesi. Wir haben viele Tiere gesehen. Unter anderem Nilpferde, Krokodile, Antilopen, Giraffen, Büffel, Mistkäfer, Adler, sehr viele verschiedene Vogelarten und eine ganze Menge Elefanten. Es war sehr beeindruckend. Am Ende unserer Tour hatten wir sogar noch das Glück, zwei Löwinnen mit vier Jungtieren zusehen. Der Trip hat sich wirklich gelohnt und unser Guide war auch supernett und konnte uns eine ganze Menge zu den Tieren erzählen.
 

Chobe-Nationalpark

Ich hatte bei der ganzen Aufregung vollkommen vergessen, dass es Heiligabend war. Bei 30 Grad und tropischer Umgebung kann das schon mal passieren. Generell ist bei mir nicht so eine richtige Weihnachtsstimmung aufgekommen. In Botswana wird Weihnachten auch nicht wirklich zelebriert. Man trifft sich mit der ganzen Familie und isst zusammen. Die Kinder bekommen vor Weihnachten neue Kleidung und ziehen diese dann zum Familientreffen an. Aber das war es dann auch schon. Ich war also sehr glücklich, als wir beschlossen haben, Weihnachten zu feiern. Der Mann der Gastschwester kommt nämlich auch aus Deutschland und deswegen kennt die Gastfamilie die deutschen Bräuche ein bisschen. Wir sind also abends essen gegangen und haben uns gegenseitig etwas geschenkt. Das war sehr schön. Und als dann am Nebentisch „Oh du Fröhliche“ von einer deutschen Familie angestimmt wurde, kam doch noch ein kleines bisschen Weihnachtsfeeling auf.

Die nächsten Tage waren auch sehr schön. Ich habe einen Kurztrip nach Namibia unternommen, man muss ja nur den Fluss überqueren, und wir sind zu den Victoriafällen nach Simbabwe gefahren. Das war auch sehr beeindruckend und auch von der Vegetation her ganz anders als im Süden Botswanas. Dort ist ein richtiger Regenwald. Am nächsten Tag ging es dann auch schon wieder zurück nach Gaborone.

Es war ein sehr anderes Weihnachten für mich, aber ich war auch positiv überrascht. Ich hatte eine sehr schöne Zeit in Kasane und gar keine Zeit, um Heimweh zu bekommen. Es gab zwar keine Weihnachtsbäume und auch keinen Schnee, aber dafür eine ganze Menge Palmen und Sonne.

Ausflug zu den Viktoriafällen in Simbabwe

 

 

November
Zu Besuch bei Elefanten
 

unterwegs im Einbaumboot

Drei Wochen nach meiner OP ging es mir wieder richtig gut. Mir ging es sogar so gut, dass ich mir einen kleinen Trip zumutete. Charlotte und ich hatten geplant, für ein paar Tage nach Maun zu fahren. Maun ist die Touristenstadt schlechthin in Botswana. Naja, eigentlich kann man nicht gerade von einer Stadt sprechen. Es ist eher ein Dorf, dass fast direkt am Okavango Delta liegt, das seit 2014 Weltnaturerbe ist. Das Delta hat es besonders den „Reichen und Schönen“ der westlichen Welt angetan. Kein Wunder, denn bei unseren ersten Recherchen für günstige Übernachtungsmöglichkeiten wurden wir enttäuscht. Die botswanische Regierung legt sehr viel Wert seinen „Hochqualitätstourismus“ beizubehalten. Lodges sind dementsprechend luxuriös eingerichtet und teuer.

Trotzdem wollten auch wir unbedingt das große Spektrum, das es dort an Tieren und Pflanzenarten gibt, erleben. Schlussendlich entschieden wir uns, im „Old Bridge Backpacker Hostel“ zu campen. Nach fast zwölf Stunden Busfahrt kamen wir morgens in Maun an und haben erstmal im Hostel eingecheckt. Wir wurden positiv überrascht. Es war alles sehr offen und naturnah. Für manche vielleicht fast schon ein bisschen zu naturnah. Das Hostel liegt an einem Auslauf des Deltas. Dieser beherbergt ein Krokodil, das sich frei im ganzen Bereich bewegen kann. Zum Glück ist eine kleine Böschung zwischen dem Flussbett und dem Restaurantbereich des Hostels. Trotzdem muss man aufpassen, dass man unterhalb der Böschung nicht zu nah ans oder ins Wasser gerät.
 

Krokodilwarnung im Hostel

Den restlichen Tag haben wir in der Stadt verbracht und uns umgeschaut. Ich habe seit langem nicht mehr so viele „Weiße“ an einem Ort gesehen. Es war eine ganz neue Situation, mal als Touristen zu gelten und uns selbst als solche zu sehen. Abends saßen wir noch gemütlich an der Bar im Hostel und haben auch gleich eine andere deutsche „weltwärts“ Freiwillige kennengelernt. Sie arbeitet in Maun und es war sehr interessant, ihre Erfahrungen zu hören. Wir haben auch einen jungen Tourguide mit deutschen Wurzeln kennengelernt. Sein Vater kommt aus Deutschland, seine Mutter aus Botswana. Er berichtete uns von Safaris mit Prinz Harry, Steven Spielberg und weiteren Hollywoodgrößen. Das war sehr unterhaltsam und zeigte uns, dass Botswana als echter „Geheimtip“ in der „Highsociety“ gilt.

Am nächsten Morgen ging es für uns sehr früh raus. Wir hatten uns für einen Mokorotrip angemeldet. Mokoros sind traditionelle Einbaumboote und werden aus dem Stamm des Leberwurstbaums hergestellt. Nach einer einstündigen Fahrt durch den Busch sind wir im Boro-Dorf angekommen. Dieses Dorf ist direkt am Buffalo Fence, das ist die Grenze zum Naturschutzgebiet. Dort wurden wir von unserem einheimischen Guide empfangen. Wir sind also schnell ins Mokoro gestiegen und losgefahren.
 

 
traditionelle Hütten im Dorf Boro

Es war schon etwas später am Morgen, so dass uns der Guide nicht viel Hoffnungen gemacht hat. Wir müssten sehr lange in den Busch laufen, um Chancen zu haben, Tiere zu sehen. Diese würden sich alle bei dieser Hitze im Busch verstecken. Bei 40 Grad ist das verständlich, fanden wir. Das Delta ist riesig, es besteht aus vielen verschiedenen Wasserstraßen, Lagunen und Inseln. Die Tiere sind an das Wasser gewöhnt und so kann es schon mal vorkommen, dass man einen Löwen, auf der Jagd nach einer Antilope, durchs Wasser sprinten sieht.

Wir sind zu einer etwas größeren Insel gefahren und nach einer kleinen Pause ging es dann auch direkt zu Fuß weiter. Wir waren nur zu dritt unterwegs. Nach kurzer Zeit konnten wir dann auch schon einen Elefanten und Zebras bewundern. Denen schien die Hitze nichts auszumachen. Das war ein unglaubliches Gefühl, einen Elefanten aus nur etwa 50 Metern, ohne Zaun, ohne Auto, zu beobachten. Unser Guide wusste ganz genau, wie weit man gehen darf und hat uns mit interessanten Informationen über die Lebensweise der Elefanten versorgt. Es leben ca. 200 000 Elefanten im Delta. Es ist also kein Wunder, dass wir noch insgesamt zwölf weitere graue Riesen gesehen haben. Sogar an einem Elefantenfriedhof kamen wir vorbei, der direkt an einem „Elefantenhighway“, also einer Elefantenstraße, lag. Elefanten besuchen die Überreste dieses Jungtieres regelmäßig um zu trauern.

Am Ende unserer Tour hatten wir doch noch ein bisschen Glück und konnten eine Herde aus Gnus und Zebras beobachten.

Nachdem wir wieder am Mokoro angekommen waren näherte sich auf einmal eine Herde Elefantenbullen. Ein Jungbulle war besonders auf Streit aus und versperrte uns den Weg im Wasser. „Den Kampf ums Wasser“ nennen die Guides diesen nicht selten vorkommenden Konflikt. Nach kurzer Zeit konnten wir uns aber dann doch noch pünktlich auf den Heimweg machen und hatten sogar noch Zeit, im Delta zu baden. Natürlich an einer sicheren Stelle, wo es keine Krokodile und die noch gefährlicheren Flusspferde gibt.

Nach einem ereignisreichen Tag entspannten wir uns und genossen unseren letzten Abend in Maun. Am nächsten Morgen sollte es dann auch schon wieder zurück gehen. Schließlich ruft die Schule.

Elefantenfriedhof

 

 

eine Herde Zebras und Gnus

 

 

November
Krankenhäuser in Botswana – oder: wie ich meinen Blinddarm verlor

Elisa in der Notaufnahme

Es ist nun genau einen Monat her, seit dem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Das Bokamoso Private Hospital liegt am äußersten Rande Gaborones und ist ein sehr modernes Krankenhaus. Trotzdem hatte ich ein wenig Respekt, was mich denn erwarten würde, als ich Anfang Oktober mit Fieber, Gliederschmerzen, Schwindel und Bauchkrämpfen in die Notaufnahme kam. Nach langem Warten auf meine Blutergebnisse stand die Diagnose fest: Blinddarmentzündung. Das war natürlich ein großer Schock für mich. Zum Glück war meine Gastmutter da, und auch meine Mitfreiwillige Charlotte ist gekommen.

Mich sollte am nächsten Morgen ein Chirurg aus Kuba laporoskopisch operieren. Die Krankenpfleger und Ärzte waren alle sehr nett und haben sich sehr gut gekümmert. Die Zimmer waren sauber, sehr groß und hatten alle einen eigenen kleinen Fernseher. Ich war auf einem Vierbettzimmer, mit drei weiteren Frauen. Am nächsten Morgen, ich war die ganze Nacht mit Morphium „vollgepumpt“ worden, musste ich noch warten, bis ich an die Reihe kam. Um 14 Uhr wurde ich dann endlich zur OP abgeholt. Mir war doch ein wenig mulmig, aber ich konnte in dieser Situation eigentlich nichts anderes machen, als den Ärzten und Anästhesisten zu vertrauen. Alle waren sehr nett und haben mir ihre Lebensgeschichten erzählt und mich ausgefragt, bevor ich eingeschlafen bin. Ich bin drei Stunden später im Aufwachraum aufgewacht und wurde auf mein Zimmer geschoben. Ich war sehr kaputt von der OP, habe mich aber sehr gefreut, Charlotte mit ihrer Ansprechpartnerin, Sister Paulina, in meinem Zimmer zu sehen.
 

Elisas Krankenzimmer

Der Arzt musste letztendlich doch noch einen etwas längeren Schnitt machen, also hatte ich noch etwas Schwierigkeiten mit dem Laufen und Sitzen. Am nächsten Morgen habe ich dann das erste Mal seit zwei Tagen wieder etwas festes Essen können. Das Essen war sehr lecker und man konnte zwischen drei Gerichten wählen. Am Nachmittag und Abend bekam ich dann Besuch von einer Physiotherapeutin und meinem Arzt. Ich sollte noch eine Nacht bleiben, bevor ich entlassen werden konnte. Es war natürlich nicht das schönste Erlebnis, in einem fremden Land operiert werden zu müssen. Dazu war das meine erste größere OP. Aber die Narben heilen gut und ich kann wieder alles machen.
 

Die erste feste Nahrung nach der OP: Kartoffelbrei,
püriertes Hühnchen und Spinat

Das Gesundheitssystem ist im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern sehr gut in Botswana. Zwar können sich nur etwas reichere Menschen die Privatkliniken leisten, aber es gibt auch staatliche Krankenhäuser. Dort muss man zwar sehr lange warten, aber nur sehr wenig Geld bezahlen für eine gute Versorgung.

Ich hoffe, dass ich das Bokamoso Private Hospital nur noch von außen sehen werde. Trotzdem muss ich sagen, dass ich mich dort sehr gut aufgehoben gefühlt habe.

 

 

 

Oktober
Bots 50 und ein Stück „wildes Botswana"

Eine traditionelle Lehmhütte im „Bots-50-Stil". Reinigungskräfte der Schule haben diese Hütte extra zum Jubiläum des
Unabhängigkeitstages gebaut.

Die letzten Septemberwochen waren sehr ereignisreich für Botswana und natürlich auch für mich. Am 30. September wurde der 50. Unabhängigkeitstag zelebriert. Das ganze Land hatte sich seit Monaten auf diesen historischen Tag eingestimmt. Der Präsident des Landes, Ian Khama, hatte seinem Volk verordnet, jeden Freitag die Landesfarben zu tragen, also die Farben der Flagge. Blau steht für das über lebenswichtige Wasser, Weiß steht für die „weißen“ und Schwarz für die „schwarzen“ Menschen des Landes. Ab Anfang September sollte man dann täglich „Botswana colours“ tragen. Überall wurden Trikots, Fahnen, Hüte, Taschen, Schmuck und Schuhe in Botswana-Farben verkauft. Für mich war es natürlich ein riesiges Glück, dass ich genau zu so einem Ereignis im Land war. Immer wenn ich mit meinem Botswana-Trikot oder meiner Botswana-Kappi durch meine Nachbarschaft gelaufen bin, haben die Leute mich begeistert angesprochen und waren stolz, dass auch Ausländer von der „Independence Stimmung“ mitgetragen wurden. 

Die Feierlichkeiten begannen für mich schon am 23. September in der Schule. An diesen Tag sollten die elftägigen Schulferien beginnen. Anstatt diesen Tag schon zu Hause zu verbringen, hatte sich das Kollegium überlegt, zusammen zu kochen und sich gegenseitig etwas zu schenken. Ich habe an diesem Tag mitgeholfen, das traditionelle Essen zu kochen und dabei viel gelernt. So kann ich nun Paliche, oder auch Pap, kochen. Das ist der traditionelle Reisbrei, der zu fast allen anderen Nahrungsmitteln als Beilage gegessen wird.

 
Elisa mit einigen Lehrinnen und Köchinnen sowie ihrer Ansprechpart-
nerin Sister Angela in den Botswana-Farben

Die Reinigungskräfte haben schon seit einigen Wochen an einer traditionellen Lehmhütte gearbeitet, die an diesem Tag eingeweiht wurde. Nachdem das Essen fertig war, wurden die Geschenke überreicht. Das lief anders ab, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Jeder musste sein Geschenk einzeln übergeben, wobei die anderen im Kreis sangen und tanzten. Es war eine sehr fröhliche und schöne Art des Geschenkeüberreichens. Mir kam es so vor, als ob nicht das Geschenk im Vordergrund stand, sondern das gemeinschaftliche Überreichen. Es war ein sehr schöner Tag, an dem ich mich auch mit vielen Lehrern und Angestellten über private Themen oder generell außerschulische Themen unterhalten konnte. 

Bis zum eigentlichen Independence Day waren es noch ein paar Tage hin, in denen ich viel freie Zeit hatte, um meine Umgebung noch besser kennenzulernen. Meine Mitfreiwillige Charlotte und ich waren oft in der Innenstadt und in den großen Shoppingmalls um Gaborone herum. In diesen Malls findet man alles: von Nutella, über Niveaprodukte bis hin zu Luxuswaren. An einen Nachmittag hat Charlottes Ansprechpartnerin uns mit in ein nahes Naturreservat genommen. Das Gaborone Game Reserve ist mit seinen etwa fünf Quadratkilometern relativ klein, dafür aber fast direkt in der Stadt. Trotzdem hat man das Gefühl, ein Stück „wildes Botswana“ erlebt zu haben. 

Beim Abfüllen des „Ginger Beers" am Independence Day

Mit einem Eintrittsgeld von umgerechnet 1,20 Euro ist es ein ziemlich günstiges Vergnügen. In dem Park leben keine gefährlichen beziehungsweise großen Tiere, was mit der Nähe zur Hauptstadt zu tun hat. Trotzdem hatten wir das Glück, eine Zahl von Tieren beobachten zu können. Uns bot sich der Anblick von Straußen, Warzenschweinen, Anpallas, Kudus, verschiedenen Affen- und Vogelarten und zum krönenden Abschluss Zebras. An diesem Tag ist mir so richtig bewusst geworden, wie vielfältig Botswana ist. In den Städten blüht die Industrie, während der Rest des Landes aus reiner Wildnis besteht. Mit einer Fläche fast so groß wie Frankreich, hat Botswana nur 2,2 Millionen Einwohner. 

Diese 2,2 Millionen Einwohner haben sich Ende September in ihren Städten versammelt, um gemeinsam und friedlich den 50. Jahrestag der Unabhängigkeit von Großbritannien zu feiern. Das Fest begann schon am 29. September mit einer Show im Stadion der Hauptstadt. In dieser Show waren zahlreiche internationale Gäste wie Politiker und Botschafter aus ganz Afrika, aber auch aus Europa und Asien vertreten. Ich habe mir die Show im Fernseher angeschaut und fühlte mich sehr an eine olympische Eröffnungsfeier erinnert. Es gab schon im Voraus einen monatelangen Fackellauf, an dessen Ende eine riesige Fackel im Stadion angezündet wurde. Das Land präsentierte sich mit all seinen Facetten. Am nächsten Tag ging die Show weiter. Dennoch feierten die meisten Menschen auch in ihrer Nachbarschaft oder mit ihren Familien. So lernte ich die Großfamilie meiner Gastfamilie kennen, mit der wir die Nacht durchfeierten. 

Am nächsten Morgen stand die Feier mit der Nachbarschaft an. Dafür haben sich die Frauen schon um halb sechs zum gemeinsamen Kochen getroffen. Ich musste meiner Gastmutter beim Abfüllen und Sieben ihres selbstgebrauten „Ginger Beers“ helfen. Das ist ein hier sehr beliebtes alkoholfreies Softgetränkt. Beim Abfüllen hatte ich zum Glück Hilfe von einer weiteren deutschen Freiwilligen, die in meiner Nachbarschaft wohnt, und ihrer Gastschwester. Es hat trotz der vielen Arbeit sehr viel Spaß gemacht und das Essen und Trinken hat danach noch besser geschmeckt. 

Zebras im Naturreservat nahe der Hauptstadt

 

 

Affen im Gaborone Game Reserve

 

September
„Teacher Elisa“

Elisa hilft bei einem Kunstprojekt: Die Schüler gestalten Abdrücke ihrer
Hand.

Seit heute bin ich genau einen Monat in Botswana. Die ersten Wochen hatte ich noch oft Heimweh und musste mich in diesem komplett fremden Land erst einmal richtig einleben. Nun vergeht die Zeit aber wie im Flug. Das liegt größtenteils an meinen langen Arbeitstagen im Kamogelo Day Care Center. Diese Einrichtung liegt im Stadtteil Mogoditshane, in dem ich auch lebe, und ist ein Projekt der Caritas in Botswana. Das Projekt hieß ursprünglich „Kamogelo Orphans And Vulnerable Children Project“ und wurde, wie der Name schon sagt, für Waisenkinder und Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen, eingerichtet.

Die Eltern vieler Kinder sind vor allem an Aids gestorben oder haben so wenig Geld, dass sie sich die anderen Day Care Center nicht leisten können. Im Kamogelo Day Care Center bekommen die Kinder zweimal täglich etwas zu essen, die Schuluniform wird ihnen gestellt und das Schulgeld ist zehnmal weniger als normal. Die Anzahl der Waisen, die heute das Center besuchen, ist stark zurückgegangen und die Anzahl der HIV-positiven Kinder beträgt momentan Null. Trotzdem sind HIV und Aids immer noch ein großes und schwieriges Thema in Botswana. Viele Eltern der Kinder  sind HIV-positiv oder/und sehr, sehr arm, so dass sie auf Hilfe von außerhalb angewiesen sind.

Das Center kann man mit einer Vorschule vergleichen, in der Kinder von eineinhalb bis fünf Jahre unterrichtet werden. Meine Ansprechpartnerin, Sister Angela, die Administratorin des Centers, hat mich als „Assistant Teacher“ in die Klasse mit den Vier- bis Fünfjährigen zu geteilt. Jede Klasse hat einen Tiernamen und wird von zwei Lehrerinnen betreut. Die „Rabbit class“ ist die Klasse mit den jüngsten Schülern, sie sind von eineinhalb bis zwei Jahre alt. Danach kommt die „Giraffe class“, dort lernen die Zwei- bis Dreijährigen schon erste Wörter und Sätze auf Englisch zu sagen. In meiner Klasse, der „Butterfly class“, wird dann das Alphabet gelernt und der Name wird geschrieben. Natürlich lernen die Kinder auch noch andere Dinge, wie zum Beispiel zählen, die Farben, Formen, verschiedene Tierarten zu unterscheiden usw. Die älteste Klasse, die „Bears class“ feiert im Dezember ihren Abschluss. Danach gehen die Kinder in die erste Klasse der „Primary School“. 

Schüler im Klassenzimmer

Ein großer Teil des Unterrichts, besteht aus Singen und gelegentlich auch Tanzen. Die Kinder werden so schon sehr früh mit den traditionellen Liedern und Tänzen vertraut gemacht, denn Musik spielt eine sehr große Rolle in ihrer Kultur.

Meine Aufgabe ist es, die Lehrerin der „Butterfly class“ überall zu unterstützen, wo sie Hilfe braucht. Diese Aufgaben bestehen zum Beispiel aus den Klassenraum putzen, den Kindern beim Essen helfen, gelegentlich auch selbst unterrichten, die Kinder in der Mittagspause zu betreuen, den Kindern beibringen, ihren Namen zu schreiben und aus vielen weiteren. Von mir wird erwartet, dort anzupacken, wo ich gerade benötigt werde. Die Lehrer, Köchinnen und weiteren Mitarbeiter haben mich sehr herzlich aufgenommen und helfen mir immer, wenn ich nicht weiterweiß.

Die Verständigung mit den Kindern gestaltet sich als etwas schwierig, da viele nur die hier von 90 Prozent der Bevölkerung gesprochene Bantu-Sprache und offizielle Amtssprache Setswana sprechen. Die Kinder sollen im Day Care Center an Englisch herangeführt werden, um die Grundlagen der anderen offiziellen Amtssprache in ihrem Land zu lernen. Ich werde aber trotzdem auch versuchen, Setswana zu lernen, damit ich mich besser mit den Kindern verständigen kann und bei Probleme handeln kann.

Die Kinder, vor allem die ganz kleinen, waren anfangs sehr begeistert von meiner weißen Hautfarbe und meinen glatten Haaren. Da ich die erste Freiwillige auf der Stelle bin, haben viele Kinder noch nie eine „Weiße“ gesehen und fanden es aufregend, dass ich von jetzt „Teacher Elisa“ für sie bin. 

Die Lehrerinnen sind sehr streng und verlangen absolute Disziplin, auch von den ganz Kleinen. Wenn ein Kind aus der Reihe tanzt oder mit einem anderen Kind rauft, dann wird der Stock herausgeholt. Das Schlagen von Kindern ist in Botswana zwar gesetzlich verboten worden, ist aber in vielen Schulen und auch Familien sehr präsent. Die Kinder bekommen entweder einen Klaps auf den Kopf, auf den Hintern oder über die Finger. Manchmal ist es so schlimm, dass viele von ihnen weinen. Für mich ist das nur schwer zu ertragen, da ich nicht wirklich etwas dagegen unternehmen kann. Das Einzige, was man wirklich machen kann, ist den Lehrern und den Schülern zu sagen, dass ich sie nicht schlagen werde. Trotzdem gehört das Schlagen für die Schüler dazu und sie erwarten es auch von den Lehrern.

Zum Frühstück gibt es das traditionelle Porridge
(Motogo).

Für mich ist es extrem schwierig, die 33 Schüler meiner Klasse alleine im Zaum zu halten. Da ich sie ja nicht schlage, machen die Vierjährigen, was Vierjährige überall auf der Welt machen wollen: spielen, miteinander raufen und Blödsinn machen. Mit der Zeit habe ich mir aber ein bisschen Respekt verschafft und nun läuft mein Unterricht, wenn ich alleine bin, etwas besser als anfangs. 

Das Day Care Center ist im Vergleich zu anderen Centren relativ groß. Es sind momentan um die 90 Kinder angemeldet, aber viele kommen nicht täglich. Ein Schulbus sammelt die Kinder vor der Schule ein und bringt sie nach der Schule nach Hause. Da die Kinder teilweise aus zwei unterschiedlichen Teilen Mogoditshanes kommen, fährt der Schulbus zwei große Runden. Manche Kinder müssen trotzdem noch eine Stunde aus der Wüste laufen, um dann mit dem Schulbus zum Unterricht zu fahren.

Dieser Kinderspielplatz wurde von einer amerikanischen
Organisation gespendet.

Ich fühle mich, trotz der harten Disziplin und der für mich sehr gewöhnungsbedürftigen Maßnahmen wohl und als ein festes Mitglied des Kollegiums aufgenommen. Ich bin gespannt, wie sich die nächsten Wochen und Monate sich entwickeln werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

August
Ankunft in einer anderen Welt

Elisas Zuhause in den kommenden Monaten: Eingang zum Haus der Gastfamilie

Der Tag meiner Abreise nach Botswana – genauer gesagt nach Mogoditshane, einem Vorort der Hauptstadt Gaborone. Nach einem wehmütigen Abschied von meinen Freunden und meiner Familie ging es mit dem Zug nach Frankfurt. Ich war ganz froh, dass ich meine Mitfreiwillige Charlotte dabei hatte. Zu zweit reisen ist einfach entspannter. Von Frankfurt aus ging es über die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba, nach Gaborone. Dort überraschte uns die kühle und trockene Luft, denn Botswana liegt auf der Südhalbkugel, dementsprechend ist dort noch tiefster Winter. 

Am Flughafen wurden wir abgeholt und zu unseren Gastfamilien gebracht. Sister Angela, meine Ansprechpartnerin, und Sister Paulina, Charlottes Ansprechpartnerin, haben uns sehr herzlich empfangen. Als ich dann bei meiner Gastfamilie ankam, war ich sehr überrascht. Im Wohnzimmer hängt ein Flachbildfernseher, in der Küche ist eine Waschmaschine und es gibt WLAN. Ich bin also bei einer verhältnismäßig wohlhabenden Familie gelandet. Aber die Innenausstattung meines neuen Zuhauses war auch das einzige, was nicht ganz neu für mich war. Sobald ich nach draußen gehe, erwarten mich roter, feiner Staub, eine hohe Mauer mit einem Elektrozaun, der das Haus umzäunt, und sechs Wachhunde. Die hohe Sicherheit ist nicht unbegründet. Sobald es dunkel wird, muss man, besonders als Ausländer beziehungsweise „Weißer“, aufpassen, denn es gibt ein großes Problem mit Dieben. 

Der Vorhof zum Haus der Gastfamilie

Auch an manche Speisen muss ich mich erst gewöhnen. Am nächsten Tag wurde eine Ziege geschlachtet und alles verwertet, was ging. Ich bekam also gebratene Ziegenleber zum Abendbrot. In den darauffolgenden Tagen hatte ich noch Zeit, mich in meiner neuen Umgebung einzuleben und mich mit meiner Gastfamilie vertraut zu machen, bevor meine Arbeit im Day Care Center beginnt.

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Kommentare

Musik kannst du auch mit dem Körper und ohne Worte sagen! Klatschen, patschen, stampfen ... Ich you happy and you know it... Kennst du sicherlich auch noch?! Danke für Deinen ausführlichen und anschaulichen Bericht! Claudia

Hallo Elisa,
habe eben erst erfahren, dass Du einen Blog beim Kirchenboten hast und ihn gleich gelesen.
Interessante Erfahrungen, die Du da machst.
Ich selbst war schon mal in Namibia und habe deswegen Deinen Bericht über den Ausflug an seine Grenze besonders interessiert gelesen.
Bín gespannt auf weitere Berichte.
Liebe Grüße
Hermann Sommer

Liebe Elisa

Es war wieder sehr spannend, deinen Märzbericht zu lesen. Inzwischen hattest du Besuch aus Deutschland, der  schon wieder abgereist ist Dein nächster Bericht erzählt uns sicher von euren gemeinsamen Erlebnissen. Letzte Woche haben wir den sehr sehenswerten Film "A United Kingdom" gesehen. Die Aufnahmen vom Land waren deinen Bildern sehr ähnlich. Auch der Ruf "Pula" als Zustimmung in den Versammlungen war uns ja schon durch dich bekannt.Wir freuen uns auf weitere Erzählungen und wünschen dir weiter eine bereichernde Zeit.