26.10.2017

Was bleibt vom Reformationsgedenken?

Ökumenisch weitergehen

Ein Jahr lang wurde an Luthers Thesenanschlag vor 500 Jahren erinnert. Bei vielen Gottesdiensten und Veranstaltungen waren Katholiken dabei. Was bleibt vom Reformationsgedenken? Wir haben verschiedene Menschen im Bistum gefragt

Der ökumenische Gottesdienst, in dem sich Vertreter aller Konfessionen
gegenseitig um Vergebung für in der Vergangenheit angetanes Unrecht
baten, war im Reformationsjahr ein besonderer Moment. Foto: Thomas
Osterfeld

„Schon im vergangenen Jahr haben wir einen wunderbaren ökumenischen Martinsumzug erlebt, an dem gut 700 Kinder mit ihren Familien teilgenommen haben. In einem Anspiel haben sich St. Martin und Martin Luther kennengelernt. Zugleich erfuhren die Kinder, dass die evangelische Kirche in Twistringen den Namen „Martin Luther“ trägt. Auf diese Weise haben sie nicht nur die beiden kennengelernt, sondern auch etwas über ihre anhaltende Bedeutung erfahren. Alle freuen sich heute schon auf den 10. November 2017!
Natürlich ist es leichter, auf das Gemeinsame zu schauen als auf das Trennende, aber es ist auch das, was so viele Menschen wahrnehmen und vor allem in ihrem Alltag (er)leben! Hinter den Gemeinsamkeiten und Wurzeln verbirgt sich für mich die tiefgehende Sehnsucht nach Verbundenheit. Es geht mir um die Bewegung aufeinander zu!“
Birgit Hosselmann, Pastoralreferentin in Twistringen

„Im Reformationsjahr gab es bei Gottesdiensten, Vorträgen und Gesprächsrunden immer wieder sehr interessierte Teilnehmer. Sie haben von Verletzungen aus früherer Zeit erzählt, aber auch von Aufbrüchen in den Gemeinden. Die große Sehnsucht nach dem gemeinsamen Abendmahl war überall zu spüren. Die Woche mit dem Osnabrücker Team ,Katholisch in Wittenberg‘ war für mich ein Höhepunkt. Für mich ist klar: Wir müssen im doppelten Sinne ,ökumenisch weitergehen‘“.
Domkapitular Reinhard Molitor, Bischöflicher Beauftragter

„Im Vorstandsteam der kfd Lengerich haben wir bei der Programmplanung für 2017 versucht, das vom Bundesverband formulierte Positionspapier „Ökumene bewegt Frauen – Frauen bewegen Ökumene“ umzusetzen. Zusammen mit den Frauen unserer evangelisch-reformierten Schwestergemeinde konnten wir zur Frauenkundgebung nach Ahmsen fahren, eine viertägige Reise in die Region Wittenberg unternehmen, eine Agape-Feier abhalten und schließlich ein Frühstück genießen. Bei allen Veranstaltungen war die Bereitschaft spürbar, aufeinander zuzugehen, ökumenisch zu denken und zu handeln. Jetzt empfinden wir es als selbstverständlich, für 2018 gemeinsam mit unserer Schwestergemeinde Termine zu planen und durchzuführen.“
Gabriele Joachimmeyer, kfd Lengerich

„Eine für mich eindrückliche Erfahrung war die Romreise einer ökumenischen Gruppe aus Bremen. Die Begegnungen und Erfahrungen in Rom haben das Miteinander vertieft. Mich persönlich hat auch der Bericht über den Besuch des Papstes in der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom sehr beschäftigt.
Auf die Frage einer evangelischen Frau, die in einer glücklichen Ehe mit ihrem katholischen Mann lebt und sehr unter der Trennung der Kirchen litt, was sie denn noch tun könne, um die volle Gemeinschaft im Glauben zu haben, antwortete der Papst: ,Nehmt immer auf die Taufe Bezug: ,Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr‘, sagt uns Paulus, und von daher zieht die Schlussfolgerungen. … Eine Taufe, ein Herr, ein Glaube. Sprecht mit dem Herrn und geht voran.‘ Dieser Impuls des Papstes im Gespräch mit Christus und in der Gewissenserforschung voranzugehen, halte ich auch für fruchtbringend für die Ökumene in Bremen.“
Martin Schomaker, Propst in Bremen

„Für mich bleiben besonders zwei Erlebnisse in Erinnerung. Zum einen ist es die Pastoralfahrt mit dem Katholikenrat und Bischof Bode auf den Spuren von Martin Luther, die uns durch Eisleben, Dresden, Erfurt und auf die Wartburg führte und in vielfältiger Weise das religiöse, kulturelle und zeitgeschichtliche Erbe näherbrachte. Zum anderen sind es die Veranstaltungen, die im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Kirchen (ACK) in Quakenbrück und Umgebung stattgefunden haben.
Für mich ist die Zukunft der Ökumene in vielen Gemeinden schon längst zur Gegenwart geworden. In einem geschwisterlichen Miteinander und aus einem gemeinsamen Taufverständnis heraus wird die Vielfalt geschätzt und längst gelebt. Und doch bleibt für mich auch eine innere Unruhe, die das Mühen um eine interkonfessionelle Gastfreundschaft nicht aus dem Blick verliert.“
Katharina Abeln, Vorsitzende des Katholikenrats

„Besonders beeindruckt hat mich der ökumenische Gottesdienst zum Abschluss des Weltfriedenstreffens der Gemeinschaft Sant‘ Egidio im Osnabrücker Dom. Es war rein äußerlich ein buntes Bild, welches sich vor allem im Chorraum zeigte. Menschen verschiedener Kulturen und christlicher Konfessionen beteten zusammen und in Freundschaft für den Frieden auf aller Welt. Eine Anregung, die mir für die Zukunft bleibt: Sollten wir nicht, gerade mit Blick auf den Frieden, vielmehr zusammen dafür eintreten und gemeinsam dafür beten?“
Lukas Mey, Diözesanvorsitzender des BDKJ

„Für mich sind es viele dichte Momente in den ökumenischen Gottesdiensten und der gemeinsamen Vorbereitung darauf. Sehr beeindruckt hat mich die Predigt von Landessuperintendentin Birgit Klostermeier zu unserem ersten ökumenischen Gedenken an die Lübecker Märtyrer: dass wir ‚in Christus‘ und deshalb auf eine Weise miteinander verbunden sind, die tiefer geht als alle konfessionellen Trennlinien. Ich habe für mich wiederentdeckt, was wir als Glaubensgeschwister aneinander haben. Um so mehr nehme ich die Selbstverpflichtung mit, dass wir – wo immer möglich – in ökumenischer Verbundenheit beten und handeln.“
Julie Kirchberg, Ökumenebeauftragte des Bistums

„Zwölf Stationen der Wanderausstellung ,Die Reformation im Emsland und der Grafschaft Bentheim‘ sowie zahlreiche Vorträge und Exkursionen zur Reformation haben mich begleitet. Dabei berichteten ältere Besucher häufig über die heftigen Konflikte zwischen den Konfessionen noch in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Betroffenen haben im Laufe der Jahre durchgesetzt, was wir heute als ganz normal empfinden. Dies hat mir noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig die Ökumene ist und welche Fortschritte hier in den letzten Jahrzehnten erreicht wurden.“
Andreas Eiynck, Leiter des Emslandmuseums

 

Gottesdienste am Reformationstag von Borkum bis Bad Laer

An vielen Orten finden am Reformationstag (31. Oktober) Gottesdienste statt.

Osnabrück, 18 Uhr: In der Marienkirche am Markt mit Dialogpredigt von Landessuperintendentin Birgit Klostermeier und Bischof Franz-Josef Bode, anschließend Begegnung im benachbarten Rathaus.
Lingen, 10 Uhr: In der Kreuzkirche mit Superintendent Bernd Brauer, Präses Ilse Landwehr-Wegner und Weihbischof Johannes Wübbe
Bremen, 18 Uhr: In der Wilhadi-Gemeinde mit Pfarrer Josef Fleddermann
Bremen, 10 Uhr: Im Dom St. Petri mit von den Katholiken gestalteter Licht- und Klanginstallation, Mitmachangebot, bis 22 Uhr geöffnet
Spelle, 19 Uhr: In der ev.-luth. Kirche mit Pastor Pfannkuche, Pastor Korporal und Pfarrer Ludger Pöttering
Bad Laer, 11 Uhr: In der Kirche St. Mariae Geburt mit Pastorin Jannasch und Pfarrer Maik Stenzel, anschließend Reformationsfeier auf dem Gelände der Dreifaltigkeitskirche
Borkum, 18 Uhr: Lichterweg, Start an der ref. Kirche, Gesprächsmöglichkeit auf dem Weg, in den Kirchen Stille und Musik, 20 Uhr Abschluss auf dem katholischen Kirchplatz
Lemförde, 19 Uhr: Luther-Kirche, mit Predigt von Pfarrer Marc Weber
Schüttorf, 10 Uhr: In der reformierten Kirche mit Pastor Kondrad Pfannkuche, Pastor Henning Kraft, Pfarrer Hubert Goldbeck und Pastorin Corinna Pfannkuche
Bad Bentheim, 10 Uhr: In der Martin-Luther-Kirche mit Pastor Gerold Klompmaker, Diakon Harry Lössner, Pastor Hartmut Giesecke von Bergh und Gerhard Kortmann
Nordhorn, 19 Uhr: In der Alten Kirche mit Predigt von Pastorin Olearius und einer Chorgemeinschaft aus drei Chören

Quelle: Bischöfliches Generalvikariat