Elisabeth Neitzel engagiert sich für das Marianische Apostolat

„Das hat meinen Alltag verändert"

Marianisches Apostolat oder Laienmaristen – was verbirgt sich dahinter? Eine der größten deutschen Gruppen gibt es in Lohne in der Grafschaft Bentheim. Worum es den Mitgliedern geht – davon erzählt Elisabeth Neitzel.

 

Antike Kunst ist ihr Beruf. Aber privat engagiert sich Elisabeth
Neitzel für das Marianische Apostolat. Foto: Elisabeth Tondera

Das alte, mit Efeu überwucherte Haus von Elisabeth Neitzel in Lohne (Wietmarschen) steckt voller Überraschungen. Direkt hinter der Haustür empfängt den Besucher eine große Jesusstatue, in den Wohnräumen antike Kunst, wo man nur hinsieht. Ägyptische Statuetten und Pharaomasken, Vasen, Teller und Gefäße mit Tier- und Pflanzenmotiven. Um alles wahrnehmen zu können, wäre mehr Zeit nötig, als ein Nachmittagsbesuch hergibt.

Es geht bei diesem Besuch aber nicht um antike Kunst, sondern um das Marianische Apostolat – die Laienmaristen (siehe auch „Zur Sache“). Elisabeth Neitzel ist deren Vorstandsvorsitzende in der Gemeinde St. Antonius in Lohne und bei dem Thema kaum zu bremsen. Sie schenkt Kaffee ein und beginnt bei der Gründung der maristischen Gesellschaft nach den Wirren der Französischen Revolution, zu der auch der Dritte Orden Mariens gehört – die Laienmaristen. In einer Zeit, in der die Menschen nach Sinn und Orientierung suchen, wollen sie eine Brücke zwischen Gott und allen Menschen sein – besonders denen, die der Kirche fern sind. „Unsere Situation heute ist mit der Zeit der Ordensgründung vergleichbar“, sagt Elisabeth Neitzel.

Christsein im Verborgenen leben

Wie der Name verrät, ist die Gemeinschaft Maria geweiht und orientiert sich an ihrem Vorbild. „Wir wollen wie Maria auf Christus hinweisen und dabei zurückhaltend und bescheiden bleiben. Wir sind angehalten, unser Christsein im Verborgenen zu leben“, betont Elisabeth Neitzel. Das bedeutet aber nicht, dass die Laienmaristen nicht in Erscheinung treten. Sie übernehmen viele Aufgaben in der Gemeinde: Lektorendienste, Rosenkranz- und Kreuzwegandachten, Gebetsstunden, Wortgottesdienste, Pfarrgemeinderat.

Die Geschichte der Laienmaristen in Lohne beginnt in den 1950er Jahren und hängt mit den Maristen in Meppen zusammen, wo Schüler aus Lohne als Stipendiaten an deren Gymnasium aufgenommen wurden. Viele Verwandte traten damals den Laienmaristen bei. Als die Schüler sich später nach Lingen orientierten, ging die Zahl der Mitglieder stark zurück. 1987 waren es nur noch fünf. Eine von ihnen war Paula Weßling. Pastor Reinhard Trimpe hatte sie beauftragt, das Marianische Apostolat wieder zu aktivieren. Gleich im ersten Jahr hatte sie zwölf neue Mitglieder gewonnen. „Das war der größte Zuwachs, den wir in einem Jahr bisher hatten“, stellt Elisabeth Neitzel fest.

Und wie ist sie zu den Laienmaristen gekommen? Sie lacht. „Es hat sich ergeben“, antwortet sie. Pastor Trimpe habe sie gebeten, ihn bei einer Versammlung der Laienmaristen zu vertreten und einen Vortrag zu halten. 2002 war das. „Da erlebte ich die Laienmaristen zum ersten Mal und war fasziniert von der offenen und herzlichen Atmosphäre, die dort herrschte“, erzählt sie und die Begeisterung ist ihr auch heute anzusehen. Ihr Gesicht leuchtet, sie spricht lebhaft, unterstreicht ihre Worte mit weit ausholenden Gesten. „Wenn man unter die Maristen fällt, hat man sofort das Gefühl, dazuzugehören. So etwas habe ich sonst nirgendwo erlebt.“

Das Apostolat hat ihren Alltag verändert

Hat es ihren Alltag verändert? „Ja, das hat es“, antwortet sie entschieden. Neben den täglichen Gebeten und der Teilnahme an Eucharistie, hat sie den Vorsitz im Vorstand der Lohner Gruppe und Aufgaben im Sprecherteam für Deutschland übernommen. Dazu gehört die Vorbereitung der deutschlandweiten Treffen der Laienmaristen in Ahmsen, die zweimal im Jahr stattfinden. Die Lohner Gruppe trifft sich dreimal jährlich. Seit 2007 ist sie Delegierte für Deutschland bei den Laienmaristen Europas. „Wir versuchen als europäische Maristen enger zusammenzuwachsen und voneinander zu lernen“, sagt sie.

In ihrer Gemeinde war Elisabeth Neitzel schon immer aktiv. Sie war unter anderem Lektorin, hat in Ausschüssen mitgewirkt, war bis zu den letzten Wahlen Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. „Das habe ich aufgegeben, weil ich wieder in meinem Beruf tätig sein möchte“, verrät sie. Und was ist ihr Beruf? „Klassische Archäologin“, antwortet sie und lacht.

Jetzt ist klar, was es mit den antiken Kunstwerken auf sich hat. Elisabeth Neitzel hofft darauf, nach langer Zeit wieder an einer Expedition teilzunehmen. Wenn alles nach Plan verlaufen wäre, wäre sie schon in Ägypten. Die Koffer hatte sie schon gepackt, doch wegen der instabilen politischen Lage ist das Projekt verschoben worden.

Elisabeth Tondera

 

 

Zur Sache

Jean Claude Colin hat 1816 die maristische Gesellschaft gegründet. Zu den Maristen gehören mehrere Ordensgemeinschaften: die Maristenpatres, die Maristen(schul)brüder, die Maristenschwestern, die Maristenmissionsschwestern und der Dritte Orden Mariens – die Laiengemeinschaft, die sich auch Marianisches Apostolat oder Laienmaristen nennt. Nach dem Vorbild Marias wollen sie die Frohe Botschaft so leben, dass sie Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche erreicht.

Deutschlandweit gibt es rund 300 Laienmaristen, 74 alleine in Lohne. Im Bistum Osnabrück gibt es noch eine Gruppe in Ahmsen und einzelne Mitglieder in verschiedenen Orten.