21.04.2017

Männergruppe der Familienbildungsstätte Nordhorn

„Das tut uns richtig gut"

Worüber Männer gerne reden? Eben nicht nur über das neueste Auto und die Bundesliga. In der Männergruppe der Familienbildungsstätte Nordhorn gibt es intensive Gespräche über ganz andere Themen.

In Bewegung: Die Männergruppe aus Nordhorn trifft sich regelmäßig – auch zum Radfahren. Foto: Ulrich Püttmann

Eckart Deitermann und Artur Wenker sitzen in der Familienbildungsstätte (Fabi) Nordhorn vor einer dicken Mappe. Prall gefüllt ist die – mit Fotos, mit Einladungen, mit Notizen, mit Dokumentationen aus den vergangenen 25 Jahren. „Wir haben ja doch eine Menge gemacht“, sagt Deitermann und blättert Seite für Seite in seiner Akte um. Für das anstehende Jubiläum der Männergruppe Ende April hat auch er noch mal zurückgeblickt und will beim nächsten Treffen den anderen Mitgliedern davon erzählen.

Warum gibt es denn die Gruppe überhaupt? Die zwei Männer sehen sich an und erinnern sich an die Anfänge. Die Idee dazu ist im Jahr 1992 nach Feierabend in einem persönlichen Gespräch entstanden. „Es gab damals mehr und mehr Frauengruppen. Aber eigentlich kein Forum nur für Männer“, erzählt Eckart Deitermann, der sich unter anderem als ehrenamtlicher Diakon in Nordhorn engagiert. „Und da haben wir uns gefragt: Wo bleiben wir Männer da? Wollen wir nicht auch etwas zusammen machen?“ Damit meinten die Initiatoren keineswegs launige Treffen an der Theke, sondern eher ernsthafte intellektuell geprägte Gespräche über alles, „was uns Männer wirklich bewegt“, sagt Artur Wenker, Sozialpädagoge in der Kirchengemeinde Salzbergen.

„Uns Männer“ – das ist in Nordhorn eine bunt gemischte Gruppe. Steuerberater und Pädagogen, Kaufleute und Lehrer, Techniker und Handwerker gehören dazu. Einige stehen noch voll im Beruf, andere genießen schon seit einigen Jahren den Ruhestand. Dass in der Gruppe verschiedene Lebenswelten, verschiedene Erfahrungen, verschiedene Meinungen zusammenkommen, findet Artur Wenker „richtig spannend.“ Er berichtet von guten Diskussionen trotz manchmal gegensätzlicher Standpunkte. Aber das eröffnet manches Mal andere Perspektiven. „Und bei uns ist es auch völlig in Ordnung, wenn wir am Ende mit zwei Meinungen nach Hause gehen.“

Aber nur reden wollen die Männer bei ihren Treffen nicht

Und worüber reden die Männer? „Wir lassen uns nicht nur auf die beste Automarke reduzieren“, sagt Wenker mit einem Schmunzeln und räumt damit bekannte Klischees erst mal vom Tisch. Bei ihren Treffen in der Fabi geht es um alle Themen des (männlichen) Lebens: die Partnerschaft und das Vatersein, der Abschied von den Kindern und das Älterwerden, Tod und Trauer, Beruf und was danach kommt, Glaube und Kirche, die veränderte Rolle von Männern. Manchmal hören sie in Nordhorn einen Vortrag, ein anderes Mal sprechen sie einfach so darüber. Mit einer großen Tiefe, sehr intensiv und vertraut, zuweilen fast philosophisch – weil jemand etwas erlebt hat und in einer bestimmten Situation steckt. „Dieser Austausch ist wichtig, denn irgendwie und irgendwann betrifft jeden von uns jedes Thema“, sagt der Sozialpädagoge. Wichtig ist für die meisten, durch diesen Kreis  überhaupt einen Ort zu haben, an dem über solche Dinge diskutiert werden kann. „Das tut uns allen richtig gut“, sagt Eckart Deitermann eindringlich.

Aber nur reden und zuhören wollen die Männer bei ihren Treffen nicht. Sie wollen auch aktiv werden und sich in anderer Hinsicht bewegen. Deshalb kochen sie mal italienisch, mal spanisch zusammen, deshalb schauen sie sich eine Moschee an, deshalb schwingen sie sich immer mal wieder auf ihre Räder. Solche Touren führen die Nordhorner dann zum Beispiel nach Ostfriesland oder in den Raum Osnabrück. Beim Blick in die dicke Mappe fällt Eckart Deitermann und Artur Wenker auf, wie viel sie dabei schon gesehen haben. Bei ihrem Jubiläum wollen sie Fotos davon zeigen. Und wo geht es in diesem Jahr noch hin? Zum Beispiel zu einer (Auto)-Exkursion zum Industrie-Landschaftspark Duisburg-Nord. Darauf freuen sich schon alle.

Petra Diek-Münchow


Die Männergruppe der Familienbildungsstätte Nordhorn gibt es seit 25 Jahren. Dazu gehören zwölf Männer zwischen 54 und 76 Jahren, die sich einmal im Monat zu Gesprächsrunden, Besichtigungen, Vorträgen oder auch Radtouren treffen. In diesen Tagen feiert der Kreis Jubiläum. Wer Interesse hat, bei der Gruppe mitzumachen, kann sich per E-Mail melden: e.deitermann@web.de