30.11.2016

Christen erinnern sich beim ersten ökumenischen Erzählcafé

„Die hatten mehr Feiertage"

Osnabrücker Prominente verschiedener Konfessionen erzählten sich von ihren Erfahrungen mit katholischen und evangelischen Christen. Mit dabei waren Superintendentin Birgit Klostermeier und Bischof Franz-Josef Bode.

 

Erzählcafé mit Superintendentin Birgit Klostermeier und Bischof Franz Josef Bode. Bischof Bode hatte Gesangbücher beider Konfessionen mitgebracht. Foto: Andrea Kolhoff

Miteinander ins Gespräch kommen, das war laut Superintendentin Birgit Klostermeier das Ziel des Auftaktabends zu den ökumenischen Erzählcafés. Es hat geklappt: Nachdem Osnabrücker Prominente in der Schloss-aula über ihre Kindheitserfahrungen mit der jeweils anderen Konfession berichtet hatten, erzählten sich beim Imbiss die Besucher ihre Geschichten.

Das reichte vom Ehepaar, das  in konfessionsverbindender Ehe lebt und manchmal den evangelischen, dann den katholischen Gottesdienst besucht, bis zu der Frau, die sich scherzhaft als „kathogelisch“ bezeichnet, aber auch berichtet, wie belastend die konfessionsverschiedene Ehe ihrer Eltern sich auf ihre Mutter ausgewirkt hatte. Denn als die Eltern sich kennenlernten und heiraten wollten, war die katholische Familie der Braut strikt dagegen. Einen evangelischen Schwiegersohn wollten sie nicht akzeptieren und so erschienen Eltern und Geschwister der Frau auch nicht zur Hochzeit. Erst Jahre später nahmen sie den Kontakt zu ihrer Tochter wieder auf.

Vor der Heirat konvertiert

Solch dramatische Auswirkungen hatte die Eheschließung von Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert seinerzeit nicht. Um seine Frau heiraten zu können, ist Griesert 1987 in die evangelische Kirche eingetreten. Und er wirkte mit dem Entschluss nach wie vor zufrieden, als er das als prominenter Gast des Erzählcafés in der Schlossaula berichtete. Mitgebracht hatte Griesert ein Bild aus seiner Kindheit: ein Foto, das am Tag seiner Erstkommunion aufgenommen wurde und ihn zusammen mit seiner Schwester zeigt, der kleine Wolfgang ist darauf im Kommunionanzug, die Schwester im Kommunionkleid zu sehen.

„Mein Vater war evangelisch, die Mutter streng katholisch“, berichtete Griesert. Jeden Sonntag ging es in die Kirche. Als Kind besuchte er die katholische Volksschule in Krefeld. Erst nach dem Umzug nach Hameln hatte er auf dem Gymnasium auch evangelische Klassenkameraden. „Die Rituale prägen“, sagt Griesert über seinen Kindheitsglauben. Im Jahr seiner Eheschließung wurde er evangelisch, ein katholischer Pfarrer kommentierte das damals mit dem Satz: „Katholisch bleibst du ein Leben lang.“ Griesert selbst scherzte: „Ich bin sozusagen die alternierende Sukzession in einer Person.“ Für einen guten Umgang mit anderen Menschen spiele Konfession keine Rolle. Wichtig sei die Zuwendung zum Menschen.

„Man aß freitags Fisch, aber man musste nicht“

Kreisrat Winfried Wilkens (55), der aus Bremerhaven stammt, hat als evangelischer Christ eine Katholikin geheiratet und seinen Glauben behalten. „Es gibt heute keinen Zwang mehr zu konvertieren“, meint er. Bei seinen Schwiegereltern sei das noch anders gewesen. Der Mann, ein Protestant, habe katholisch werden müssen, um zu heiraten. Wilkens selbst erinnert sich, dass er in seiner Kindheit im Norden („Deiche, Schafe, und nur Lutheraner“) keine katholischen Menschen kannte, bis die Schule einen katholischen Hausmeister bekam. Der hatte zwei Kinder, „und die hatten immer zwei Feiertage mehr als wir“.

Bischof Franz-Josef Bode, der aus dem Bistum Paderborn stammt, kannte fast nur katholische Kinder. In seiner Grundschulklasse war ein einziges evangelisches Mädchen. Als Priester im Bistum Paderborn war er in der Diaspora tätig und nahm – nach Einführung der ökumenischen Trauung – oft an Trauungen konfessionsverbindender Paare teil. Glücklicherweise seien die Konfessionen nun auf dem Weg eines guten Miteinanders. Bode hatte ein evangelisches und katholisches Gesangbuch sowie ein Bild seines Hirtenstabes mitgebracht. Den Stab hat eine evangelische Künstlerin angefertigt.

Superintendentin Birgit Klostermeier präsentierte ein religiöses Bild, das in vielen evangelischen Haushalten hing. Evangelisch sein, habe damals bedeutet: „Man ging zur Kirche, aber man musste nicht, man aß freitags Fisch, aber man musste nicht.“ Kirche und Rituale seien nicht so wichtig gewesen wie das Wort. Für die Zukunft wünsche sie sich eine Kirche, „die verbunden ist in der Mahlgemeinschaft“.

Andrea Kolhoff

 

Zur Sache

Osnabrück ist ein Beispiel für die Koexistenz der Konfessionen. Mit dem Friedensschluss nach dem Dreißigjährigen Krieg galt ab 1648 in Osnabrück die „alternierende Sukzession“: die abwechselnde Amtsfolge eines katholischen und eines evangelischen Regenten im Range eines Fürstbischofs. Erstmals kam 1662 mit Ernst August I. ein Evangelischer an die Macht. Bis 1803 wechselten sich Katholiken und Evangelische in der Regentschaft des Fürstbistums ab. (kol)