30.11.2017

Stiftung Oase

„Einmal raus" für neue Schulklassen

Klassenfahrt heute kann auch so gehen: zusammen drei Tage im Haus Maria Frieden in Rulle verbringen und statt ein Ausflugsprogramm zu absolvieren, lernen, aufeinander zuzugehen. Möglich macht das die Stiftung Oase.

Den Gruppenzusammenhalt stärken mit einer einfachen Übung: Alle Teilnehmer müssen es schaffen, ohne Bodenberührung über die Kisten zu kommen. | Foto: Stefan Buchholz

Murmelbahn bauen – das klingt ein bisschen nach Kindergarten. Ganz täuscht der Eindruck zunächst nicht, schaut man sich das Gewusel der jungen Frauen und Männer an. Ihre Aufgabe: Mit halben Kunststoffröhren sollen sie versuchen, über 30 Meter hinweg eine Murmel in einen kleinen Eimer rollen zu lassen. Dabei muss derjenige, durch dessen Bahn gerade die kleine Kugel gerollt ist, ans Ende zum Klassenkollegen spurten und seine halbe Röhre anlegen, um die intakte Streckenführung zu garantieren.

Die angehenden Sozialassistenten der Berufsbildenden Schulen Melle müssen mehrere Anläufe nehmen, bis sie den Dreh raushaben und die Murmel mit einem leisen Klack im Behälter landet. „Es braucht neben ein bisschen Geschick vor allem Kommunikation, um diese Aufgabe zu bewältigen“, sagt Katharina Bockrath. Die gelernte Sozialarbeiterin ist Teamerin und leitet für die Stiftung Oase das Büro im Haus Maria Frieden in Rulle.

Struktur der Schüler hat sich geändert

Lauscht man nach der Übung mit der Murmelbahn in die Gesprächsrunde der Sozialassistenten hinein, lässt sich ein Punkt ganz leicht heraushören: Anfangs stimmte es nicht mit der Abstimmung untereinander. „Ich habe doch gleich gesagt, dass wir uns besser koordinieren müssen. Das wurde aber nicht gehört“, heißt es immer wieder. „Wir müssen lernen, uns zuzuhören“: So lauten in der Schülergruppe nun Analyse und Absicht in der Reflektion über die Murmelbahn-Aufgabe.

„Vertiefung der Sozialkompetenz“ – so pädagogisch bedeutsam benennt Lehrerin Sabine Preuss das, was ihre Klasse in den drei Tagen in Rulle lernt. Seit zehn Jahren bucht sie schon den Kurs „Einmal raus“, den die Stiftung Oase anbietet. Er bietet sich beispielsweise an, wenn Klassen gerade neu gebildet wurden, sich die Schüler gerade erst beschnuppert haben.

Vertiefung der Sozialkompetenz meint dabei einen zweifachen Lerneffekt. Zum einen für die Schüler, die etwa erfahren können, besser aufeinander zuzugehen. Zum anderen für Lehrerin Sabine Preuss. „Die Struktur der Schüler hat sich geändert. Heute habe ich in der Klasse Heranwachsende, Umschüler und die 38 Jahre alte Mutter mit zwei Kindern sitzen. In den Tagen hier in Rulle kann ich sie alle auch noch einmal anders kennenlernen“, sagt die Lehrerin.

„Ich schaue vorher, was als Thema anliegt“

Diese Beurteilung braucht Sabine Preuss, weil die angehenden Sozialassistenten – sie satteln nach der zweijährigen Ausbildung nochmal genauso viel Zeit drauf, um Erzieher zu werden – es später in den Kindertagesstätten mit einem verantwortungsvollen Job zu tun haben. Die „Einmal-raus“-Tage der Stiftung Oase können inhaltlich flexibel gestaltet werden. „Ich besuche vorab die Klassen und schaue, was als Thema anliegt“, erklärt Sozialarbeiterin Bockrath ihre Vorgehensweise. Zusammen mit einem zweiten Teamerkollegen überlegt sie sich dann, welche Übungen zum Anliegen der Klasse passen. Prozess- und schülerorientiert arbeiten – so nennt Bockrath das, was dem „Einmal-raus“-Angebot der Stiftung Oase zugrunde liegt.

Zufrieden ist nicht nur Sabine Preuss nach den „Oase“-Tagen. Die Stiftung selbst hat die Wirkung der Seminare auf die Schüler untersuchen lassen. Das Fazit: Über 90 Prozent aller Teilnehmer würden Kurse nochmals besuchen und das auch ihren Freunden empfehlen.

Stefan Buchholz


Stiftung Oase
Seit 1987 fördert die Stiftung Oase junge Menschen in der beruflichen Bildung. Ihr Credo: Auch in Zeiten der digitalen Wirtschaft bedarf der Einzelne der Wertschätzung und des Miteinanders. Das soll über das praktische Einüben von sozialen Kompetenzen gelingen. Die Stiftung Oase geht dabei operativ vor: Mit einem Kapitalstock von 980 000 Euro fördert sie nicht externe finanzielle Projekte, sondern bietet eigene Angebote an.

Das geschieht bistumsweit an den Standorten Rulle, Sögel und Salzbergen. Buchbar sind inhaltlich flexibel gestaltbare Seminare für Schulen und Ausbildungsbetriebe. Über 600 Teilnehmer zählte die Stiftung im letzten Jahr. Nach dem Motto „Was nichts kostet, ist nichts wert“ sind für ein „Oase“-Seminar 69 Euro zu zahlen. Damit sind laut Stiftung nur 40 Prozent der Gesamtkosten gedeckt. Sponsoren, wie etwa die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte, sind daher wichtige Partner. (buc)