Etwa 13 Flugstunden trennen Diana Lim-Kemper von ihrer früheren Heimat. Aufgewachsen ist die Bremerin in Malaysia, dem Beispielland des Weltgebetstages der Frauen. Sie war deshalb eine gefragte Person im Vorbereitungsteam.
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| Diana Lim-Kemper aus Bremen. Foto: Anja Todt |
Ihre Liebe zum Deutschen entdeckte Diana Lim-Kemper auf ganz ungewöhnliche Weise: Als Schuhdesignerin in Kuala Lumpur bearbeitete sie viele Aufträge aus Europa. Einige Kundenwünsche waren auf Deutsch vermerkt. Die Sprache machte sie so neugierig, dass sie beschloss, am Goethe-Institut Deutsch zu lernen. Mit weitreichenden Folgen. Drei Monate später saß die junge Frau im Flugzeug nach Bremen, bekam ein Stipendium an der Universität und lernte ihren Mann Jens kennen.
Seitdem sind mehr als zwölf Jahre vergangen, und Deutschland ist Diana Lim-Kemper längst vertraut geworden. Auch beruflich wagte sie einen Neustart, arbeitet heute als Assistenz- und Musiklehrerin für Vorschulkinder an der Internationalen Schule in Bremen. Um sich dafür weiter zu qualifizieren, studiert sie nebenbei und pendelt für ihren Masterabschluss zwischen der Hansestadt und Birmingham.
Das religiöse Leben sah kunterbunt aus
Zu Hause fühlt sich die 40-Jährige vor allem in der katholischen Kirche. Was nicht selbstverständlich ist. Immerhin sah der religiöse Alltag der chinesischstämmigen Malaysierin lange Zeit kunterbunt aus. Aufgewachsen in einem muslimischen Land, besuchte sie eine katholische Schule, wurde aber buddhistisch erzogen. Erst Gespräche mit einem Priester halfen ihr, sich besser zu orientieren: 1992 ließ sich Diana Lim-Kemper taufen und firmen. „Ich war glücklich, einen Weg gefunden zu haben“, sagt sie.
Im Bremer Vorbereitungskreis für den Weltgebetstag der Frauen ist die Deutsche mit den malaysischen Wurzeln gerade eine gefragte Mitstreiterin. Landeskunde aus erster Hand sozusagen. Doch aktuelle Zahlen muss auch Diana Lim-Kemper erst einmal recherchieren. Positiv fällt ihr auf, dass der Frauenanteil in der Politik und an Universitäten steigt. 2011 führte die malaysische Regierung erstmals eine Frauenquote von 30 Prozent für das höhere Management in Firmen ein. Bereits 2004 wurde eine entsprechende Quote für den öffentlichen Dienst bestimmt, danach erhöhte sich der Anteil weiblicher Beschäftigter im gehobenen Dienst von 19 auf 32 Prozent. Allerdings gibt Diana Lim-Kemper das Stadt-Land-Gefälle zu bedenken: Die Freiheit der Frauen sei auch abhängig davon, in welchem Landesteil sie lebten. In den Teilen mit überwiegend muslimischer Bevölkerung zum Beispiel gilt die Scharia, die ständig für Probleme sorgt.
Diana Lim-Kemper selbst waren gewisse Freiheiten vergönnt. Obwohl ihr Vater noch heute der Meinung ist, eine unverheiratete Frau dürfe das Elternhaus nicht verlassen, ließ er das jüngste seiner vier Kinder ziehen. „So untypisch ist das gar nicht“, meint Lim-Kemper, „viele meiner chinesischen Freundinnen sind zum Studieren ins Ausland gegangen.“ Was wiederum politische Ursachen hat. Die malaysische Regierung räumt den „Bumiputras“ („Söhne der Erde“), den malaiischen Ureinwohnern, bessere Berufschancen ein.
„Als Asiatin kochen Sie sicher sehr viel ...“
Aller Anfang war auch in Deutschland schwer. Die Neubremerin traf beispielsweise auf Vorurteile bei Vermietern: „Ach, Sie sind Asiatin. Da kochen Sie sicher sehr viel ...“ Was eigentlich heißen sollte: „Verpesten Sie die Wohnung bloß nicht mit komischen Gerüchen!“ Auch auf dem Arbeitsmarkt wurde Diana Lim-Kemper nicht sofort fündig. Deshalb konzentrierte sie sich zunächst auf ehrenamtliche Projekte, leistete einen freiwilligen Dienst in Osttimor, wo sie gemeinsam mit Ordensschwestern Frauen und Kinder unterrichtete. Langfristig verdankt ihr das Dorf in Osttimor ein Sanitärprojekt, denn seit 2007 „füttern“ Diana Lim-Kemper und ihr Mann mit Hilfe der Propsteigemeinde St. Johann die „Stiftung vom barmherzigen Krokodil“.
Etwa 13 Flugstunden trennen Diana Lim-Kemper von ihrer Familie in Malaysia. Ein Besuch ist nur alle zwei Jahre möglich. Dann aber wird sie schon mal mit den Worten empfangen: „Du bist ganz schön deutsch geworden.“ Was Diana Lim-Kemper als Kompliment versteht: „Ich bin eben selbstbewusster geworden und habe gelernt, meine Meinung zu sagen.“ Heimweh zwischendurch weiß sie zu lindern. Speisen, zubereitet mit scharfem Curry und Kokosöl in einem indonesischen Restaurant in Bremen – das ist ein Geschmack von Heimat auf der Zunge.
Anja Todt
Zur Sache
Den ökumenischen Weltgebetstag begehen Frauen alljährlich am ersten Freitag im März in über 170 Ländern. Lieder und Texte für den Weltgebetstagsgottesdienst 2012 haben Frauen aus Malaysia vorbereitet.
Malaysia besteht aus zwei Landesteilen – einem Westteil mit der Hauptstadt Kuala Lumpur und einem Ostteil, der 500 Kilometer entfernt auf der Insel Borneo liegt. Unter den rund 28 Millionen Menschen gibt es malaiische (54 Prozent), chinesische (25 Prozent) und südasiatische (sieben bis acht Prozent) Bevölkerungsgruppen sowie indigene Völker (11 Prozent) und Menschen anderer Ethnien (2 bis 3 Prozent). Außerdem leben fast drei Millionen Arbeitsmigranten in Malaysia, darunter etwa eine Million Flüchtlinge und Menschen ohne gültige Papiere.
Staatsreligion ist der Islam, zu dem sich rund 60 Prozent der Bevölkerung bekennen, über 19 Prozent sind buddhistisch, über sechs Prozent hinduistisch und über neun Prozent christlich. Das Christentum kam mit der Kolonialisierung nach Malaysia. Rund drei Prozent der Bevölkerung sind römisch-katholisch.
Bei allen zivilrechtlichen Fragen, zum Beispiel Scheidung, Sorgerecht, Erbe, sind für muslimische Malaysier die Scharia-Gerichte zuständig. Dies führt in konkreten Fällen, etwa bei religionsverschiedenen Ehen, immer wieder zu Konflikten.
Malaysia ist eine föderale, konstitutionelle Monarchie. Seit der Unabhängigkeit des Landes 1963 wird das Regierungsbündnis von der Partei „United Malay National Organisation“ angeführt. Sie repräsentiert die malaiische Bevölkerungsgruppe, die nach der Verfassung muslimisch ist. Gemeinsam mit der indigenen Bevölkerung bildet sie die Bumiputras („Söhne der Erde“).
Als Folge blutiger Unruhen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen 1969 wurde in Malaysia eine neue Wirtschaftspolitik eingeführt. Sie bevorzugt die Bumiputras, zum Beispiel bei der Vergabe von Studienplätzen oder im Beamtendienst. So entstand eine malaiische Mittelschicht. Inzwischen wird die Bumiputra-Politik als nicht mehr zeitgemäß kritisiert. Die Ursachen von Konflikten und Spannungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen liegen weniger in deren unterschiedlicher religiöser und ethnischer Zugehörigkeit, sondern vor allem in ungerechten sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Fundamentalistische Gruppen und auch die Regierung „ethnisieren“ bestehende Spannungen und schüren damit auch Konflikte zwischen den Religionen.
Im Gottesdienst zum Weltgebetstag wird die Menschenrechtsaktivistin Irene Fernandez zitiert. Mit ihrer Frauenrechtsorganisation „Teneganita“ (Frauenstärke) macht sie die Ausbeutung weiblicher Hausangestellter in Malaysia öffentlich. Malaysia ist das größte Zielland für ungelernte Migrantinnen in Südostasien, sie kommen aus armen Nachbarnländern wie den Philippinen. Bis zu einer halben Million Migrantinnen und viele indigene Malaysierinnen arbeiten als Hausangestellte bei Familien der wohlhabenden Mittel- und Oberschicht: ohne Verträge, ohne geregelte Arbeitszeiten und ohne Mindestlohn. Für diese Frauen setzt sich „Teneganita“ ein.
Weitere Informationen zum Weltgebetstag gibt es hier
