Sängerin Bea Nyga kommt nach Lingen

„Ich bin eine echte Rampensau!"

Knalliger Lippenstift und ausgefallene Brillen: Bea Nyga gilt als Paradiesvogel. Aber sie hat auch eine andere Seite. Die Kölner Sängerin und Musikpädagogin kommt jetzt ins Lingener Ludwig-Windthorst-Haus. Im Bistum Osnabrück hat sie viele Fans. Wer sie einmal erlebt hat, weiß warum.

„Ich bin die Bea“, sagt die 51-Jährige ebenso unkompliziert wie herzlich. Abwartendes Drumherumgerede, distanziertes Herantasten? Braucht sie alles gar nicht. Viel lieber springt Bea Nyga mitten rein ins Gespräch und Thema. „Wir sind der gleiche Jahrgang, ach was?“ Und ganz schnell plaudert es sich mit ihr über all das, was Fünfziger eben so beschäftigt. Ein bisschen später verrät sie dann, dass sie nicht immer so schlagfertig, dass sie früher eher zurückhaltend war. „Ich war ein stilles Mädchen. Glaubt mir heute keiner mehr!“

Früher – das war Münster. Dort ist sie mit ihrer jüngeren Schwester aufgewachsen. Hat ein Bischöfliches Gymnasium besucht, Melodica und Blockflöte gelernt und sich schon mit 16 Jahren als Jungstudentin an der Musikhochschule eingeschrieben. „Die Musik, die kam von Mamas Seite“, sagt Bea Nyga und erzählt mit viel Herzenswärme von dem früh verstorbenen Vater aus Posen und der Mutter aus Essen. Die sie ihren Weg gehen ließ.

Er führte sie allen jugendlichen Träumereien – „Ich wollte auch mal Tapetenerfinderin werden“ – zum Trotz in das Vollzeitmusikstudium. Danach arbeitet sie unter anderem für den Evangelischen Kirchentag und als musische Referentin für die Katholische Frauengemeinschaft (kfd). Diese Nähe zu den kfd-Frauen trägt bis heute.

Von der Liebe in all ihren Facetten

Denn heute: Da ist die Musik ihr Hauptberuf. Folk und Jazz, Chansons, Bossa Nova, Lateinamerikanisches und neues geistliches Lied verbindet die Westfälin mit der rheinländischen Seele zu leichten, aber nicht leichtfertigen Melodien. Das liebt sie: auf der Bühne stehen, für und mit dem Publikum von der Liebe in allen wundersamen Facetten singen und swingen, skurrile Geschichten und schräge Anekdoten über die kleinen Katastrophen des Alltags erzählen, sich selbst mit wunderbarem Witz auf die Schippe nehmen. „Die Welt braucht keine Comedyshows. Realsatire gibt es genug.“ Das macht sie im kleinen Pfarrheim in Bad Bent­heim genauso gern wie auf der großen Plattform gerade beim Katholikentag in Mannheim.

Die Begegnung mit Menschen und die Musik: Das ist ihr Anker zur Kirche. „Bei Bach werde ich richtig fromm.“ Besonders liebt sie die Workshops für Menschen mit Behinderungen: „Da müsst ihr mal kommen. Das ist so stark!“ Wenn sie vor ihrem Klavier sitzt, vergisst die Kölnerin ihr Lampenfieber. „Ich bin eine echte Rampensau – und deshalb hab‘ ich den schönsten Job der Welt!“

Nicht jeder Satz von Bea Nyga hat ein Rufzeichen. Ihr Temperament, sagt sie selbst, ist rein verbal. „Eigentlich bin ich träge.“ Überhaupt hat die Entertainerin keine Scheu, Schwächen zu benennen – als da wären: Ungeduld, ein Hang zum Mäkeln und Grübeln, eine Ader für den Zynismus. „Ich habe meine schwarzen Momente, vor allem nachts.“ Sehr nachdenklich wirkt sie da manchmal im Gespräch.

Wenn man an die Diagnose denkt, die ein Arzt der Sängerin vor knapp zwei Jahren gestellt hat, verwundert das gar nicht. Sie hat Multiple Sklerose – und das nach einigen Stürzen und flauen Gefühlen in den Fingern schon länger geahnt. Die Gewissheit erleichtert fast ein bisschen. „Davon lasse ich mich nicht unterkriegen.“ Bei ihren Konzerten nimmt sie jetzt schon mal einen Gehstock zur Hilfe, erzählt offen von der Erkrankung, schildert mit nie verletzender Komik ihre Reha in Lingen und verblüfft die Zuhörer mit fast schwarzem Humor: „Ich kauf mir ein Schiff. Das nenn ich dann MS Bea.“ Wenn sie drüber lachen kann, dürfen andere das auch.

Hat sie Angst vor der Zukunft? „Nein“, sagt die 51-Jährige ernst. „Wieso denn? Ich hab‘ einen super Ehemann, einen super Job, eine super Wohnung. Alles ist gut.“ Dann macht sie eine Pause und sagt etwas leiser: „Manchmal warte ich darauf, dass der Schlag noch kommt.“ Jeder kann das verstehen.

Petra Diek-Münchow

 

Termin

„Wochenend und Sonnenschein ... und ganz viel Musik, die zu Sommerlaunen und Eiskaffee passt“: Unter diesem Titel laden das Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen und die Frauengemeinschaft zu einem ganztägigen Workshop und einem Konzert mit Bea Nyga ein. Der Workshop mit Chansons, Schlagern, Swing und neuen geistlichen Liedern beginnt am Samstag, 2. Juni, um 9.30 Uhr, das Konzert um 19 Uhr. Eine Anmeldung ist für beides gemeinsam, aber auch getrennt möglich. Weitere Infos: Telefon 05 91/6 10 21 15 und www.lwh.de