Streit in Bremen um Feiertagsschutz

„Karfreitag steht über Kommerz"

Der Streit um den Schutz des Karfreitags spitzt sich in Bremen zu. Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) spricht sich dafür aus, den Karfreitag als stillen Feiertag zu bewahren. „Er gehört untrennbar zu unseren christlichen Werten und kirchlichen Traditionen“, sagt er. Weber reagiert damit auf Wünsche der Schausteller, die ihre Osterwiese am Karfreitag gern ab 18 Uhr öffnen möchten.

 

Rummel auf der Osterwiese in Bremen Foto: Jan Köhler/pixelio.de

Das lässt das Bremische Feiertagsgesetz derzeit nicht zu. Die Regelung läuft allerdings Ende Februar 2018 aus. Im vergangenen Jahr öffnete die Osterwiese von 18 Uhr bis 23 Uhr, weil Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) eine Ausnahmegenehmigung erteilt hatte. Die Schausteller hatten darum gebeten, weil ihr Volksfest zuvor durch einen Orkan zeitweise geschlossen werden musste und sie dadurch wirtschaftliche Schäden erlitten.

Die Schausteller betrachteten eine einmalige Ausnahmegenehmigung nun offenbar „als Einfallstor zur generellen Liberalisierung“, kritisiert Weber. Der Bürgerschaftspräsident ergänzt, er unterstütze die Kirchen, die eine Ausnahme von der Regel nicht noch einmal tolerieren und notfalls gegen entsprechende Vorstöße gerichtlich vorgehen wollen: „Karfreitag steht über Kommerz.“ Den Befürwortern einer Öffnung wirft er Heuchelei vor. Wer den erhöhten Feiertagsschutz missachte, „muss konsequent sein und wollen, dass der Karfreitag in einen normalen Werk- und Arbeitstag umgewandelt wird“.

Der leitende Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche, Renke Brahms, weist darauf hin, dass ein Gutachten ergeben habe, dass die Ausnahme rechtswidrig gewesen sei. Würde sich so ein Fall wiederholen, „würden wir dagegen rechtlich vorgehen“. Er habe zwar ein gewisses Verständnis für die Schausteller. Trotzdem werde die Kirche darauf dringen, dass die gültige Regelung über 2018 hinaus verlängert werde. Jede Ausnahme höhle den Schutz des Karfreitags aus, der als hoher kirchlicher Feiertag an den Kreuzestod Jesu erinnere. (epd)