08.10.2015

Glaubenswoche der Jugend beschäftigt sich mit „Jahr des Aufatmens"

„Nicht mehr das liebe Jesulein"

Die Glaubenswoche der Jugend im Bistum beschäftigt sich 2015 mit dem „Jahr des Aufatmens“. Maria Springwald, Referentin für Glaubenskommunikation, spricht über die Aktion und den Glauben von Jugendlichen heute.

 

Maria Springwald, Pastoralreferentin und Referentin
für Glaubenskommunikation und junge Erwachsene.
Foto: privat

Die Glaubenswoche gibt es schon seit über 30 Jahren. Was soll sie bewirken?

In der Glaubenswoche haben Jugendliche die Möglichkeit, sich mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen. Mit der jährlichen Mappe wollen wir eine Arbeitshilfe erstellen, die es den Hauptamtlichen vor Ort ermöglicht, zu einem konkreten Thema eine ganze Woche zu gestalten. Mit Morgen- und Abendimpulsen, Gruppenstunden oder kurzen Angeboten können die verschiedenen Facetten eines Themas ganz unterschiedlich behandelt werden – in Schulklassen, Jugend- oder Firmgruppen zum Beispiel. Um sich da nicht alles selbst überlegen zu müssen, gibt es eben den Service einer Arbeitshilfe von der Glaubenskommunikation im Diözesanjugendamt. Die Mappe wird in einem Team aus Sozialarbeitern, Theologen, Erziehungswissenschaftlern, Pastoral- und Gemeindereferenten sowie Priestern erstellt. Die Glaubenswoche kann dann jede Gruppe für sich zeitlich festlegen. Es wird aber auch eine Woche auf Diözesanebene angeboten, an denen dann die Ortsgruppen teilnehmen können.

Was ist dieses Jahr Thema?

2015 heißt die Glaubenswoche „Denkpause“ und beschäftigt sich mit dem „Jahr des Aufatmens“. Wir glauben, dass Jugendliche mal eine Auszeit brauchen, weil sie über ihre persönlichen Lebensinhalte nachdenken müssen.

Was bietet die Arbeitsmappe zu diesem Thema an?

Wir wollen Hilfestellung liefern, um bestimmte Themengebiete noch mal direkter in den Blick nehmen zu können. Dafür haben wir das Buch Exodus zugrunde gelegt und sieben Textpassagen ausgewählt. Das Buch Exodus ist wirklich ein Schatz, da steckt für Jugendliche viel drin. 

Die Kapitelthemen heißen in der Arbeitsmappe „Anpackthemen“. Was bedeutet das?

Im ersten Kapitel gibt es zum Beispiel die Textstelle, in der Hebammen vom Pharao beauftragt werden, die männlichen Nachkommen der Israeliten zu töten. Die Hebammen halten diesem Druck aber aufgrund ihres Gottesglaubens stand und töten die Kinder nicht. Unter Druck zu stehen, das kennen Jugendliche auch aus unseren Kontexten. Sie müssen in der Schule gute Leistungen bringen, in der Freizeit aktiv sein. All das brauchen sie für ihren Lebenslauf, um erfolgreich zu sein. Die Arbeitshilfe gibt in diesem Kapitel Anregungen, wie man „unter Druck stehen“ für Jugendliche aufarbeiten kann.
 

Die Arbeitsmappe zur Glaubenswoche der Jugend regt zum
Nachdenken und Anpacken an. Foto: Anja Sabel

Wie können Jugendliche diese Themen denn mit Hilfe der Mappe bearbeiten?

In einer Einheit zum Thema „Vorurteile“ gibt es zum Beispiel den Liedtext von einem deutschsprachigen Rapper japanischer Herkunft. Über den Rapsong können die Jugendlichen darüber nachdenken, wann sie selbst Vorurteile haben und wie man sie abbauen kann. Mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingsthematik ist das natürlich brandaktuell.
In einer anderen Exodus-Passage ist Mose mit den Israeliten in der Wüste unterwegs. Als alle Hunger haben und Brot vom Himmel kommt, horten einige das Essen, bis es verschimmelt. Daran haben wir das Thema Nachhaltigkeit geknüpft. Dazu gibt es in der Mappe Kopiervorlagen für ein Brettspiel. Die Jugendlichen können dabei spielerisch viel über den menschlichen Konsum bei Mobilität, Wohnen, Ernährung oder fairem Handel lernen. Im besten Fall setzen sie sich nach Gesprächen darüber selbst für Nachhaltigkeit ein. Jedes Kapitel hat also zu dem jeweiligen Anpackthema Film- oder Musiktipps, Spiele oder Ideen für Aktionen in der Natur oder dem Kirchenraum. Die Dinge, die im Exodus-Buch stecken, sind vielseitig und anwendbar. So sind auch alle Anpackthemen unterschiedlich, so wie die Jugendlichen unterschiedlich sind.

Welche Bedeutung hat der Glaube für Jugendliche heute überhaupt noch?

Aus meiner Erfahrung in der ländlich geprägten Gemeindepastoral hat die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen in der katholischen Kirche eine große Bedeutung. Viele Jugendliche sind bei Pfadfindern, Messdienern, der Landjugendbewegung oder der Kolpingjugend. Da gibt’s eine hohe Verbundenheit. Dieses Gemeinschaftsgefühl hat einen Stellenwert. In diesen Verbänden machen die Jugendlichen coole Erfahrungen. Ein Zeltlager zum Beispiel ist die „Gemeinschaftsschmiede“ schlechthin, das prägt unheimlich. Da erfahren sie christliche Werte im konkreten Tun. Meine Vermutung ist, dass es bei einzelnen Jugendlichen immer noch eine Bedeutung hat zu glauben, aber der Glaube ist ziemlich individuell gestaltet. Aber so eine Sehnsucht nach Verstehen und dem Sinn im Ganzen würde ich vielen Jugendlichen schon noch unterstellen. Es ist aber nicht mehr „das liebe Jesulein“, an das geglaubt wird.

Wie muss Glaube also für Jugendliche gestaltet sein?

Die Hauptamtlichen in der Gemeindepastoral sind die Stellvertreter für Glaubensthemen. Sie müssen überzeugt sein und für den Glauben brennen. Sie müssen die anderen nicht überzeugen, sondern ihre eigene Überzeugung spürbar werden lassen. Denen muss man anmerken, dass sie gläubig sind. Sie dienen den Jugendlichen als Vorbild, das zeigt, wie man im 21. Jahrhundert auch als selbstbewusster gläubiger Christ leben kann. Der Glaube muss also ein Gesicht haben. Mit diesen Vorbildern müssen Jugendliche aber auch streiten können und sagen: „Ich finde Jesus doof.“ Der Glaube muss also besprechbar sein, ohne übergriffig zu werden.

Interview: Lisa Mathofer

Weitere Informationen zur Glaubenswoche der Jugend