Wie eine Wallfahrt die Pfarreiengemeinschaft Freren verändert hat

„Santiago ist noch nicht vorbei"

22 Monate, 2727 Kilometer, 2500 Teilnehmer: Die Wallfahrt nach Santiago de Compostela hat die Pfarreiengemeinschaft Freren bewegt und verändert. Über fünf Jahre ist das her, aber das Erlebnis wirkt nach. Ein großes Fest soll das untermauern.

 

Gut gerüstet: Die Pfarreiengemeinschaft Freren freut sich auf das „Santiago-Revival“. Dabei wollen sich die Gemeinden an die Wallfahrt erinnern – und zugleich neu inspirieren lassen. Foto: Petra Diek-Münchow

„Santiago ist eigentlich noch gar nicht vorbei. Das findet bei uns noch immer statt“, sagt Kerstin Vohs. Und bekommt dafür viel Zustimmung von den anderen Männern und Frauen, die sich heute im Vitus-Haus in Freren getroffen haben, um das Santiago-Fest im Oktober (siehe auch „Zur Sache“) vorzubereiten. Denn sie alle haben bei dem großen Projekt der Pfarreiengemeinschaft vor über fünf Jahren mitgemacht. 2500 Frerener, Andervenner, Thuiner, Messinger, Suttruper und Beestener waren 2009 und 2010 auf 113 Pilgeretappen durch Deutschland und Frankreich in Richtung Santiago de Compostela unterwegs. Zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Pferd, mit dem Kanu. Und am Schluss sind noch mal über 160 Emsländer in Spanien auf dem Jakobsweg direkt nach Santiago gewandert. „Das war der Wahnsinn“, sagt Kerstin Vohs.

Aber nur in der Erinnerung daran will die Pfarreiengemeinschaft nicht stecken bleiben. Diese Aktion hat die Gemeinden verändert – und sie strahlt bis heute aus. Die Pilger von damals erzählen heute mit einem Leuchten in den Augen, wie sehr die Orte seitdem zusammengewachsen sind. Die Messe im Nachbardorf, ein Besuch auf den anderen Pfarrfesten, ein Pfarrbrief für alle, gemeinsame Gottesdienste und Veranstaltungen: „Das ist selbstverständlich und man fühlt sich überall willkommen“, berichtet Kerstin Vohs. Pfarrer Jürgen Krallmann freut sich über das (Selbst)Bewusstsein für die Pfarreiengemeinschaft. „Der Blick über den eigenen Kirchturm hinaus hat sich geöffnet.“

Andauernde Freundschaften, neue Offenheit, neuer Mut

Und noch mehr ist passiert. Die Erkenntnis, mit so vielen Menschen ein so großes Projekt stemmen zu können, hat die Gemeinden mutig gemacht. „Wir trauen uns jetzt zu, auch andere große Dinge anzupacken, weil wir wissen: Wir schaffen das“, sagte Anneliese Heymann. Das trägt Haupt- und Ehrenamtliche, das motiviert. „Seit Santiago“ gab es viele bemerkenswerte Aktionen und Ausstellungen: die „Weihnachtslandschaften“, die „Lebensmuster“,  ein Skulpturengarten, eine Gottesdienstreihe zu den Jahreszeiten.

Natürlich ist die Wallfahrt auch den Teilnehmern selbst in bester Erinnerung geblieben. „Es wandelt einen innerlich“, findet Anneliese Heymann. Alle schwärmen und können kaum aufhören, von den Erlebnissen zu erzählen. „Weißt du noch ...“ ist einer der meistgesagten Sätze dabei. „Santiago war das Erlebnis meines Lebens, so etwas werde ich vielleicht nie wieder haben“, sagt Ida Hartke. Sie spricht von der tollen Gemeinschaft, von bis heute andauernden Freundschaften, von neuer Offenheit und neuem Mut. Und von der Kraft, die die Gruppe auch nach dem plötzlichen Herztod eines Teilnehmers zusammengeschweißt hat. „Seitdem sage ich jeden Morgen: Carpe diem – Nutze den Tag“, erzählt Kerstin Vohs.

Das Projekt Santiago soll deshalb nicht einmalig bleiben. Pfarrer Krallmann denkt schon an die nächste Aktion. „Wir sind und bleiben ja ein wanderndes Volk.“ Im nächsten oder übernächsten Jahr soll es nach Rom gehen, natürlich wieder mit der ganzen Pfarreiengemeinschaft.

Petra Diek-Münchow

 

Zur Sache

Das „Santiago-Revival“ findet am Sonntag, 18. Oktober, in Freren statt. Nach einem Gottesdienst um 10 Uhr in der St.-Vitus-Kirche wollen die Teilnehmer zum Gut Hange pilgern – das war auch vor sechs Jahren die erste Etappe auf dem Jakobsweg. Gemeinsam mit den Mitgliedern der dortigen „Fazenda“, einer Lebensgemeinschaft für suchtkranke Menschen, gibt es ab 12 Uhr ein buntes Programm: mit Mittagessen und Kaffeetafel, mit Bastel- und Spielaktionen, mit einer Präsentation der Wallfahrt und viel Begegnung. Interessierte Gäste sind willkommen.