26.10.2016

Eindrücke vom Diözesantag der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands

„Wir können viel bewegen"

Aschenputtel muss befreit und die Männerfrage in der „Deutschen Bischöfinnenkonferenz“ entschieden werden: Was so geheimnisvoll klingt, hatte beim Diözesantag der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschands (kfd) einen ernsten Hintergrund.

 

In der Talkrunde diskutierten (v.l.) Gisela Püttker, Dominik Kitta, Lea Quaing und Andrea Qualbrink über Frauen und ihre Möglichkeiten, sich in der katholischen Kirche mit einzubringen – moderiert von Sabine Gautier (Mitte) . Fotos: Hermann Pentermann

„Ein Mann als Priester? Wie stellen die sich das denn vor? Die würden doch schon bei der Predigt die Zähne nicht auseinander bekommen! Wir alle wissen doch, dass nur eine Frau 20 Minuten ohne Punkt und Komma reden kann!“, erklärt Bischöfin Conservativa mit Nachdruck und das Publikum lacht Tränen.

Was zunächst nach verkehrter Welt klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Das kleine Theaterstück „Die Deutsche Bischöfinnenkonferenz“ wird von der kfd-Gruppe Lingen gleich nach einer hitzigen Talkrunde zum Thema Frauen und Kirche aufgeführt. Fiktiv wird durchgespielt, wie es wäre, wenn das Priestertum Frauen vorbehalten wäre und wie es wohl wäre, wenn die Männer mehr Rechte forderten.

„Frauen müssen kämpferischer sein!“

Beim Diözesantag der kfd mit 240 Teilnehmerinnen beschränken sich die Zuhörerinnen keineswegs aufs Zuhören. Vielmehr fordern sie unter Applaus immer wieder einen gleichberechtigten Zugang der Frauen zu Weiheämtern und heben hervor, dass es nötig sei, mutige Forderungen zu stellen und für die eigenen Rechte zu kämpfen, um sich auf Augenhöhe begegnen zu können. Auch die vier Sprecher der Talkrunde „Frauen.Kirche.Zukunft.“ wünschen sich mehr Anerkennung für die Leistungen, die Frauen in den Gemeinden als ehrenamtliche Helferinnen, Pastoralreferentinnen und in vielen anderen Ämtern erbringen.

Vor Gott seien immerhin alle Menschen gleich, sagt Lea Quaing vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Auch der kfd-Bundespräses, Pater Dominik Kitta, kann aus seinen Erfahrungen bestätigen, dass Frauen in Führungspositionen nicht nur ganzheitlicher entscheiden, sondern auch eher bereit sind, die eigene Meinung zu hinterfragen.

Weg vom „Heimchen am Herd“

„Mit 500 000 Mitgliedern können wir viel bewegen!“ Diese selbstbewusste Aussage macht sich die kfd des Bistums Osnabrück zum Programm. Man habe politisch, kirchlich und gesellschaftlich vieles erreicht und nun wolle man noch mehr erreichen, heißt es. Darüber wird nun in Talkrunden und Workshops diskutiert.

„Aschenputtels Befreiung“ heißt ein solcher Workshop, in dem es so gar nicht märchenhaft zugeht. Denn was im Titel wie eine heile Welt klingt, ist vielmehr das Problem, dass haushaltsbezogene Dienstleistungen zumeist weder fair bezahlt werden, noch legal sind. Hier läuft viel über Schwarzarbeit. Im Workshop sollen die Frauen für das Thema gewonnen werden, während auf Bundesebene bereits über Verbesserungsoptionen nachgedacht wird.

Diskutiert wird zudem über Frauen in der Arbeitswelt und darüber, dass sie oft nicht gleichberechtigt behandelt werden. Grund hierfür sei nicht zuletzt die Doppelbelastung aus Familie, Haushalt und Beruf, die viele Frauen zu stemmen hätten.

So stehen neben der fröhlichen Klassentreffenstimmung auch immer wieder Diskussionen im Vordergrund, bei denen vehement nach mehr Rechten für Frauen verlangt wird. Insofern hat dieser politisch geprägte Diö-zesantag schnell einen Konsens gefunden: mehr Gleichberechtigung für Männer und Frauen, sowohl gesellschaftlich als auch kirchlich.

Nadine Vogelsberg