In der Osnabrücker Liebfrauengemeinde ist bald ein Gemeindeteam aktiv

„Wir sind Vermittler"

Sieben Frauen werden künftig als Gemeindeteam in der Osnabrücker Liebfrauengemeinde tätig sein. Sie erhalten eine Beauftragungsurkunde und sagen: Wir sind keine Konkurrenz zum Pfarrgemeinderat.

 

Die Treffen beginnen mit Bibelarbeit: Monika Engel, Ulla Johansmann und Irmgard Pieper (v.l.) sind drei von sieben Mitgliedern des Gemeindeteams für Liebfrauen. Sie werden von Hauptamtlichen begleitet.  Foto: Andrea Kolhoff

Pfarrgemeinderatsarbeit – das hat Irmgard Pieper jahrelang gemacht. Dabei hat sie über viele Dinge beraten, Entscheidungen getroffen, oft unter Zeitdruck, weil Terminvorgaben von außen bestanden. Als Vorsitzende des Gremiums musste Pieper auch darauf achten, „dass die Dinge liefen“. Spirituell geprägt war dieses Ehrenamt offenkundig nicht. Aber wenn Irmgard Pieper über ihr neues Tätigkeitsfeld im Gemeindeteam spricht, leuchten ihre Augen und sie wirkt begeistert. „Jedes Treffen beginnen wir mit Bibelarbeit. Wir lesen einen Text und beschäftigen uns damit“, erzählt Pieper.

Sogar, wenn man zunächst gedacht habe, ein Bibeltext sei sehr sperrig, habe sich dieser dann als sehr passend für den Abend herausgestellt, ergänzt Monika Engel. Sie gehört ebenfalls zum neuen Gemeindeteam für Eversburg. Insgesamt sieben Frauen sind es, die die Ausbildung mit monatlichen Treffen und zwei Wochenendterminen absolviert haben und am Sonntag ihre Beauftragungsurkunde erhalten, befristet auf drei Jahre.

Die Gemeindeteams übernehmen „Anwaltschaften"

Die gemeinsamen Treffen mit Bibelteilen zu beginnen, haben sie während der Ausbildung gelernt. Es ist auch für Monika Engel etwas Neues. Sie war in der Liebfrauengemeinde als Gruppenleiterin aktiv, hat Kinder im Ferienlager betreut und ist als Kommunionhelferin im Einsatz. Im Gemeindeteam geistlich gefordert zu sein, sei eine neue und bereichernde Erfahrung, sagt sie.

Mit der Beauftragung werden die sieben Frauen des Gemeindeteams „Anwaltschaften“ übernehmen. Ulla Johansmann hat sich zum Beispiel für den Bereich „in Zukunft Gottesdienst feiern“ gemeldet. Alles, was damit zu tun hat, wird sie im Blick behalten. Ein Beispiel könnte das Krippenspiel sein: Soll es das in der Christmette geben oder nur für die kleinen Kinder gespielt werden? Allerdings sind die Mitglieder des Gemeindeteams nicht befugt, Entscheidungen zu treffen. „Wir sind nur Vermittler, keine Macher“, sagt Pieper. 

Nicole Muke, Leiterin des Bereichs Gemeindeentwicklung im Bistum Osnabrück, erläutert es wie folgt: Aufgabe des Gemeindeteams sei, Fragen, die die Gemeinde bewegen und die nicht im Pfarrgemeinderat besprochen werden können, aufzugreifen und bei Konflikten auf eine Konsensentscheidung hinzuarbeiten. Wer in einem Gemeindeteam tätig sei, müsse sich zurücknehmen können. Pfarrer Zbigniew Kadziela freut sich auf das Wirken des Gemeindeteams. Es sei gut, wenn immer mehr Gefirmte sich an Kirche beteiligen.

Ihre Beauftragungsurkunde erhalten am Sonntag, 21. Februar, Jutta Brand, Ute Burmeister, Hergard Dölle, Monika Engel, Ulla Johansmann, Irmgard Pieper und Annelies Suiver. Der Gottesdienst in der Liebfrauenkirche beginnt um 10.30 Uhr.

Andrea Kolhoff

 

 

 

Zur Sache

Die Idee der Gemeindetams beruht auf dem Konzept einer Kirche der Beteiligung und kann an Orten wirken, in denen beispielsweise kein örtlicher Pfarrgemeinderat vorhanden ist, der sich um lokale Fragen kümmert. So gibt es in vielen Pfarreiengemeinschaften zwar getrennte Kirchenvorstände, aber einen gemeinsamen Pfarrgemeinderat, der die Belange des großen Ganzen berät. Oft sind auch die Hauptamtlichen nicht lokal zugeordnet, sondern für einen Aufgabenbereich innerhalb der Pfarreiengemeinschaft zuständig, zum Beispiel Firmkatchese.

Die Gemeindeteams sollen als Ansprechpartner für die Menschen vor Ort fungieren. Das Gemeindeteam für die Osnabrücker Gemeinde Liebfrauen wird sich innerhalb ihres Gebiets um vier Bereiche besonders kümmern: „In Zukunft solidarisch handeln“, „In Zukunft glauben“, „In Zukunft Gottesdienst feiern“, In Zukunft Gemeinde gestalten“.

Gemeindeteams gibt es im Bistum Osnabrück bereits in Berge, Grafeld und Hollenstede. In der Pfarreiengemeinschaft Eversburg/Pye wird es ein Team nur in der Liebfrauengemeinde geben. In der Pfarrei St. Matthäus Melle mit fünf Kirchstandorten wollen die bestehenden Ortsausschüsse für Melle, Riemsloh, Sondermühlen, St. Annen und Buer überlegen, ob sie Gemeindeteams etablieren. (kol)