Fünfköpfiges Team spricht Texte für die Meppener Kreuztracht

27 Schritte bis zum Kniefall

Aktuell, einfühlsam, durchdacht: Die Texte der Meppener Kreuztracht am Karfreitag beeindrucken die Teilnehmer unterwegs und die Zuhörer am Radio. Ein fünfköpfiges Team spricht die Beiträge.

 

Am Mikrofon: Ulrike-Hilke Albrecht, Martha Ortmann, Norbert Niers (v.l.), Reinhard Büring und Michael Lübbers sprechen die Texte, die die Gäste der Kreuztracht unterwegs und im Radio hören. Foto: Petra Diek-Münchow

Martha Ortmann räuspert sich, rückt Mikro und Papier an die richtige Stelle. Und trägt dann in der Sprecherkabine von „Studio Ludmilla“ ihren Text vor: „Jesus kann nicht mehr. Vor unser aller Augen sackt er unter der Bürde der schweren Last zusammen.“ Sie schaut auf – zu Reinhard Büring, der mit dem Kopfhörer auf der anderen Seite des Meppener Krankenhaus-Radios „Studio Ludmilla“ sitzt. War es gut so? Er guckt ein wenig skeptisch. „Martha, kannst du es vielleicht noch einmal machen?“

Martha Ortmann gehört mit Reinhard Büring, Ulrike-Hilke Albrecht, Norbert Niers und Michael Lübbers zu einem ehrenamtlichen Team. Gemeinsam sprechen sie die Texte, die bei der Meppener Kreuztracht unterwegs und bei der Live-Übertragung im Radio zu hören sind. Einfühlsame Fürbitten und meditative Gedanken: über den Leidensweg Jesu, über die Brüche in unserem Leben – über Schicksale jener Menschen, die ebenfalls ein Kreuz zu tragen haben. „Es geht darum, die biblischen Wahrheiten in unsere Zeit zu transportieren“, sagt Michael Lübbers. Wer einmal bei dieser Bet- und Bußprozession am Karfreitag mitgegangen ist, mitgebetet und mitgesungen hat, weiß den großen Wert dieser Texte zu schätzen.

Drehbuch ist gut durchgeplant

Allesamt sind selbst geschrieben, von Norbert Niers und vor allem von Reinhard Büring. Der Meppener engagiert sich schon seit 40 Jahren für die Kreuztracht. Woher er die Inspiration nimmt? Aus den Nachrichten, aus Erlebnissen, aus Begegnungen. „Meine Hand wird von dem geführt, was um uns herum passiert“, sagt er. Das ganze Jahr sammelt er Ideen, feilt an jedem Satz und jeder Formulierung. Bis kurz vor Karfreitag: Denn immer spielen aktuelle Ereignisse eine Rolle. Manche Fürbitte entsteht noch am Morgen in der Sakristei der Propsteikirche.

Denn dort halten sich während der Kreuztracht fast alle Sprecher auf. Michael Lübbers macht seine Moderation für die Radiosendung live. Damit er weiß, wann er wie lange sprechen darf, gibt es Signale per Handy von draußen. Da heißt es dann: „Achtung, noch 27 Schritte bis zum nächsten Kniefall.“ Diese Ansagen sind auch wichtig für die Fürbitten und Meditationen. Das Team spricht diese zwar auf eine CD. Trotzdem kann man die nicht nur einfach abspielen. „Das muss ja passen“, sagt Reinhard Büring. Denn je nach Besucherzahl, Wetter und Tempo dauert es mal länger, mal kürzer bis zur nächsten Station.

Das Drehbuch muss daher gut durchgeplant sein. Genau wie die Produktion im „Studio Ludmilla“. Da wird viel Wert gelegt auf Betonung und Artikulation. „Mancher Satz muss mehrfach gesprochen werden, bis Reinhard zufrieden ist“, sagt Ulrike-Hilke Albrecht schmunzelnd und geht nach Martha Ortmann in die Sprecherkabine. Jetzt ist sie dran, der Ton läuft: „Auch unser Alltag ist oft gekennzeichnet von unerträglicher Last. Ein übergroßes und kaum zu tragendes Kreuz drückt sie nieder.“

Petra Diek-Münchow

 

 

Zur Sache

Seit 369 Jahren zieht alljährlich am Karfreitag die Kreuztracht durch die Altstadt von Meppen. Diese Buß- und Betprozession war am Ende des 30-jährigen Krieges von Meppener Jesuiten ins Leben gerufen worden. Nach ihrer Vertreibung im Jahre 1773 übernahm eine kleine Gruppe von Meppener Bürgern als „Kreuzträgerbruderschaft“diese Tradition.

Die Kreuztracht beginnt am Karfreitag, 25. März, mit einem Wortgottesdienst um 9.30 Uhr in der Propsteikirche. Die Predigt hält Weihbischof Johannes Wübbe. Gottesdienst und Kreuztracht werden live von der Ems-Vechte-Welle übertragen.