04.10.2017

Jugendliche zur Landtagswahl

40 Fragen an vier Politiker

Gut 75 Schüler der Berufsbildenden Schulen Marienheim auf Gut Sutthausen in Osnabrück stellten Politikern von CDU, SPD, FDP und Grünen ihre Fragen zur Landtagswahl. Besonders Pflege und Rente interessierten die Jugendlichen.

Die Schüler der BBS im Marienheim nutzten die Gelegenheit, die Politiker nach der Pflege, der Rente und der doppelten Staatsbürgerschaft zu fragen. Foto: Nadine Vogelsberg

Wählen ist wichtig – diesem Grundsatz stimmen auch die Schüler der Berufsbildenen Schulen im Marienheim zu. Um diese gut auf die niedersächsische Landtagswahl am 15. Oktober vorzubereiten, hat die Schulleitung vier Politiker eingeladen, die im Osnabrücker Stadtteil Sutthausen gelegene Schule zu besuchen. Die angehenden Pfleger und Pädagogen nutzen die Gelegenheit, ihnen Fragen zu stellen. 

Die Mehrheit der Schüler ist bereits volljährig und kann bei der kommenden Wahl zum ersten Mal mitbestimmen, wer ihre Interessen im niedersächsischen Landtag vertreten soll. Die meisten haben sich bereits Gedanken gemacht. „Sie sind von Berufswegen politisch“, sagt ihr Politiklehrer Hubert Teepker. Er hat die jungen Erwachsenen auf den Besuch der Politiker vorbereitet und dabei schnell festgestellt: „Sie sind viel politischer, als ihnen selbst bewusst ist!“ So würden viele Schüler sich als unpolitisch bezeichnen, doch alleine durch ihre Berufswahl hätten sie ein enormes Interesse an Politik, befindet er.

Und so sitzen die jungen Menschen, die einmal in Pflegeberufen und als Sozialpädagogen arbeiten werden, in der Aula ihrer Schule und erwarten Burkhard Jasper (CDU), Frank Henning (SPD), Gabriela König (FDP) und Volker Bajus (Bündnis 90/Grüne) zur Diskussionsrunde. Vieles brennt ihnen unter den Nägeln. 40 Fragen haben sie gemeinsam im Unterricht erarbeitet, um sie den Politikern zu stellen. Immer wieder sind die Schüler dabei auf die AfD und deren Abschneiden bei der Bundestagswahl zu sprechen gekommen. Mit 12,6 Prozent ist die Partei in den Bundestag eingezogen, ein Ergebnis, dass viele Schüler schockiert hat. „Das kann einem schon Angst machen“, sagt Jaqueline Slee (18). Sie hat sich über den Wahl-O-Mat über die Positionen der Parteien informiert und anschließend bei der Bundestagswahl die Partei gewählt, mit deren Positionen sie am ehesten übereinstimmte. Bei der Landtagswahl will sie es genauso halten. Ihre Wahlentscheidung steht damit fest, bevor die Politiker die Bühne betreten haben. Dennoch interessiert sie die Diskussion sehr, denn sie will die Gelegenheit nutzen, die vielen Fragen, die sie umtreiben, zu stellen: Bildung, Sozialwesen, Rente – Slee will wissen, welche Pläne die Politiker bei diesen Themen für die Zukunft haben. 

Die unter 18-Jährigen gingen zur Wahl

Ihre Mitschülerin Gina Hüls (18) treiben ähnliche Fragen um. Sie schätzt die Chance, Politikern ihre Fragen stellen zu können, doch ihre Meinung konnten die Volksvertreter nicht ändern. Deren Diskussion und Aussagen haben sie in ihrer zuvor getroffenen Wahlentscheidung nur bestärkt. 

Die Schüler interessieren sich vor allem für die Zukunft der Pflegeberufe und die Ausbildung. Wie man den Beruf attraktiver gestalten kann, warum sie für ihre Ausbildung bezahlen müssten, obwohl andere Ausbildungsberufe vergütet werden und wie der Beruf des Erziehers und Pflegers im Ansehen der Menschen steigen kann, wollen sie wissen. Auch die Frage nach sicheren Renten, einer erstarkten AfD und der doppelten Staatsbürgerschaft treiben die Schüler um. Dabei bleiben sie nicht Zuhörer, sondern stellen Rückfragen an die Politiker, wenn sie nicht nachvollziehen konnten, wie deren Pläne umgesetzt oder finanziert werden sollten, oder auch, wenn sie mit Fachbegriffen nichts anzufangen wussten. Und so erklären die Politiker, was eine Schuldenbremse ist und welchen Einfluss sie auf Gehaltsverhandlungen nehmen können. Es gab zu viele Fragen, um alle zu beantworten. Doch Hüls zeigt sich zufrieden: „Ich habe neue Positionen der Parteien kennengelernt, es war sehr interessant!“, resümiert sie. 

Die Schüler der BBS Marienheim geben ihre Stimme am 15. Oktober ab, die Schüler der Thomas-Morus-Schule haben diesen Schritt schon hinter sich. Unter der Leitung von Klassenlehrer Felix Trentmann nahmen die neunten und zehnten Klassen an der U18-Wahl teil. Die Schüler hatten großen Spaß an der Wahl und wussten oft bereits vorher über die Positionen der Parteien Bescheid. „Es ist mein Bestreben, die Schüler zu mündigen Bürgern zu machen!“, erklärt Trentmann. Interesse an der Politik hat er bei den jungen Leuten geweckt.

Nadine Vogelsberg

 

 

Zur Sache

Bereits seit 1996 haben Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren die Möglichkeit, wählen zu gehen – bei der U18-Wahl, die jeweils einige Tage vor Bundestags- und Landtagswahlen stattfindet. Die Wahlzettel können Erst- und Zweitstimme enthalten, je nach Alter der Kinder aber auch nur die Zweitstimme. Nach unten gibt es keine Altersgrenze. So soll politisches Bewusstsein früh gestärkt werden. Bei der U18-Bundestagswahl am 15. September bekam die CDU mit 28,5 Prozent die meisten Stimmen. Es folgten SPD mit 19,8 Prozent, Bündnis 90/Die Grünen mit 16,6 Prozent, Die Linke mit 8,1 Prozent, die AfD mit 6,8 Prozent und die FDP mit 5,7 Prozent. Auch zur Landtagswahl in Niedersachsen gibt es wieder eine U18-Wahl.