11.01.2018

Walcker-Orgel wird größte Orgel im Bistum sein

7000 Pfeifen für Papenburg

Ein einzigartiges Instrument wird aus dem Dornröschenschlaf erweckt: Ab Dezember 2019 soll in der Papenburger St.-Antonius-Kirche die größte Orgel im Bistum erklingen. Bereits jetzt gibt es von Musikexperten viele Vorschusslorbeeren für das Projekt „Walcker-Orgel“.

Das Modell zum Aufbau des Klangkörpers der Walcker-Orgel
zeigt Pfarrer Franz Bernhard Lanvermeyer auf der Hauptempore
der St.-Antonius-Kirche. | Foto: Klaus Dieckmann

Das 90 Jahre alte Instrument kommt aus Gelsenkirchen ins nördliche Emsland. Die Walcker-Orgel wurde bis zum Jahr 2002 im Hans-Sachs-Haus in der Stadt im Ruhrgebiet bespielt. Ihr sinfonischer Klang setzte Fachleuten zufolge über Jahrzehnte Maßstäbe und begründete ihren Ruf als seinerzeit bedeutendste Saalorgel Deutschlands. Nach einer umfassenden Restaurierung auf Grundlage der Originalpläne lagerte sie die Stadt Gelsenkirchen 2007 bei der Firma Seifert in Kevelaer ein.

Zehn Jahre währte der Dornröschenschlaf der monumentalen Orgel mit ihren 92 Registern und 7262 Pfeifen. Dann erweckte sie die Pfarrei St. Antonius für einen symbolischen Kaufpreis von einem Euro zu neuem Leben. Gut eine Million Euro muss die Kirchengemeinde allerdings in die Installation der Orgel in das Gotteshaus am Papenburger Untenende investieren, wird aber unterstützt vom Bistum Osnabrück, dem Bund und setzt auf Sponsoren. „Wir gehen für Aufbau und Intonation von einer Zeitspanne von gut einem Jahr aus“, sagt Pfarrer Franz Bernhard Lanvermeyer. Eine mit Fachleuten sowie Vertretern von Bistum und Pfarrgemeinde besetzte Kommission begleitet das Vorhaben. Und das Bistum hat einen Architektenwettbewerb zur Installation der Walcker-Orgel ausgeschrieben. Im Frühjahr 2018 soll der Siegerentwurf gekürt werden.

„Die Walcker-Orgel ist ideal für unseren Kirchenraum mit seinen rund 1000 Sitzplätzen“, beruft sich Pfarrer Lanvermeyer auf die Einschätzung aus Expertenkreisen. Deren ursprüngliche Ausrichtung als Saalorgel steht dem neuen Einsatz als Kirchenorgel keineswegs entgegen. Vielmehr könne das Instrument sein akustisches Volumen in der St.-Antonius-Kirche, mithin das zweitgrößte Gotteshaus im Bistum, in besonderer Weise entfalten.

Bedeutende Orgel mit sinfonischem Klang

Bereits seit einigen Jahren befassten sich die Kirchengremien mit Überlegungen zur Erneuerung des Orgelspiels in St. Antonius. Schließlich wurden sie im Ruhrgebiet fündig. Gut ein Jahr währten die Verhandlungen. Dann erhielt St. Antonius den Zuschlag des Gelsenkirchener Stadtrates. Neben dem überzeugendsten Konzept boten die Papenburger noch ein besonderes Bonbon an. Bürger aus der Stadt im Ruhrgebiet erhalten laut einer „Gelsenkirchener Klausel“ im Kaufvertrag freien Eintritt zu den Orgelkonzerten in St. Antonius. Ein Willkommen spricht Pfarrer Lanvermeyer denn auch jetzt schon allen Besuchern aus Gelsenkirchen aus, die den Weg nach Papenburg finden, um den Klang „ihrer“ Walcker-Orgel erneut erleben zu wollen.

Bis Dezember 2019 müssen sie sich aber noch gedulden. Einen kleinen Vorgeschmack wird nach dem Ausbau des alten Instruments aber bereits ein Jahr zuvor das sogenannte Fernwerk der Walcker-Orgel auf der Seitenempore der St.-Antonius-Kirche bieten. Über diesen zweiten Spieltisch kann sowohl die kleinere Orgel auf der Seitenempore als auch der zentrale Klangkörper auf der Hauptempore angesprochen werden.

Blick auf den Spieltisch der Gelsenkirchener Walcker-Orgel.
Foto: Stadt Gelsenkirchen

Vorschläge zur äußeren Ansicht des monumentalen Instruments entwickeln im Rahmen eines vom Bistum initiierten Wettbewerbs fünf renommierte Architekturbüros. Deren Entwürfe sollen im Januar 2018 den Mitgliedern der Papenburger Pfarrgemeinde vorgestellt werden. Ende Februar will die Expertenkommission den Siegerentwurf küren.

Die neue Blütezeit der Walcker-Orgel in Papenburg begleiten Expertenkreise bereits mit etlichen Vorschusslorbeeren: die Walcker-Orgel gehöre von ihrem Typus her zu den bedeutendsten Orgel Europas mit sinfonischem Klang. Sie würde die Orgellandschaft im Nordwesten Deutschlands um ein hochwertiges Instrument und eine bislang fehlende Klangfarbe bereichern. Vertreter der Europäischen Orgelstraße, die von Schwerin über Bremen und die Region Ostfriesland bis in die Niederlande führt, freuen sich auf eine zusätzliche Stilkomponente. Vor allem aber würde die monumentale Walcker-Orgel in Papenburg die große Lücke füllen, die nach der Zerstörung der Walcker-Orgel in der Hamburger Michaeliskirche  im Zweiten Weltkrieg entstanden war.  Mit der Ladegast-Orgel in Schwerin, der Furtwängler-Orgel in Verden und der Sauer-Orgel in Bremen entstehe von Neuem das einstige „Viergestirn“ der sinfonischen Orgeln in Norddeutschland.

Klaus Dieckmann