Alleinerziehende Mütter schätzen ihn als männliches Vorbild, die Väter als Gesprächspartner, und die Kinder lieben ihn sowieso. Frank Meier ist Erzieher in der St.-Elisabeth-Kindertagesstätte in Bremen – und damit (noch) ein Exot.
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Manchmal kommen auch die Boxhandschuhe zum Einsatz: Frank Meier im Bewegungsraum der Kita St. Elisabeth in Bremen. Foto: Anja Todt |
Auf dem Spielplatz ist Frank Meier ein gefragter Mann. Er rennt mit den Kindern dem Ball hinterher, spielt Pässe, steht im Tor. Oder er tobt mit ihnen im Bewegungsraum. Manchmal holt er auch die Boxhandschuhe hervor. Die Jungen und Mädchen lieben ihn. Erzieher sind in Deutschland selten und begehrt. Längst dürfte sich herumgesprochen haben, dass das Berufsanforderungsprofil weit hinausgeht über „ein bisschen mit Bauklötzen spielen“ und „Geschichten vorlesen“. Dennoch ist der Erzieherberuf in Kindertagesstätten nicht sonderlich attraktiv für männliche Schulabgänger: Niedrige Gehälter und eilige Missbrauchvorwürfe schrecken oft ab.
Mit dem Verdienst, bestätigt Frank Meier, könne man tatsächlich keine großen Sprünge machen. „Damit eine Familie zu ernähren, wird schwierig. Bei uns klappt das nur, weil auch meine Frau arbeitet.“ Umso leidenschaftlicher müsse man den Beruf lieben. Und das tut Meier seit 20 Jahren. Ursprünglich sollte Erzieher nur eine Zwischenstufe auf dem Weg zum Psychologiestudium sein. „Doch dann bin ich bei den Kindern hängen geblieben“, sagt der 43-Jährige und lacht. Heute betreut er eine Gruppe Drei- bis Sechsjähriger in der Kindertagesstätte St. Elisabeth und ist somit der einzige Mann in den katholischen Kindereinrichtungen in Bremen.
Manchmal kommt ein flappsiger Spruch
Frank Meier, allein unter Frauen – manchmal nervt ihn das. Nicht, weil er etwas gegen seine Kolleginnen hat, sondern weil er sich in größerer Runde beobachtet fühlt. Er mag es überhaupt nicht, auf den „Exoten Mann“ reduziert zu werden. „Ich möchte danach beurteilt werden, was ich als Erzieher leiste.“ Aber was macht er anders als Erzieherinnen? Da muss er kurz überlegen. „Ich bin vielleicht toleranter beim Klettern, Toben und Raufen – und gelassener. Manchmal kommt auch ein flappsiger Spruch. Ich habe mit den Kindern auch schon mal gesägt und gehämmert. Aber es gibt auch Frauen mit handwerklichem Geschick.“
Trotz allem: Es wäre wichtig, dass auch schon die Kleinsten nicht nur von Frauen betreut werden. Denn oft wachsen Kinder bis zur fünften Klasse in einem männerfreien Raum auf: Im Kindergarten und in der Grundschule werden sie von Frauen betreut – und wenn die Mutter auch noch alleinerziehend ist, fehlt bald jegliches männliches Vorbild. Das erkennt inzwischen auch die Politik. Mit Hilfe des Projekts „Mehr Männer in Kitas“, angestoßen vom Bundesfamilienministerium, soll der Männeranteil bundesweit von derzeit drei Prozent auf 20 Prozent steigen.
Kita-Leiterin Uta Biniasz jedenfalls ist stolz auf den Mann im Team. Seine Art, mit Kindern umzugehen, komme gut an, sagt sie. Vor allem die Väter schätzten ihn als Gesprächspartner. Manchmal wird Frank Meier gefragt, wie er täglich den Lärm in der Kita aushalte. Dann schmunzelt er nur und sagt: „Es ist doch schön, wenn Leben in der Bude ist.“
Anja Todt
Zur Sache
Im Jahr 2010 waren in Deutschland 13 276 männliche Fachkräfte, Praktikanten, Zivildienstleistende, FSJler und ABM-Kräfte in Kindertageseinrichtungen beschäftigt. Dies entspricht einem Männeranteil von 3,3 Prozent. 2010 arbeiteten 1700 Männer mehr als noch im Vorjahr. In Bremen, dem Bundesland mit dem zweithöchsten Männeranteil (nach Hamburg), ist der Anteil männlicher Beschäftigter in Kitas leicht rückläufig. Er sank in den Jahren 2009 bis 2010 von 9,9 Prozent auf 8,6 Prozent. Der hohe Männeranteil in Bremer Kitas resultierte größtenteils aus der relativ hohen Anzahl männlicher Praktikanten, FSJler und Zivildienstleistender. Der Anteil männlicher Fachkräfte liegt dort bei nur 5,3 Prozent.
Weitere Infos unter www.koordination-maennerinkitas.de
