Drei Konfessionen bauen Haus der kirchlichen Beratungsdienste

Alles unter einem Dach

Die Pläne sind gemacht, die Verträge unterschrieben, zu Ostern starten die Bauarbeiten. Die Caritas und die Diakonischen Werke der lutherischen und reformierten Kirche wollen in Nordhorn unter ein neues Dach ziehen – ein einzigartiges Projekt nicht nur für die gesamte Region.

 

So sieht es aus: Gut gelaunt zeigen die drei Geschäftsführer die Pläne
für den Neubau, v.l.: Volker Hans vom reformierten Diakonischen Werk,
Hermann Josef Quaing vom Caritasverband für die Grafschaft Bent-
heim und Dorothea Währisch-Purz vom lutherischen Diakonischen Werk.
Foto: Petra Diek-Münchow

Dorothea Währisch-Purz zeigt auf den Plan, farbig sind darauf die einzelnen Stockwerke gekennzeichnet. „Sehen Sie, da kommt die Suchtberatung hin ... und da die Schuldnerberatung“, sagt die Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes im lutherischen Kirchenkreis Emsland-Bent­heim. Gemeinsam mit ihren Kollegen von der Caritas, Hermann Josef Quaing, und der reformierten Diakonie, Volker Hans, schaut sie auf das Raumkonzept für einen einzigartigen Neubau. Ab 2017 werden in Nordhorn die Beratungsdienste der drei Kirchen unter einem Dach arbeiten – nicht nach Konfessionen getrennt, sondern nach Themen geordnet. Denn das ist für Menschen in Not viel wichtiger. Alle drei Geschäftsführer sind überzeugt: Das gibt es sonst nirgendwo in Deutschland.

Das Fundament für diesen wegweisenden Plan schafft eine lange Kooperation. Seit 25 Jahren arbeiten die Suchtberatungen der Caritas und der beiden Diakonischen Werke in der Grafschaft Bentheim eng zusammen – nicht ungewöhnlich für die konfessionell bunt geprägte Region, in der in vielen Bereichen ökumenisch gedacht wird. Schon lange wollten die Mitarbeiter dieser Fachambulanz gerne unter ein Dach ziehen, um Wege abzukürzen und es den Klienten leichter zu machen. Genau diese Gründe zählen nun auch für die große Lösung, die aus vielen Gesprächen erwachsen ist – auch weil die bisherigen Gebäude für die Beratungsarbeit nicht mehr optimal waren (siehe auch „Zur Sache“).

Nur der Namen fehlt noch

Der Synodalverband der reformierten Kirche hat deshalb ein 2600 Quadratmeter großes Grundstück in Nordhorn gekauft und will dort neben dem evangelischen Gymnasium ein Klinkergebäude bauen: mit einem Flachdach, raumhohen Fenstern und farbigen Glaselementen. Violett für die Lutheraner, rot für die Katholiken, blau für die Reformierten. Die Caritas und die zwei Diakonischen Werke werden dort als Mieter einziehen. Auf 1400 Quadratmetern sollen dann auf vier Etagen in 30 Büros etwa 50 Mitarbeiter sitzen – genauso viele wie vorher in den getrennten Häusern. Denn ein Stellenabbau sei mit der Zusammenführung unter ein Dach nicht verbunden, versichern die drei Geschäftsführer übereinstimmend.

Die Besucher werden in dem Neubau neben einem großen Foyer samt Bistro alle Beratungsangebote der drei Kirchen finden – geordnet nach den Angeboten. Dazu zählen unter anderem die Freiwilligendienste, die Schuldner- und Insolvenzberatung, die Suchtberatung sowie die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung. Das Personal kann sich gegenseitig vertreten, Wege und Arbeitsabläufe vereinfachen. Das kommt den Hilfesuchenden zugute.

Der Bau kostet etwa 3,1 Millionen Euro. Darlehen und Zuschüsse ermöglichen die Realisierung – unter anderem steuern das deutsche Hilfswerk, der Landkreis, die Stadt, Landeskirche und Kirchenkreis, Caritas und Synodalverband Geld bei.

Was noch fehlt, ist ein Name. Denn bei dem etwas sperrigen Titel „Haus der kirchlichen Beratungsdienste“ soll es nicht bleiben. Und schon diskutieren die Geschäftsführer eifrig die Ideen.

Petra Diek-Münchow

 

 

Zur Sache

Bisher waren Caritas, das Diakonische Werk des lutherischen Kirchenkreises Emsland-Bentheim und das reformierte Diakonische Werk Grafschaft Bentheim an drei Standorten in Nordhorn untergebracht: an der Bentheimer Straße, an der Bernhard-Niehues-Straße, an der Geisinkstraße. Für die Klienten war es laut Volker Hans schon manchmal verwirrend, „wo sie eigentlich hinmussten“. Nach dem Umzug in das gemeinsame Haus sollen die bisherigen Gebäude anders genutzt werden, zum Beispiel für den Sozialdienst katholischer Frauen oder auch zur Beherbergung von Flüchtlingen.