06.09.2016

Ausstellung „Glaubensgeschwister"

Als katholisches Leben neu erwachte

„Rom des Nordens“, „roter Pastor“: Die katholische Geschichte Bremens hat spannende Geschichten zu bieten. Rund 280 Jahre lang durften die Katholiken in der Stadt keinen Gottesdienst feiern. Trotzdem ging das katholische Leben nicht unter. 

Karl der Große und Willehad im Bremer St.-Petri-Dom, eine Bronze-
plastik von Heinrich Gerhard Bücker aus dem Jahr 1977. Foto: Rita
Stumper

1816 war ein besonderes Jahr: Es markiert den Neubeginn katholischen Lebens in Bremen. Am 27. September 1816 überlässt der Bremer Senat der katholischen Gemeinde die ehemalige Franziskanerkirche St. Johann als Gotteshaus. Kurz darauf, am 6. Oktober, geben sich die Katholiken eine Gemeindeverfassung und wählen einen Gemeindevorstand.

Mit der Ausstellung „Glaubensgeschwister. 1816 – Neubeginn der katholischen Gemeinde in Bremen“ erinnert der Katholische Gemeindeverband an dieses Jubiläum. Die Ausstellung, die vom 14. September bis zum 24. November im Dommuseum gezeigt wird, spannt einen weiten Bogen: von den Anfängen des Christentums in Bremen und den gemeinsamen Wurzeln der christlichen Kirchen bis hin zum guten ökumenischen Miteinander der Konfessionen in der Gegenwart. 

Ausstellungskuratorin Sonja Kinzler lädt ein zu einer spannenden Spurensuche nach katholischem Leben in Bremen. Fünf chronologisch aufeinanderfolgende Abschnitte präsentieren die Entwicklung vom Mittelalter bis in die Gegenwart: Die Besucher begegnen den Bischöfen Willehad und Ansgar und dem niederländischen Augustinermönch Heinrich von Zütphen, mit dem 1522 die Reformation nach Bremen kam. Sie lernen den „roten Pastor“ Hermann Lange kennen und den Rauchclub Knaster des katholischen Gesellenvereins. Sie erleben, wie Bremen vom „Rom des Nordens“ und Ausgangspunkt der Skandinavienmission nach der Reformation zur katholischen Missionsstation wird. 

Historischer Schleier der Thuiner Franziskanerinnen

Aus dem Staatsarchiv werden Reproduktionen des Ratsbeschlusses zur Gleichstellung der Katholiken von 1807 und eine Liste katholischer Bürger 1691 bis 1835 gezeigt. Neben Altarkreuz, Weihwassergefäß, Messkelch, Bibeln, Gebetbüchern und Andachtsbildchen gehören ein historischer Schleier der Thuiner Franziskanerinnen und ein Pfeifenkopf mit dem Bild des katholischen Vereinshauses in der damaligen Klosterstraße (heute Kolpingstraße) zu den besonderen Exponaten. Bilder vom St.-Joseph-Stift, katholischen Schulklassen und Bremer Pastoren geben Einblick in das katholische Leben der Hansestadt.

Propst Martin Schomaker hatte die Idee, das 200-jährige Jubiläum der Katholischen Gemeinde in Bremen mit einer Ausstellung zu feiern: „Die Ausstellung zeigt die bewegte Geschichte und die vitale Gegenwart unserer Glaubensgemeinschaft aus über 120 Nationen“, sagt er. Deshalb gehört zur Ausstellung auch ein Film von Hans-Peter Ostermair, der einen bunten Querschnitt durch das heutige katholische Gemeindeleben zeigt. Als Zeitzeuge für die Bremer Kirchengeschichte spricht er mit Adalbert Keilus, der seit 1960 in Bremen als Priester tätig ist. (mh)

 

Zur Ausstellung „Glaubensgeschwister“ gibt es ein Begleitprogramm und eine gleichnamige Publikation. Öffnungszeiten im Dom-Museum: montags bis freitags von 10 bis 16.45 Uhr, samstags von 10 bis 13.30 Uhr, sonntags von 14 bis 16.45 Uhr; geschlossen: 3. Oktober sowie bei kirchlichen Amtshandlungen. Der Eintritt ist frei.

 

Begleitvorträge (immer montags um 19 Uhr):
10. Oktober: „Katholisch in der frühen Neuzeit“: Rund 280 Jahre lang ist katholischer Gottesdienst in Bremen verboten. Katholisches Leben gibt es trotzdem. Referent: Hans-Georg Aschoff (Professor für Neuere Geschichte und Kirchengeschichte an der Universität Hannover), Willehadsaal, Domsheide 15 

24. Oktober: „Der Weg zum eigenen Gotteshaus“: Neuanfang der katholischen Gemeinde. 1816 – Die katholischen „Glaubensgeschwister“ dürfen nun ihren Glauben ausüben. Referent: Wilhelm Tacke (Publizist), AtriumKirche, Hohe Straße 7

14. November: „Hermann Lange – der rote Pastor“: 1914 wird Hermann Lange Pfarrer von St. Marien im Arbeiterstadtteil Walle. Er ist für sein handfestes soziales und politisches Engagement für die katholische Arbeiterbewegung bekannt – unter dem Spitznamen „roter Pastor“. Lange wird 1917 Gründungsvorsitzender der Bremer Caritas. Referent: Hermann Queckenstedt (Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück), Gemeindesaal St. Marien in Walle, St.-Magnus-Straße 2.