10.01.2018

Landleben aus christlicher Perspektive

Als Kirche im Dorf bleiben

In den nächsten drei Jahren will sich die Landvolkhochschule Oesede mit Fragen und Vorstellungen zum Landleben aus christlicher Perspektive beschäftigen. Den Auftakt machten ein Weihbischof und ein Staatssekretär.

Preisträger im Mittelpunkt: Beim Landwirtschaftstag in Oesede wurde auch der Johannes-Voetlause-Preis verliehen. | Fotos: Stefan Buchholz

Das Landleben boomt. Wenn auch meist als Illusion. Heimeliges Wohlgefallen mit dem Fokus auf scheinbar Ursprüngliches verspricht etwa eine auflagenstarke Illustrierte wie „Landlust“. Im Kontrast dazu, werfen die Macher der Katholischen Landvolkhochschule Oesede (KLVHS) seit Jahren perspektivreichere Blicke auf die Themen rund um Dorf und Acker. Beim Landwirtschaftstag drehte sich viel um das neue Schwerpunkthema „Landwärts“.

Nach dem Projekt „Dorfgespräch“ und aus den Erfahrungen vieler Seminare in Oesede wissen die Verantwortlichen der KLVHS einmal mehr: Die Themen der ländlichen Räume in Weser-Ems sind vielfältig und ihnen möchten sich viele Menschen noch intensiver stellen. Bis 2020 soll es deshalb darum gehen, sich mit den Fragen und Vorstellungen rund um das heutige Landleben aus christlicher Perspektive auseinanderzusetzen. Geplant ist, in den Regionen Oldenburger Münsterland, Emsland und Grafschaft Bentheim sowie im Osnabrücker Land jeweils Runde Tische über „Kirche und ländlicher Raum“ zu gründen. Roter Faden soll die Frage sein, wie sich ländliche Räume aus christlicher Perspektive weiterentwickeln lassen.

„Deshalb beackern wir den ländlichen Raum“

Und wie ist der Blick der Kirche, wenn sie landwärts schaut? Dazu sprach auf dem Landwirtschaftstag Weihbischof Wilfried Theising, Bischöflicher Offizial des Bistums Münster in Vechta. Für die Kirche sei der Blick auf das Land zuerst der Blick auf die Schöpfung als ein Geschenk Gottes. „Das kann man vielleicht nirgends so gut sehen wie auf dem Land“, meinte Theising.

Ebenso müsse sich auch der Mensch in diesem Schöpfungszusammenhang wahrnehmen: Er selber sei Geschöpf. „Wir arbeiten im Auftrag Gottes an und mit der Schöpfung. Deshalb ist es sehr wichtig, wie wir den ländlichen Raum beackern“, definierte Weihbischof Theising.

Das bedeute auch: Den Blick schärfen auf jene, die etwa als Saisonarbeiter arbeiteten. Auch zum Thema Werkvertragsarbeiter äußerte sich der Weihbischof. Um ihnen zu helfen, habe die Kirche Anlaufstellen geschaffen. Wer bei uns arbeite, müsse das unter gerechten Bedingungen tun. „Es kann nicht sein, dass der ländliche Raum den Stempel bekommt: Da findet Ausbeutung statt.“

Stichwort Fusionen von Kirchengemeinden: Theising räumte ein, dass bei den großen Veränderungen der letzten Jahre die Menschen fragten: „Hat sich die Kirche von uns entfernt?“ „Ich will das nicht bestreiten. Das Größere ist nicht automatisch das Bessere. Wir müssen die Kirche im Dorf behalten und mehr auf das Einzelne blicken und schauen, was ist für das Gemeinwesen jeweils von besonderer Bedeutung.“ Im Bistum Münster fusionierten in den vergangenen Jahren auch auf dem Land viele Pfarrgemeinden, anders als im Bistum Osnabrück, wo Fusionen auf die Städte beschränkt blieben.

Wie sieht der Blick der Politik aus, wenn sie „landwärts“ blickt? Dazu sprach Rainer Beckedorf vom Landwirtschaftsministerium in Hannover. Der Staatssekretär nannte als wichtigstes Instrument zur Entwicklung des ländlichen Raumes die finanzielle Förderung. EU- und nationale Mittel machten mit 2,3 Milliarden Euro auf knapp zehn Jahre verteilt den größten Anteil in Niedersachsen aus, listete er auf.

Selbstkritische Anmerkungen gab es von Beckedorf zum Thema Dorfentwicklung: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass hier Defizite auftraten, da soziale Aspekte nicht im Fokus der Planungen standen“, sagte er. Erfahrungen aus dem Modellprojekt „Dorfgespräch“ könnten als Vorbild für einen Neuansatz herangezogen werden.

„Wir Bauern müssen uns besser verkaufen“

„Arbeiten im Auftrag Gottes an der Schöpfung“:
Weihbischof Theising aus Vechta

Möglichkeit zum Mitdiskutieren gab es dann für die rund 170 Besucher des Landwirtschaftstages. Frage an Staatssekretär Beckedorf: brauche es nicht ein niedersachsenweites Label in Sachen Tierwohl, das auf nationaler Ebene scheinbar nicht zustande komme? Unbedingt werde der seit Jahren verfolgte Tierschutzplan weiter ausgebaut, sagte der Ministeriumsbeamte. Allerdings favorisierte Beckedorf aus Transparenzgründen für die Menschen ein bundeseinheitliches Label.

Das helfe nicht, meinte ein anderer Besucher. Er plädierte für ein besseres Marketing der Bauern. „Wir müssen uns besser verkaufen, denn wir stellen ja gute Produkte her.“ Vorsicht walten lassen müssten die Landwirte mit Blick auf die Discounter. Deren „Veredelung“ bestehe im „Verramschen bäuerlicher Produkte“, hieß es.

Weihbischof Theising beleuchtete auch die Konsumentenrolle. Zwar sei es von kirchlicher Seite ethisch vertretbar, für den Nahrungszweck Tiere zu töten. „Als Fleischesser muss ich mir aber auch die Frage nach dem Verbrauch stellen“, sagte er.

Stefan Buchholz


Preisträger
Drei Auszeichnungen und ein Sonderpreis zu je 1000 Euro wurden von der Jury des Johannes-Voetlause-Preises vergeben. In der Kategorie „Jugend“ bekam das Team „U 25“ des Caritasverbandes Emsland den Preis. Dort gibt es im Bereich der Suizidprävention eine Online-Beratung von Jugendlichen für Jugendliche. Zielgruppe ist darüber hinaus das gesamte familiäre und gesellschaftliche Umfeld der Ratsuchenden.

Preisträger in der Kategorie „Gemeinwesen“ ist das „Freiwilligenforum im Kirchspiel Engter“. Unter dem Dach der Stadt Bramsche unterstützen gut 50 Freiwillige Familien und Alleinstehende bei einem Notfall. Neben Begleit- und Besuchsdiensten bieten sie auch einen „mobilen Einkaufswagen“ und ein Erzählcafé an.

In der Kategorie „Frauen“ haben drei Gewinnerinnen die Idee der „Landwirtschaft für kleine Hände“ aufgegriffen. Dabei bringen Landfrauen in Kooperation mit Betrieben Kindergartenkindern die Landwirtschaft näher.

Den Sonderpreis bekam die KLJB im Landesverband Oldenburg für eine seit 1972 bestehende Partnerschaft mit dem Zentrum für ländliche Entwicklung und Ausbildung in Togo. (buc)