Familiensamstage beim Erstkommunionunterricht

Auch die Eltern vorbereiten

Nicht nur die Kinder, auch ihre Eltern müssen heute auf die Erstkommunion vorbereitet werden. Denn in vielen Familien wird der Glaube nicht mehr gelebt. Die Hildesheimer Liebfrauenpfarrei hat das erkannt und geht neue Wege.

Am liebsten mag Sariana den Moment, wenn die Gemeinde das Halleluja anstimmt und sie als Messdienerin mit dem Leuchter in der Hand feierlich das Evangeliar zum Ambo begleitet. Diese Stimmung hat die Elfjährige intensiv in den Wochen ihrer Erstkommunionvorbereitung in der Hildesheimer Liebfrauen-Pfarrei erfahren. Denn die Gemeinde setzt dabei auf Glaubenserlebnisse, sie möchte, dass die Kinder ihren Glauben erspüren. „Uns ist es wichtig, dass Kinder, wenn sie in die Kirche kommen, erfahren können, dass sie hier wirklich dem lebendigen Gott gegenüberstehen“, erzählt Christian Hennecke, Leiter des Fachbereichs für missionarische Seelsorge im Bistum Hildesheim, im „Bonifatiusblatt“ des Bonifatiuswerkes.

Religiöse Situation hat sich verändert

Vor sieben Jahren standen die Verantwortlichen der Hildesheimer Pfarrei vor der Frage, wie es mit dem Erstkommunionunterricht weitergehen soll. Sie sahen ein Problem, das mittlerweile bundesweit auftritt: Die religiöse Situation in den Familien hat sich in den letzten 30 Jahren grundlegend verändert. War es vor Jahren noch selbstverständlich, dass in den Familien der Glaube gelebt wurde, ist heute der größte Teil der Eltern und Kinder kaum bis gar nicht katholisch geprägt. Hennecke spricht von einer neuen Diaspora-Situation, einer, die schon in der Familie beginnt und sich nach außen multipliziert. „Wir entfernen uns immer mehr von dem, was die klassische Erstkommunionvorbereitung immer vorausgesetzt hat, nämlich, dass Kinder durch ihre Eltern nach der Taufe in die kirchliche Tradition hineingeführt werden.“ Stattdessen seien mittlerweile mehr als 80 Prozent der Kinder und Eltern   nicht mehr christlich geprägt. „Erstkommunionunterricht ist daher für viele keine Hinführung  zum Sakrament mehr, sondern Erstverkündigung.“

Auch Franz-Peter Tebartz-van Elst, Vorsitzender der Familienkommission der Deutschen Bischofskonferenz, sieht die Probleme: „Wir brauchen zuerst Zeugen und nicht Strukturen.“ Denn nur was von Eltern vorgelebt werde, habe eine Chance, von Kindern aufgenommen zu werden, so der Limburger Bischof.

In der veränderten Situation sieht Christian Hennecke Chancen für Kinder, Eltern und die Kirche. So werden in der Hildesheimer Liebfrauen-Pfarrei jetzt die Eltern in die Katechese voll mit eingebunden. Die Erstkommunionvorbereitung beginnt dort mit einem Kennenlernfest im Herbst. Es folgen fünf Samstage von Januar bis Mai und schließlich ein Wochenende zum Thema „Versöhnung“ mit dem Sakrament der Buße. „Mir persönlich ist es ganz wichtig, dass für die Eltern von Beginn an deutlich wird, dass der Weg zur Erstkommunion auch ein geistlicher Weg ist und dass die Eltern ihre Kinder dabei begleiten“, betont Gemeinderefentin Angelika Röde.

Sariana begann vor zwei Jahren mit dem Kommunionunterricht und brachte ihre Mutter Michaela mit, hin und wieder begleitete sie auch ihr Vater. „Das war eine Phase, in die sich alle mit eingebracht haben, toll“, erinnert sich die Mutter. Die Samstagstreffen begannen immer mit einem Weggottesdienst. „Dieser  Weg beginnt im Gemeindehaus mit einem Lied und dann gehen wir gemeinsam in die Kirche“, so Röde. Am Weihwasserbecken wird das Kreuzzeichen geübt, im Mittelgang die Kniebeuge.

Neuer Zugang zum Glauben

Die Stille, das Singen und das Beten – alle Rituale wiederholen die Kinder Woche für Woche und werden so damit immer vertrauter. Einen Schrifttext vertiefen die Kinder anschließend in Kleingruppen. Themen sind etwa das Beten, das Teilen oder die Eucharistie. Zur gleichen Zeit sitzen auch die Eltern bei Glaubensgesprächen zusammen. Sarianas Mutter erinnert sich: „Ich habe in dieser Zeit wieder Dinge erfahren, die ganz tief unten waren.“

Dass auch die Erwachsenen während der Vorbereitungszeit einen neuen Zugang zum Glauben finden, erlebt Angelika Röde häufig und betont: „Das soll unsere Erstkommunionvorbereitung ja auch sein: Ein Erfahrungsraum für Eltern und Kinder, für Familien im Glauben. Die Erwachsenen werden zu Mitfeiernden, weil sie alles miterlebt haben.“ Kirsten Westhuis

„Einfach Erstkommunion feiern“, Verlag Don Bosco, 14,95 Euro. Das Buch beschreibt die
Katechese in der Hildesheimer Liebfrauen-Pfarrei.

 

Spendenaktion
Die Erstkommunionkinder in ganz Deutschland sammeln für Kinder und Jugendliche in der Diaspora. Mit ihrer Gabe unterstützen sie Projekte der Diaspora-Kinderhilfe des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken.

Im vergangenen Jahr spendeten die Kommunionkinder rund zwei Millionen Euro. Das Hilfswerk ermöglicht jungen Menschen, die in Deutschland und Nordeuropa in Regionen mit einem geringen Katholikenanteil leben, auf vielfältige Weise eine Begegnung im Glauben.

Die diesjährige Aktion zur Erstkommunion steht unter dem
Motto „Trau dich zu glauben“.
Informationen: Tel. 0 52 51/
29 96 50 oder im Internet unter www.bonifatiuswerk.de