Kliniken in Leer und Emsland schließen Vertrag

Auf gute Zusammenarbeit

In der Region Ostfriesland/Emsland gibt es einen neuen Klinikverbund. Das Borromäus-Hospital in Leer, das Hümmling-Krankenhaus in Sögel, das Marienkrankenhaus in Papenburg und das St.-Bonifatius-Hospital in Lingen haben jetzt einen entsprechenden Vertrag geschlossen. Die Übereinkunft beeinhaltet keine Fusion.

„Auf gute Zusammenarbeit“ wünschten und versprachen die Unterzeichner des Vertrages, durch den die St. Bonifatius Hospitalgesellschaft  Lingen nun 50 Prozent der Anteile am Borromäus-Hospital Leer hält. Damit ist die Katholische Kirchengemeinde St. Michael in Leer nicht mehr alleinige Eigentümerin des  Krankenhauses. Was für das Borro aber entscheidend ist: Das Hospital gehört jetzt zu einem Klinikverbund, zu dem auch das St. Bonifatius Hospital in Lingen, das Hümmling Krankenhaus in Sögel und das Marienkrankenhaus in Papenburg-Aschendorf zählen. Allen Krankenhäusern gemeinsam ist, dass jeweils mindestens die Hälfte der Anteile von der Lingener St. Bonifatius Hospitalgesellschaft gehalten wird.

Es handele sich um eine „strategische Partnerschaft“, erklärte Borro-Geschäftsführer Dieter Brünink nach der Vertragsunterzeichnung. Und zwar nicht nur mit der Hospitalgesellschaft, sondern vor allem mit anderen Krankenhäusern, an denen die Lingener beteiligt sind. „Wir brauchen die Synergien im Gesundheitswesen“, hob auch Pfarrerr Franz-Bernhard Lanvermeyer, Vorsitzender der Hospitalgesellschaft, hervor. Diese liegen zum Beispiel im gemeinsamen Einkauf, einer gleichartigen EDV, aber auch in der Zusammenarbeit im medizinischen und pflegerischen sowie im Bereich der Aus- und Fortbildung, zum Beispiel von Ärzten, betonte Ansgar Veer, Geschäftsführer der Hospitalgesellschaft und jetzt auch weiterer Geschäftsführer des Borromäus-Hospitals.

Ganz wichtig ist allen Beteiligten, dass es sich um „eine Beteiligung und keine Fusion“ handelt, machte Lanvermeyer deutlich. Das war vor allem den Leeranern sehr wichtig. „Vorsichtig und zurückhaltend“ habe der Kirchenvorstand die Verhandlungen geführt, berichtete Josef Lammerskötter, Vorsitzender des Kirchenvorstandes der St. Michael-Gemeinde, die bisher alleinige Trägerin des Borros war. Man sei „sehr belastet durch die Rückabwicklung“ einer Holding gewesen, die das Borro 2010 mit dem Marienkrankenhaus Papenburg-Aschendorf eingegangen war. Diese Holding scheiterte, weil  die wirtschaftliche Situation der Papenburger Klinik weit schlechter war als ursprünglich angenommen.

Deshalb habe man sich „ein Hintertürchen“ offengelassen, sagte Lammerskötter: In den ersten drei Jahren bis 2014 sind beide Träger des Borros absolut gleichberechtigt. Entscheidungen zum Beispiel über den Wirtschaftsplan, über Investitionen und das medizinische Angebot werden in der neuen Gesellschafterversammlung getroffen, der jeweils fünf Vertreter der St. Bonifatius Hospitalgesellschaft und des St.-Michael-Kirchenvorstandes angehören, getroffen. Bei Stimmengleichheit entscheidet jeweils der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung und das wechselt jährlich: 2012 und 2014 stellen die Leeraner den Vorsitz, 2013 und ab 2015 die Lingener. Die ersten drei Jahre seien sozusagen die „Verlobungszeit“ zwischen beiden, so Lammerskötter und Lanvermeyer.

Aber auch danach bleibt das Borromäus-Hospital ein wirtschaftlich und finanziell selbständiges Krankenhaus. Gewinne bleiben im Haus – aber auch für Verluste muss das Krankenhaus selbst aufkommen. Das ist für das Leeraner Haus aber kein Problem, denn in den vergangenen Jahren wurde jeweils ein deutlicher Gewinn erwirtschaftet, der dann jeweils in die weitere Modernisierung der Klinik investiert wurde.

Die vier am Klinikverbund beteiligten Krankenhäuser verfügen zusammen über 1.090 Betten  und behandelten im Jahr 2010 48.443 Patienten stationär und weitere 110.271 ambulant Sie sind zudem wichtige Arbeitgeber in der Region und haben zusammen 2.682 Beschäftigte.