11.11.2015

Im Nähcafé in der MÖWE werden Oberhemden zu Einkaufsbeuteln umgearbeitet

Aus Hemden werden Taschen

Damit Osnabrück plastiktütenfreie Stadt werden kann, trafen sich 23 Frauen, um Einkaufstaschen aus alten Oberhemden zu nähen. Eine Woche lang ratterten im „Upcycling-Nähcafé“ der MÖWE die Maschinen.

Der Streifenstoff des Oberhemdes schmückt später einen Einkaufsbeutel. Fotos: Philipp Adolphs

Diese Woche hat es in sich: Im Nähcafé der MÖWE treffen sich 15 Ehrenamtliche eine Woche lang täglich für ein „Plastiktütenfreies Osnabrück“. Das Projekt geht auf die Klimabotschafter der Ursulaschule zurück, die sich dafür einsetzen, dass Geschäfte in Osnabrück keine Plastiktüten mehr anbieten. Drei Stunden am Tag, fünf Tage die Woche näht das Team in der MÖWE also alte Oberhemden zu Tragetaschen um.

Zu Beginn gehen sie „erst mal auf Masse“, sagt Gabriele Pohlmann, die die Aktion begleitet. Die Hemden aus zweiter Hand werden nach passenden Mustern sortiert, der Stoff zerschnitten und zu einer Tragetasche zusammengenäht. „Die Frauen schaffen etwa 15 bis 20 Taschen am Tag“, berichtet Pohlmann. Sie spricht auch vom „Upcycling“, da Unbrauchbares zu etwas Neuem aufgewertet wird. Und das will gelernt sein. Barbara (Name geändert) hat „schon für die eigenen Kinder genäht“ und bringt viel Erfahrung mit, die sie an die anderen Interessierten weitergibt. Für Sabine (Name geändert) war es eine „Überwindung, sich an die Nähmaschine ranzutrauen“, doch „inzwischen macht’s Spaß.“

Im Nähcafé arbeitet jeder so, wie er kann oder möchte. Manches geschieht in Arbeitsteilung oder Gemeinschaftsarbeit, etwa, wenn jemand noch nicht so versiert im Umgang mit der Nähmaschine ist. Wer das Handwerk versteht, produziert seine Tragetasche selbstständig. Durch Sachspenden von Privatleuten und aus dem Generalvikariat kommen zahlreiche Hemden und sogar eine zusätzliche Nähmaschine auf den Tisch.

Eine der Möwe-Taschen.

Zuerst wird Maß genommen. Die Hemden liegen in den Größen XXS bis XXL vor. Zwei müssen später zusammenpassen. Einzige Vorgabe: Ein Ordner der Größe DIN A4 soll in die Tasche hineinpassen. Beim Auftrennen der Hemden werden auch die Ärmel abgeschnitten, aus denen später die Henkel entstehen sollen. Jedes Stück Stoff soll weiterverarbeitet werden. „Es geht um das Sparen und Wiederverwerten von Ressourcen“, so Pohlmann, „kein Knopf geht hier verloren.“
Jede Tasche ist ein Unikat. Nach dem Aufbügeln des Logos der Aktion „Plastiktütenfreies Osnabrück“ der Klimabotschafter von der Ursulaschule bekommt die Tasche zu guter Letzt noch das Label der MÖWE angenäht.

Für den Preis von 2,50 Euro soll die Tasche in „Jonathans und Annas Laden“, Johannisstraße 88, verkauft werden. Das stehe zwar in keinem Verhältnis zum hohen Aufwand, aber „jeder muss sich das leisten können“, sagt Gabriele Pohlmann, „darüber hinaus ist jede Spende für die Arbeit der MÖWE erwünscht.“ Das nächste Nähcafé in den Räumen der MÖWE findet in der Woche von Montag, 30. November, bis Freitag, 4. Dezember, statt und steht allen Nähinteressierten offen.

MÖWE-Martinsmarkt,
21. November, Hauswörmannsweg 88, in Osnabrück.

Die Frauen vom „Upcycling-Nähcafé“ sind auf dem Möwe-Martinsmarkt am Samstag, 21. November, von 9.30 bis 17 Uhr vertreten. Wer ein altes Hemd mitbringt, bekommt direkt vor Ort eine Tragetasche genäht.

 

 

Zur Sache: Sozialer Betrieb "Möwe"

Vor 28 Jahren entstand die MÖWE aus der Wohnungslosenhilfe des Katholischen Vereins für soziale Dienste (SKM). Als sozialer Betrieb ist die MÖWE in der Förderung und Beschäftigung langzeitarbeitsloser und ehrenamtlicher Menschen aktiv. Ziel ist, diese Menschen wieder in Arbeit zu vermitteln. Schwerpunkte sind der Verkauf gebrauchter und gespendeter Möbel und Kleidung, sowie die Umzugshilfe, das Entrümpeln und Auflösen von Wohnungen und Gartenarbeit und Malerarbeiten. Hinter dem Geschäft „Jonathans und Annas Laden“, Johannisstraße 88, gibt es außerdem eine Fahrradwerkstatt für Reparaturen und gebrauchte Fahrräder.

Philipp Adolphs