Auricher Theaterprojekt bekommt Unterstützung aus Berlin

Auszeichnung für die "Gassenhauer"

Das Auricher Jugendtheaterprojekt „Familie Gassenhauer“ gehört zu den sieben Bundessiegern des Wettbewerbs „Startsocial“. Elke Warmuth (l.) und Isburga Dietrich aus der katholischen St.-Ludgerus-Gemeinde haben die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung in Berlin entgegengenommen.

"startsocial" ist ein bundesweiter Wettbewerb zur Förderung des ehrenamtlichen sozialen Engagements und steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Unter dem Motto „Hilfe für Helfer“ unterstützt "startsocial" regelmäßig 100 soziale Initiativen durch dreimonatige Beratungsstipendien.  Das Auricher Theaterprojekt  "Familie Gassenhauer" gehört jetzt zu den sieben herausragenden Initiativen, weil es besonders Jugendliche in zum Teil schwierigen Lebenssituationen fördert und begleitet.

 

Volle Konzentration: Die Tanzeinlagen unter Anleitung des Tanzlehrers Keno Cassens sind nicht immer ganz einfach. Foto: Michaela Kruse

Sie nennen sich „Familie“ und empfinden sich auch so. „Wir haben unsere Höhen und Tiefen“, sagt der 16-jährige Christian schmunzelnd über die „Gassenhauer“. Jeden Freitag von 15 bis 18 Uhr tanzen, singen, reden und lachen bis zu 40 Mädchen und Jungen in der Aula der Integrierten Gesamtschule (IGS) West im ostfriesischen Aurich. Unter Anleitung von Erwachsenen lernen junge Leute aus verschiedenen Schulen nicht nur Schrittfolgen und Liedtexte. „Theaterspielen verändert Menschen. Es hilft, eine Persönlichkeit zu entwickeln“, sagen die Initiatorinnen, Isburga Dietrich und Elke Warmuth. Für die Jugendlichen ist das wichtig, denn zum Teil stecken sie in schwierigen Lebenssituationen.

Isburga Dietrich und Elke Warmuth kommen aus der katholischen Gemeinde St. Ludgerus in Aurich. Die Förderschullehrerin und die Ärztin haben schon lange Theater gespielt. Seit 2013 begleiten sie das Jugendtheaterprojekt „Gassenhauer“. Die Gruppe richtet sich an junge Leute, die sozial und emotional Unterstützung brauchen. Warmuth unterstreicht: „Wir verstehen unser Projekt als ein katholisches.“ So spendet die Gemeinde immer wieder Geld, die Gruppe darf deren Räume nutzen und Menschen aus der Gemeinde kochen für die jungen Theaterspieler.

Lernen, Persönlichkeit zu entwickeln

Der Anfang der „Gassenhauer“ ist schnell erklärt: Bei einem Projekt für die katholische Gemeinde sahen auch Schüler einer Hauptschule zu. „Sie waren fasziniert und sagten, dass sie dies auch einmal machen wollten.“ Dietrich und Warmuth setzten den Gedanken mit dem Theaterpädagogen Claus Gosmann, den Tanzlehrern Nina Lah und Keno Cassens sowie dem Musiker Jann Janssen um. Anfang des Jahres gab es die Aufführung „Soko Aurich“. Den Krimi hatten Elke Warmuth und Isburga Dietrich geschrieben, die Lied- und Musiktexte Jann Janssen. Gut 2000 Besucher haben die jungen Leute auf der Bühne gesehen und begeistert applaudiert.

„Familie Gassenhauer“, in der jeder jeden duzt, probt freitags in der Aula der IGS-West. Das Stück ist zwar abgespielt, doch die Gruppe kommt trotzdem weiter zusammen. Man kann und will sich nicht trennen. Die Spieler strahlen. „Das macht schon Spaß“, sagt die 16-jährige Wiebke und erzählt, wie ihre Mutter und Oma sie auf der Bühne gesehen haben. „Und sie fanden es total cool, wie ich aussah“, sagt Wiebke. Christian fand es klasse, dass er eine Rolle bekommen hat, obwohl er noch gar nicht lange dabei ist. Auch seine Schwestern gehören zur „Familie Gassenhauer“. Er hat hier neue Freunde gefunden.

Elke Warmuth setzt sich genau wegen solcher Eindrücke für die jungen Leute ein. „So lernen sie ihre Persönlichkeit zu entwickeln.“ Sie stammten häufig aus nicht einfachen Familien. Jann Janssen meint: „Mit dem Theaterspiel lernen die Kinder und Jugendlichen sich selbst zu disziplinieren.“ Das fange schon beim Schlurfen an, das bei einem Vorstellungsgespräch nicht gerade positiv auffalle. Beim Theaterspielen werde einem das bewusst. Das Wichtigste aber: „Sie merken, sie können etwas. Und es wird gehört und gesehen“, sagen Isburga Dietrich und Elke Warmuth.

Michaela Kruse

Die neue Wettbewerbsrunde von "startsocial "ist gestartet. Unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel werden wieder 100 kostenlose Beratungsstipendien an soziale Initiativen vergeben. Bis 4. Juli 2014 können sich diese noch bewerben. Infos auf: http://www.startsocial.de