08.06.2017

Soziales Seminar des Bistums Osnabrück

Bei diesem Spiel gibt es nur Gewinner

Am Schulzentrum Collhusen in Ostfriesland befassen sich Schüler in einer Arbeitsgemeinschaft mit Problemen wie Wohnungslosigkeit, Drogenmissbrauch und artgerechter Tierhaltung: Sie nehmen am Sozialen Seminar des Bistums teil.

„DrugXit“ haben die Schüler das Spiel genannt, mit dem sie auf Drogenprobleme aufmerksam machen wollen. Hendrik Rubien (vorne, 2. v.l., im blauen Oberteil) leitet das Soziale Seminar in Collhusen. | Fotos: Nadine Vogelsberg

Mittwochnachmittag, die Schule ist leer. Nur im Foyer ist es laut, 13 Schüler stehen am Kicker und erzielen jubelnd Tore. Es ist 14.45 Uhr, immer wieder sehen sie auf die Uhr. Hendrik Rubien müsste gleich kommen, er leitet die Arbeitsgruppe (AG), auf deren Beginn die Jugendlichen warten. „Guck mal Hendrik, wir haben deinen Koffer!“, rufen sie, als er auftaucht und halten den Koffer hoch. „Soziales Seminar“, steht in großen Lettern darauf. Hendrik Rubien lächelt, er hat schon nach dem Koffer gesucht. Jetzt kann es losgehen.

Das Schulzentrum Collhusen ist eine Kombination aus Haupt- und Realschule. Die Gruppe sucht einen der Computerräume auf. Die Jugendlichen haben sich freiwillig für das Soziale Seminar gemeldet.

An diesem Mittwoch sind die Aufgaben klar verteilt. Hendrik Rubien muss kaum etwas sagen, schon finden sich die Schüler in Kleingruppen zusammen, um ihr Projekt voranzutreiben: ein Spiel gegen Drogen. Dabei sollen die Spieler animiert werden, sich Gedanken zum Drogenkonsum zu machen. Es geht weniger um Fakten, sondern darum, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dazu hat die Gruppe ihr Spiel an das Spiel „Dixit“ angelehnt.

„Es hätte keiner gedacht, dass wir uns in so kurzer Zeit so gut verstehen"

John Wiechers, Lars Ufken, Marcel Seidel und Mohamed Jean Othman recherchieren im Internet nach Schlagzeilen, die sich mit Drogen befassen. Diese schreiben sie auf und geben sie an Lisa Schmitt weiter, die sie auf kleine Kärtchen schreibt. „Skandal bei der Bundeswehr: Diesmal sind es Drogen“, steht da, oder „Islamisten bei Drogen-Razzia gefasst“. Die Kärtchen wandern weiter an die Spieler, die sich im Kreis um einen Tisch geschart haben. Reihum decken sie die Kärtchen auf, lesen die Schlagzeile vor. Dann mustern alle konzentriert ihre Karten mit verschiedenen Bildern darauf, bis sich jeder für eine entscheidet und sie verdeckt in die Mitte legt. Die Karten werden gemischt und umgedreht, dann sprechen die Schüler über die Eindrücke, die sie bei der Schlagzeile hatten, was sie davon halten und wie die Meinung der anderen auf sie wirkt. Jeder Spieler muss sich eigene Gedanken machen, was bedeutet, dass es bei diesem Spiel nur Gewinner gibt.

Die AG läuft seit September. Obwohl sie die gleiche Schule besuchen, kannten sich nicht alle Teilnehmer vorher. „Es hätte auch keiner gedacht, dass wir uns in so kurzer Zeit so gut verstehen würden“, sagt John Wiechers. Wenn ein Teilnehmer eine Frage hat, stellt er sie allen, und alle beginnen zu diskutieren und nach einer Lösung zu suchen. Das freut Hendrik Rubien, der sich kaum in solche Diskussionen einschalten muss. „Es gab keine Konflikte in der Gruppe. Es gab Meinungsverschiedenheiten, man hat miteinander diskutiert, auch kontrovers, aber auf eine sehr nette Art und Weise. Diese Erfahrung – ich bin jetzt ein Jahr in dieser teils fremden Gruppe, muss meine Position finden – ich glaube, die ist sehr positiv“, meint Rubien.

Die Urkundenübergabe ist nur der Auftakt

Auch die Schüler berichten begeistert von ihren Erfahrungen im Sozialen Seminar: Sie waren auf einem Bauernhof, um sich mit Tierhaltung zu beschäftigen. Lisa Schmitt schwärmt noch von Ferkel Edgar, das sie auf dem Arm halten konnte. Rubien erinnert sich: „Zu sehen, dass die Jugendlichen ein kleines Ferkel auf dem Arm haben, spüren – Lebendigkeit wie fühlt sich das an? – dass das Steak nicht nur das ist, was aus dem Supermarkt kommt, das war faszinierend und schön zu erleben“, berichtet er. Und so haben die Schüler einen Kuchenverkauf initiiert und den Erlös an den „Naturschutzbund Osnabrück NABU“ gespendet. Auch mit dem Thema Mobbing haben sie sich befasst und eine Ausstellung auf die Beine gestellt.  

Am 8. Juni kommen die 13 Jugendlichen aus Collhusen sowie 14 anderen Schulen des Bistums nach Osnabrück, wo ihnen Weihbischof Johannes Wübbe Urkunden zur erfolgreichen Teilnahme am Sozialen Seminar überreicht: insgesamt 264 Schülern. Die Collhusener sind zum ersten Mal dabei, sie sind das erste Seminar aus Ostfriesland. Das soziale Engagement der Jugendlichen endet nun aber nicht. Fünf Collhusener haben sich zu einer Schulung für ehrenamtliches Engagement angemeldet: Das Soziale Seminar ist nur der Anfang.

Nadine Vogelsberg


 

Soziales Seminar

1951 ins Leben gerufen, will das Soziale Seminar Schülern die katholische Soziallehre und Solidarität näherbringen. Es geht um politische, soziale und gesellschaftliche Themen, zurechtgeschnitten auf Jugendliche. Dazu sollen sie nicht über, sondern mit betroffenen Menschen reden, um so ein Solidaritätsempfinden zu entwickeln.

Kontakt: Benedikt Kisters, Telefon 05 41/31 88 81; E-Mail: b.kisters@bdkj-osnabrueck.de