04.11.2014

Osnabrück nimmt an weltweitem Kunstprojekt teil

Bevor ich sterbe, möchte ich ...

Die Katholische Hochschulgemeinde (KHG) und das Forum am Dom haben an öffentlichen Plätzen in der Stadt große schwarze Tafeln aufgestellt. Mit bunter Kreide kann dort jeder seine Träume und Wünsche hinterlassen, die er sich vor dem Tod irgendwann erfüllen möchte – Teil eines weltweiten Kunstprojekts.

 

Einige Wünsche stehen bereits auf der Tafel am Dom. Noch ist viel Platz für das, was man vor dem eigenen Tod erleben möchte. Foto: Lisa Mathofer

„Leben. Zur Ruhe kommen. Das Abi schaffen. Eine Familie gründen. Schokolade essen. Ein Jazz-Chor-Freiburg-Konzert gehört haben.“ Die einzelnen Wünsche auf den großen Tafeln vor dem Dom sind sehr unterschiedlich. Und täglich kommen mehr dazu. Seit Allerheiligen stehen an insgesamt vier Orten in der Stadt große Tafeln mit bunter Kreide. Jeder, der hier vorbeikommt, kann seine Gedanken verewigen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass die Aktion so schnell Erfolg hat“, sagt Martin Bruns, Leiter des Forums am Dom. „Das Schöne ist, dass die Leute vor den Wänden ins Gespräch kommen, auch wenn sie sich völlig fremd sind.“

Die Tafelwände dienen also als Impuls. Die Reflektion über das eigene Leben und den Tod kommen dann fast von selbst zustande. „Es ist eine sehr spielerische Weise, mit dem ernsten Thema des Todes umzugehen“, erzählt Alexander Bergel, Hochschulseelsorger und Pastor. „Das, was sonst leicht verdrängt wird, drängt sich so den Menschen auf und steht quasi im Weg“, ergänzt Martin Bruns.

Für die Bildrechte in den USA anrufen

Die Sätze auf den Wänden werden von der KHG und dem Forum am Dom mehrmals täglich begutachtet. Regelmäßig werden die Wünsche der Osnabrücker mit Fotos dokumentiert. Wenn die Tafeln zu voll sind, werden sie abgewischt, um Platz für neue Wünsche zu schaffen.

Die Idee für die Teilnahme an dem Projekt stammte von Mitarbeitern der KHG. Martin Bruns betont besonders die spannende internationale Zusammenarbeit. „Da musste man für Bildrechte auch mal mit San Francisco telefonieren.“

Die Tafeln stehen noch bis zum Totensonntag, 23. November, an den öffentlichen Plätzen. Bis dahin bieten sie noch jede Menge Platz für Antworten auf die Frage „Was will ich eigentlich unbedingt noch machen, bevor ich sterbe?“.

Das Kunstprojekt „Before I die“ ist in New Orleans enstanden. Nach dem frühen Tod eines Freundes wollte die Künstlerin Candy Chang die Menschen an den Tod erinnern und erfahren, was für die Menschen in ihrem Umfeld wichtig ist. Sie strich ein leer stehendes Haus in ihrer Nachbarschaft mit Tafelfarbe, schrieb die Worte „Bevor ich sterbe“ daran und legte Kreide dazu. Die Idee verbreitete sich schnell in über 40 Ländern und Staaten wie Irland, Spanien, Thailand, Südafrika, Australien, Peru, Georgien, Israel oder dem Iran.

Lisa Mathofer
 

 

Die Wände aus Osnabrück (Domhof, Neumarkt, Mensa Schlossgarten, Mensa Westerberg) sind demnächst auf der offiziellen Homepage des Projekts zu sehen.