24.11.2017

Sport und gute Ernährung

Bewegung soll Spaß machen

Nicht jedes Kind ist eine Sportskanone. Und nicht jeder mag Rosenkohl oder Fenchel. Dennoch sollten Eltern darauf achten, dass Sport und gute Ernährung ohne erhobenen Zeigefinger im Alltag dazugehören. Tipps dazu gibt es jetzt im Buch „Der kleine Sporticus“.

Sport und Bewegung ist unerlässlich für jedes Kind. Das Wichtigste dabei: Es sollte nicht als Quälerei empfunden werden. | Foto: imago

Ein Kindergartenkind holt einen Schokoriegel aus der Frühstücksbox. Eine Grundschülerin wirft nach der Pause eine Chipstüte in den Müll, und Computerspielen ist ohnehin viel spannender als auf dem Spielplatz herumzutollen. Für viele Kinder und Jugendliche ist der tägliche Konsum von Süßigkeiten eher die Regel als die Ausnahme. Der Sportwissenschaftler Ingo Froböse und der ARD-Sportmoderator Peter Großmann haben daher jetzt das Buch „Der kleine Sporticus – Bewegungs- und Ernährungstipps, die Kinder fit machen“ (Beltz Verlag) veröffentlicht, in dem sie Denkanstöße geben und Informationen liefern möchten. Bereits im Vorwort heißt es: „Wir möchten Sie sensibel dafür machen, wann die Probleme wirklich auftauchen und wo und wie man gegensteuern kann und muss.“

Zu diesem „Muss“ gehört nach Ansicht der Autoren ganz klar das Thema Zucker. Man könne den Zuckerkonsum nicht mehr ignorieren, betonen sie und erinnern daran, wenn „auf dem Spielplatz die ersten Eltern die Keksdose zücken“ oder „in der Werbung die ,Eiskönigin‘, ,Star Wars‘ und viele weitere Comic- oder Kinohelden mit überzuckerten Frühstückszerealien oder Joghurts in Verbindung gebracht werden“. Ausführlich erklären Froböse und Großmann wie Zucker wirkt, wo wie viel enthalten ist und warum Smoothies nicht gleichzusetzen sind mit einem Stück Obst. Anhand von Tabellen zeigen sie auf, was wie viele Kalorien hat, wie man Kalorien einsparen kann und wie man auf gesündere Ernährung achtet.

Schon das Frühstück ist oft überzuckert

Nicht nur in der Familie, auch in Schulen oder Kindertagessstätten sollte auf gesunde Ernährung geachtet werden. So wie auch in der Kindertagesstätte „Haus für Kinder“ in München. Hier werden ausgewogene Mahlzeiten und nach Möglichkeit viel Biokost angeboten. „Wir finden, Essen sollte Spaß machen – sowohl die Brotzeit als auch das Mittagessen findet in einer entspannten Atmosphäre statt. Kein Kind muss den Teller leer essen, wir ermutigen, Speisen zu probieren, Salat und Obst wird vom Küchenpersonal kindgerecht angerichtet“, erklärt Leiterin Anette Göcking.

Die Schwierigkeit, Kindern Gemüse und Rohkost schmackhaft zu machen, kennen Froböse und Großmann auch. In ihrem Buch geben sie Tipps, wie man gesundes Essen gut „verstecken“ kann, beispielsweise im Püree. Und sie machen an praktischen Beispielen deutlich, dass neun ganze Bananen den gleichen Zuckergehalt haben wie ein Liter Cola, aber kein Kind auf die Idee käme, neun Bananen pro Tag zu essen, aber ein Liter Limo schnell ausgetrunken sein kann.

Neben der Ernährung ist Sport das zweite große Thema des Buches. Die Autoren beschreiben zahlreiche Sportarten wie Badminton, Fußball, Tanzen oder Handball und erklären, welcher Sport was fördert und ab welchem Alter die Kinder einsteigen können. „Kinder haben grundsätzlich einen hohen Bewegungsdrang, Jungen stärker als Mädchen“, weiß auch Claudia Peuke. Sie ist Mutter von zwei sportbegeisterten Teen­agern. „Diesen Bewegungsdrang können sie aber üblicherweise kaum ausüben, da Lehrer und die meisten Eltern stillsitzende Kinder bevorzugen. Insofern unterstützt der Sport die „artgerechte“ Lebensweise und steigert somit auch das körperliche Wohlbefinden.“

Aufpassen, aber nicht zu viel Druck aufbauen

Froböse und Großmann finden übrigens, dass man kein Kind zum „Durchhalten“ einer Sportart zwingen sollte. Vielmehr sollten Kinder Spaß an der Bewegung haben, und wenn das nicht mehr gegeben sei, werde eine Sportart zur Quälerei. Darüber hinaus betonen sie deutlich, dass Kinder beispielsweise nicht mit dem Papa joggen gehen sollen, wenn sie es selbst nicht wollen. Bewegung sollte stets positiv besetzt sein und nicht als „Quälerei“ oder „langweilig“ wahrgenommen werden.

Die Autoren geben viele Anregungen für Bewegungsspiele wie Seilhüpfen oder Kissenschlacht für zu Hause. Auch im „Haus für Kinder“ müssen Vierjährige (noch) nicht lange stillsitzen. Hier gibt es genügend Möglichkeiten zum Toben und Spielen in der Turnhalle oder im Garten. Zudem gibt es täglich eine „Bewegungsviertelstunde“ sowie wöchentlich „Sport“ in der Turnhalle.

Froböse und Großmann sehen die Themen „Ernährung“ und „Sport“ aber nicht isoliert. Sie beschreiben, wie alles auch mit geistigen Leistungen, sozialen Kompetenzen oder Gefühlen zu tun hat. Sie zeigen in ihrem Buch auf, wie Eltern ihre Kinder unterstützen und wie sie vorleben können, was Kinder lernen sollten. Und sie plädieren dafür, insgesamt nicht zu viel Druck aufzubauen und einiges gelassen anzugehen.

Christine Schniedermann