17.05.2017

Evangelischer Kirchentag in Berlin

Bischöfe betonen Gemeinsamkeiten

In wenigen Tagen startet in Berlin der Evangelische Kirchentag. Im Vorfeld dämpfen die beiden Berliner Bischöfe Markus Dröge (evangelisch) und Heiner Koch (katholisch) die Hoffnung auf Fortschritte in Grundsatzfragen. Im Interview sprechen sie auch über den Umgang mit Rechtspopulisten, Barack Obama und ihre Lieblingsveranstaltungen auf dem Kirchentag vom 24. bis 28. Mai.


Foto: kna
Der katholische Erzbischof Heiner Koch und der evangelische Bischof Markus Dröge
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Erzbischof Koch, Bischof Dröge, was bringt der Kirchentag für die Katholiken und Protestanten in Berlin?
Koch: Glaube, Christus, Kirche werden zum Thema, mitten in unserer Stadt, in unserem Land, auch in Kultur und Politik, auch bei den Menschen, denen diese Fragen sonst eher ferner liegen. Das stärkt auch das Selbstbewusstsein unserer Gemeinden, die sich gesellschaftlich und kulturell engagieren: Wir schaffen das, wir halten zusammen, auch ökumenisch. Und für uns ist es ein guter Anlass, gerade im Gedenken an die Reformation Martin Luthers, einiges auch theologisch vertieft zusammen zu tun.

Dröge: Wir sind sehr davon angetan, wie groß in Berlin das Interesse am Kirchentag ist. Politiker und Kulturschaffende haben mir immer wieder gesagt: Behandelt auf dem Kirchentag nicht nur eure Fragen, sondern versucht die Fragen und die Herausforderungen der Stadt aufzunehmen! Also die Fragen von Arm und Reich, des interreligiösen Zusammenlebens, der politischen Kultur. Wir leben in einer Zeit, in der darüber diskutiert wird, wie öffentlich Religion überhaupt sein soll. Bei allen Diskussionen in den Parlamenten, bei denen es ja um Zuschüsse ging, ging es immer darum, inwieweit ein konfessioneller Kirchentag auch ein allgemeines gesellschaftliches Anliegen sein kann, das die Öffentlichkeit unterstützen soll. Und für die Ökumene ist der Kirchentag eine ganz große Gelegenheit, auch öffentlich zu zeigen, wie wir unser Christsein in unterschiedlicher Profilierung, aber eben doch in großer Gemeinsamkeit leben. Zu zeigen, es gibt unterschiedliche Färbungen von Christentum, aber es ist ein gemeinsamer Geist, in dem wir uns den gegenwärtigen Herausforderungen stellen.

 

Haben sie, abgesehen von den Veranstaltungen, an denen sie selbst teilnehmen, Favoriten?
Koch: Ich freue mich auf den Kirchentag und ich gehe zu möglichst vielen Veranstaltungen. In meiner Rolle als katholischer Bischof möchte ich besonders zum Ausdruck zu bringen, dass wir als katholische und evangelische Kirche den Weg gemeinsam gehen. Ich werde also nicht in erster Linie das Programm studieren, sondern die vielen Einladungen annehmen, die ich als Vertreter der katholischen Kirche bekommen habe.

Dröge: Ich freue mich auf den Eröffnungsgottesdienst vor dem Reichstag, wo ich die Predigt halten darf. Ich freue mich darauf, dass Erzbischof Koch und ich gemeinsam eine Bibelarbeit in meiner Bischofskirche, Sankt Marien am Alexanderplatz, halten werden. Ich freue mich auch darauf, das regionale Kulturprogramm eröffnen zu können, weil ich mich dafür sehr engagiert habe. Und ich freue mich darauf, dass ich am Samstagabend nach Wittenberg reisen, nachts auf der Wiese im Schlafsack übernachten und morgens um fünf vom Posaunenklang geweckt werde und dann den Gottesdienst auf der Elbwiese mitfeiern kann, vor der Silhouette der Stadt Wittenberg.

 

Haben Sie nicht die Sorge, dass es so eine Art Obama-Kirchentag werden könnte?
Dröge: Der Kirchentag hat immer politische Verantwortungsträger zur Diskussion eingeladen. Und diese Einladung steht für mich in dieser Tradition. Es macht natürlich viel Aufsehen, dass Barack Obama kommt, aber für mich ist das nicht das eigentlich Prägende dieses Kirchentages. Ich selbst werde ihn nicht einmal sehen, weil zeitgleich zu der Obama-Veranstaltung eine Podiumsdiskussion mit einer Vertreterin der AfD in der Sophienkirche stattfindet, zu der ich mich bereiterklärt habe.

 

Es gibt ja eine Petition gegen den Termin...
Dröge: Ich setze mich nicht einfach so mit einer Spitzenpolitikerin oder einem Spitzenpolitiker der AfD aufs Podium. Denn aus einem Strategiepapier der AfD geht sehr deutlich hervor, dass die AfD nicht den sachlichen Austausch wünscht, sondern dass sie auf Provokation aus ist. Dafür stelle ich mich nicht zur Verfügung. Bei dem Kirchentagspodium ist das etwas anderes: Ich diskutiere mit der Sprecherin der «Christen in der AfD», und ich vertraue auf die Gesprächskultur der Kirchentage. Ich habe auch schon mit AfD-Mitgliedern unter vier Augen gesprochen. Ich habe Personen, die mir E-Mails geschrieben haben, auf eine Tasse Tee bei mir ins Büro eingeladen und mich mit ihnen intensiv unterhalten.

 

Wie wird das in der katholischen Kirche gehandhabt? Haben Sie eine Leitlinie zum Umgang mit Rechtspopulisten?
Koch: Beim Katholikentag in Leipzig standen wir vor einer ähnlichen Frage. Wir haben damals entschieden, dass wir keine Parteien einladen, sondern nur Persönlichkeiten, natürlich auch politische. Generell bin ich der Meinung, wir müssen mit allen sprechen, auch mit Extremisten und Populisten, weil wir eine Verantwortung haben, manchmal auch die Verantwortung des Widerspruchs. Ich weiß, dass es auch Katholiken bei der AfD gibt, die ich nicht einfach in eine populistische Schublade tun kann. Aber ich gehe mit großen Teilen der AfD in ihrer Programmatik und ihrem Auftreten überhaupt nicht konform. Und das möchte ich ihnen dann auch sagen.

 

Was dürfen die katholischen und evangelischen Christen bezüglich der Ökumene auf dem Kirchentag erwarten? Wird es konkrete Schritte geben, wo aufeinander zu gegangen wird?
Koch: Natürlich gehen wir auf einander zu, indem wir zusammenarbeiten und gemeinsam Gottesdienst feiern. Nur können Sie einen Kirchentag nicht überfordern. Alle die Diskussionen, die wir auf gesamtkirchlicher Ebene und auch in der Bischofskonferenz leidenschaftlich führen, werden hier in Berlin nicht vom Erzbistum Berlin im Alleingang jetzt zum Kirchentag entschieden.

 

Landesbischof Bedford-Strohm zum Beispiel spricht immer wieder von seiner Hoffnung auf ein gemeinsames Abendmahl. Was hätten sie gerne konkret?
Dröge: Ich glaube nicht, dass der Kirchentag der Ort ist, wo man theologische Grundsatzdiskussionen führt, die dann die gesamte Kirche sofort weiterbringen. Für mich war der Besuch des Rates der EKD in Rom wichtig, die Audienz beim Papst, wo wir sehr intensiv über die Situation der Ökumene gesprochen haben. Mein Eindruck ist, dass wir in diesem Festjahr einfach vieles miteinander erleben werden. Die schwierigeren theologischen Fragen wie Amtsverständnis oder Kirchenverständnis müssen anschließend genauer angegangen werden. Aber wir nehmen dieses Jahr als eine Motivation, wieder an diese Themen heranzugehen, die als Arbeit noch auf uns warten.

Koch: Das gute Verhältnis der evangelischen und katholischen Kirche in Berlin, aber generell im Osten Deutschlands, ist auch wesentlich dadurch begründet, dass wir uns gegenseitig respektieren, wo wir nicht einer Meinung sind und dass keiner den anderen überfordert oder bloßstellt. Das gibt dem Ganzen eine Freiheit, auch im theologischen Denken, das ist gelebte Ökumene. Und in manchen Fragen gibt es auch innerhalb der Kirchen sehr unterschiedliche Positionen und Meinungen. Bei Fragen wie etwa dem gemeinsamen Abendmahl in konfessionsverbindenden Ehen kann man nicht einfach Abstimmungen mit einer knappen Mehrheit herbeiführen.

kna