Neue Einrichtung für benachteiligte Kinder und Jugendliche in Sögel

Christian hilft mit beim Umbau

Bald gehen die Bauarbeiten in der ehemaligen Fachklinik Emsland in Sögel zu Ende. Die Johannesburg richtet dort zwei neue Intensivgruppen für benachteiligte Jungen ein. Die meisten Bauarbeiten erledigen Auszubildende der Jugendhilfeeinrichtung – wie zum Beispiel Christian Heibach.

 

Die Arbeit macht ihm Spaß. Christian Heibach hilft als Maurerlehrling
beim Umbau der ehemaligen Fachklinik in Sögel mit. Foto: Petra
Diek-Münchow

„Zeig uns mal den Weg, Christian“, sagt Franz-Josef Lensker. Das lässt sich der 16-jährige Azubi nicht zweimal sagen. Flott führt er die kleine Gruppe mit dem Johannesburg-Geschäftsführer und der pädagogischen Leiterin Carmen Nienaber über die Baustelle. Durch das Foyer, über staubige Planen hinweg und an jeder Menge Handwerkszeug vorbei, bis in einen großen hellen Raum im Erdgeschoss. „Das wird später mal das Wohnzimmer“, sagt Christian Heibach. Und erklärt dann ganz fachmännisch, wie „wir“ dafür Mauern versetzt und neue gezogen haben. Franz-Josef Lensker schmunzelt zufrieden. Ihm gefällt, wie der junge Lehrling heute mit sichtlicher Freude und ein bisschen Stolz in der Stimme seine Arbeit präsentiert.

Christian Heibach gehört zu den etwa 15 Lehrlingen aus der Johannesburg (siehe auch „Zur Sache“), die in den vergangenen Monaten mit ihren Ausbildern die ehemalige Suchtklinik in Sögel zu einem neuen Domizil der Johannesburg umgebaut haben. Zwei intensivpädagogische Gruppen für Jungen sollen dort eingerichtet werden, Mitte Januar ist der Einzug geplant.

Dass die Azubis aus den eigenen Werkstätten die meisten Bauarbeiten erledigen, hat nichts damit zu tun, dass die Jugendhilfeeinrichtung Geld sparen will. Der Einsatz gehört vielmehr zum Konzept der Johannesburg, denn hier können die jungen Leute bei einem realen Projekt lernen und anpacken. „Damit können wir einmal mehr eine praxisnahe Ausbildung im Handwerk sicherstellen“, sagt Lensker. Und Christian Heibach zeigt sichtlich gern, was er und seine Kollegen alles schon geschafft haben. „Die Türzarge, die habe ich erst gestern eingesetzt“, erklärt er schnell mal im Vorbeigehen.

Viel Platz für Sport und kreatives Arbeiten

Dabei hat Christian es in seinem Leben nicht immer leicht gehabt. Seit mehreren Jahren schon ist er weg von zu Hause. „Mit meinen Eltern hat es einfach nicht funktioniert“, sagt der 16-Jährige lakonisch und zuckt mit den Schultern. „Ich bin froh, dass ich da ‘raus bin.“ Carmen Nienaber nickt ihm aufmunternd zu, sie kennt die Hintergründe. Heute gibt es so gut wie keinen Kontakt zum Elternhaus. Und nach einigen ergebnislosen Versuchen will Christian jetzt im Grunde auch keinen mehr. Seine Geschwister, vor allem seinen Bruder, trifft er dagegen regelmäßig. Er lebt nun in einer Wohngruppe in der Johannesburg mit sieben anderen Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren. Wenn er davon erzählt, hellt sein Gesicht sich auf. „Das ist jetzt mein Zuhause.“

Seit einigen Monaten macht Christian in der Johannesburg auch seine Ausbildung zum Maurer. Der Umbau der Fachklinik ist das erste große Projekt, in dem er seine neuen Kenntnisse anwenden und umsetzen kann. „Das macht mir echt Spaß hier“, sagt der Jugendliche und führt die kleine Gruppe über die Treppe nach oben in den ersten Stock. Er zeigt auch hier die Zimmer, die Küche, das Wohnzimmer.

Franz-Josef Lensker gefällt, was er sieht. Das Gebäude eignet sich seiner Ansicht nach sehr gut für die neuen Gruppen. „Wir haben viel Platz hier, alles ist gut strukturiert.“ Unten werden sieben Jungen im Alter zwischen acht und 14 Jahren wohnen, oben noch mal sieben Jungen und junge Erwachsene bis zu 21 Jahren. Alle brauchen eine besonders intensive Betreuung, die in anderen Wohngruppen so kaum möglich wäre.

Denn viele von ihnen sind traumatisiert, haben schlimme Erfahrungen hinter sich, reagieren deshalb auffällig. Sieben Pädagogen kümmern sich im Schichtdienst in jeder Gruppe um die Kinder und Jugendlichen – sogar Schulunterricht bekommen sie hier. Es gibt ein großes Gelände mit Raum zum Spielen und Toben drumherum, es gibt eine Sporthalle, es gibt Werkstätten für kreatives Arbeiten.
Christian Heibach macht es offensichtlich stolz, dass er dabei mithelfen kann, anderen Jungen zu helfen – ihnen dadurch wieder eine Perspektive zu geben. Er selbst hat schon ein festes Ziel vor Augen. Auch wenn ihm die Ausbildung zum Maurer gut gefällt, später möchte er lieber etwas anderes machen. „Mein Traumberuf ist Berufsfeuerwehrmann“, sagt der 16-Jährige sehr ernsthaft. Es wäre ihm zu wünschen, dass es klappt.

Petra Diek-Münchow

 

 

Zur Sache

Die Johannesburg in Surwold ist eine Jugendhilfeeinrichtung in Trägerschaft der „Stiftung der Hiltruper Herz-Jesu-Missionare im Emsland“. Das Team dort kümmert sich um junge Menschen mit unterschiedlichen Benachteiligungen. So werden zum Beispiel ständig 300 junge Leute in 47 Ausbildungsgängen qualifiziert, außerdem gibt es zwei Schulen und Wohngruppen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

In Sögel entstehen derzeit zwei Intensivgruppen in dem Gebäude der ehemaligen Suchtklinik Emsland. Die Johannesburg hatte das Haus von der Caritas gekauft und für knapp zwei Millionen Euro umgebaut. Dort soll Mitte Januar eine Gruppe für Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren sowie eine weitere für Jugendliche im Alter von 13 bis 21 Jahre eingerichtet werden. Wegen ihrer schwierigen Lebensumstände bekommen die Jungen dort eine besonders intensive Förderung und Betreuung. (pd)