10.04.2017

Mein Bild von Ostern

Das Licht besiegt die Dunkelheit

Welche Vorstellungen haben Christen von Ostern? Welches Bild verbinden sie mit der Auferstehung? Für die Malerin Alke Lübs ist es wie ein Aufatmen: Mit kräftigen Farben arbeitet sie sich vom Dunkel ins Licht.

„Verwandlung" lautet der Titel des Osterbildes der Hildesheimer Künstlerin Alke Lübs. Foto:
Edmund Deppe

„Eigentlich sollte es gar kein Osterbild werden“, sagt Alke Lübs. „Mein Bild trägt den Titel ,Verwandlung‘ und gehört zu einem gleichnamigen Themenzyklus. Anfänglich hat die geballte Ladung Farbe eine Landschaft abgebildet. Wie so ein künstlerischer Prozess sich weiter entwickelt, lässt sich schwer beschreiben. Es ist wie ein Abtauchen in eine andere Welt, ein Mysterium.“

In diesem Bild spiegelt sich die biblische Ostergeschichte wider, fand ein katholischer Geistlicher während eines Ausstellungsrundgangs, und vermutlich ist das kein Zufall: Die Künstlerin Alke Lübs, die am Bischöflichen Gymnasium Josephinum in Hildesheim auch Kunst unterrichtet, beschreibt, dass sie für die Arbeit in ihrem Atelier besonders gern die Ferien nutzt. „Dieses Bild ist in den Osterferien entstanden. Wahrscheinlich habe ich mich unbewusst vom Osterereignis, von der österlichen Stimmung inspirieren lassen“, vermutet sie und erklärt, dass sie sich beim Malen von einem inneren Impuls leiten lässt, improvisiert. „Während ein Bild entsteht, ist alles möglich. Ich habe eine Idee, einen Anlass – das Ergebnis findet sich.“

Hat die Künstlerin in den Kartagen noch in dunklerer kräftiger Farbigkeit gearbeitet, ist das Osterbild wie ein Aufatmen. Nach dem tristen dunklen Karfreitag bricht Ostern, das Helle, die Fröhlichkeit durch. „Vertreibt die Finsternis!“ Ostern ist für Alke Lübs mit lichten Farben besetzt. Gelb, obwohl sonst nicht so ihre Farbe, ist dominant im Bild vertreten, in vielen Nuancen, in unterschiedlicher Intensität. Das Licht vertreibt die Dunkelheit des Todes. Ausgedrückt durch dieses leuchtende Gelb, das sich dynamisch von der linken Bildseite ausbreitet und die Personen ergreifen will, die sich im noch dunklen rechten Teil befinden. Das Bild gibt viel Raum für eigene Interpretation. So kann man verschiedene, zeitlich versetzte Szenen für sich herausfiltern.

Im Bildzentrum steht eine Frau

Künstlerin Alke Lübs Foto: E. Deppe

Christliche und mythologische Themen ziehen sich durch viele Bilder der 53-Jährigen Diplom-Designerin. Immer wieder greift sie auch auf biblische Motive zurück. Die drei dunklen Felsbrocken in der Mitte ihres Osterbildes erinnern an das Grab Jesu, die Personen rechts an die drei Frauen aus dem Markusevangelium – Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome. Laut Bibel haben sie sich am Ostermorgen auf den Weg zum Grab Jesu gemacht,  waren dabei noch in der Dunkelheit ihrer Trauer verhaftet.

Im Zentrum des Bildes steht eine Frau. „Eigentlich schwebt sie. Sie ist transparent, man kann den Felsen hinter ihr durchschimmern sehen, und sie ist von einem weißen Lichtschein umgeben. Es sieht so aus, als ob etwas Unsichtbares sichtbar wird: das Begreifen, dass hier am Ostermorgen etwas Unbegreifliches geschehen ist“, sagt Alke Lübs.  

Die Frau auf dem Bild ist stilisiert, skizzenhaft gezeichnet, gesichtslos – und doch ausdrucksstark. Ist sie der Engel am Grab, der den Frauen die Botschaft der Auferstehung überbringt? Oder ist es der Auferstandene selbst? Alke Lübs lässt die Fragen offen. „Ein Bild geht über das Erklärbare hinaus. Ich wünsche mir, dass sich die Betrachter selbst auf visuelle Erlebnisreise begeben und dabei ihr eigenes Osterbild entdecken.“

Edmund Deppe

Welches Bild haben Christen von Ostern? Darauf antworten auch eine Krankenhausseelsorgerin aus Meppen, eine Theologiestudentin aus Osnabrück und ein Polarforscher aus Bremen – nachzulesen in der aktuellen Ausgabe des Kirchenboten.