27.07.2017

Glutenunverträglichkeit

Der glutenarme Leib Christi

Müssen Katholiken mit einer Glutenunverträglichkeit auf den Empfang der Kommunion verzichten? Nein. Die Domgemeinde in Osnabrück zum Beispiel hält in solchen Fällen glutenarme Hostien bereit. Gänzlich glutenfrei dürfen die Hostien aber nicht sein. Das hat der Vatikan vor wenigen Wochen bekräftigt.

Sakristan Rolf Beßmann hält immer glutenarme Hostien im Dom bereit. | Foto: Nadine Vogelsberg

„Nehmt und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ Diese Worte betet der Priester in jeder Messe bei der Wandlung. Aber: 800 000 Deutsche leiden laut einer Schätzung der Deutschen Zöliakie Gesellschaft an einer Glutenunverträglichkeit.

Wenn Menschen mit dieser Unverträglichkeit glutenhaltige Lebensmittel wie Brot essen, kann das zu einer Entzündung der Darmschleimhaut führen. Neben starken Schmerzen bedeutet es auch, dass ihr Körper nicht mehr genügend Nährstoffe aufnehmen kann und Mangelerscheinungen auftreten. Eine Hostie enthält Gluten, immerhin handelt es sich um Brot. Die betroffenen Katholiken von der Messe auszuschließen, ist keine Option. Der Vatikan hat vor wenigen Wochen entschieden, dass glutenfreie Hostien nicht zulässig sind, glutenarme aber schon.

Im Osnabrücker Dom wurde man bereits vor zehn Jahren auf dieses Problem aufmerksam. Da, so weiß Domsakristan Rolf Beßmann zu berichten, kam die erste Gottesdienstbesucherin auf ihn zu und fragte nach glutenarmen Hostien. Die Suche nach solchen Hostien gestaltete sich zunächst schwierig: „Es gab ja noch nichts dazu im Internet“, sagt Beßmann lachend. Er hat dann begonnen zu telefonieren und wurde fündig. So hält der Dom nun stets glutenarme Hostien bereit.

Im Zweifelsfall Brot durch Wein ersetzen

Der Bedarf ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen, liegt durchschnittlich bei einer Hostie pro Woche. Gänzlich glutenfrei dürfen die Hostien nicht sein, immerhin schreibt die katholische Kirche vor, dass in den Hostien Weizen enthalten sein muss – und somit der Auslöser für die Allergie. Bei sehr geringen Anteilen ist dies zumeist unproblematisch. Im Zweifel kann man die Kommunion durch den Wein und nicht durch das Brot empfangen. Hier rät Beßmann den Betroffenen, sich vorher in ihrer Kirche beim entsprechenden Ansprechpartner zu melden, damit ausreichend Messwein vorhanden ist.

Der Osnabrücker Dom bezieht seine glutenarme Hostien aus einer Hostienbäckerei in Bayern, während die glutenhaltigen Hostien aus dem Benediktinerinnenkloster am Hasetor in Osnabrück stammen. Benötigt jemand eine glutenarme Hostie, kann er dies vor der heilige Messe in der Sakristei seiner Kirche anmelden. Dann wird separat eine Hostie mit ausgegeben, bei der darauf geachtet wird, dass sie nicht mit den Übrigen in Kontakt kommt.

Doch sie hebt sich schon alleine optisch ab: ist heller und dünner, und auch geschmacklich fällt der Unterschied auf. Doch auch mit ihr können die Gläubigen den Leib Christi empfangen, die Wandlung ist laut der in Deutschland erlassenen Normen gültig.

Nadine Vogelsberg


 

Transsubstantiation: Warum Gluten in der Hostie bleibt

Dem regelmäßigen Gottes­dienstbesucher mag es absurd erscheinen, aber in Internetdiskussionen fragen sich Menschen, ob bei der Wandlung tatsächlich aus Brot Fleisch wird. Die katholische Kirche hat aus dieser Frage die Lehre der Transsubstantiation entwickelt: Bei der Wandlung ändert sich die chemische und sinnlich wahrnehmbare Zusammensetzung der Gaben nicht. Brot bleibt Brot – auch mit Gluten – und Wein bleibt Wein. In ihrem Wesenskern, ihrer Substanz, wandeln sich Brot und Wein aber in Fleisch und Blut Jesu. Christus ist in ihnen gegenwärtig – nicht nur gedanklich im Sinne eines Erinnerungsmahles.

Zum Thema siehe auch Anfrage