17.05.2017

Luther auf der Waldbühne Ahmsen

Der Kampf mit dem Teufel

Im Jahr des Reformationsgedenkens spielt die Waldbühne Ahmsen ein Stück über Martin Luther. Im Mittelpunkt stehen der Reformator selbst und der Teufel. Regisseur Bernd Aalken hat die Originalversion bearbeitet, damit viele Einwohner aus Ahmsen mitmachen können.

Körperbetont: Martin Luther (Matthias Siemer) kämpft mit dem Teufel (Marc Grol). Foto: Hermann-Josef Alves

Choreografin Irina Kempel studiert eben noch mit einer Schar junger Frauen einen Tanz ein, da postieren sich auf der anderen Seite der Bühne schon ein paar Männer, um die erste Szene des neuen Stücks zu proben. Plötzlich taucht im Hintergrund ein dunkelhaariger Mann im lange schwarzen Mantel auf, rotes Rüschenhemd, braune Schuhe. Ganz hell ist seine Haut geschminkt. Der Teufel hat heute zum ersten Mal einen Auftritt im Kostüm. Regisseur Bernd Aalken ist beeindruckt. „Vielleicht sollten wir ihm noch ein paar Hörner schminken“, sagt er. Dann ruft er auf zur Ruhe und Konzentration, bittet die jungen Frauen von der Bühne, gibt ein paar Anweisungen an die Technik  – und los geht’s.

Die Waldbühne Ahmsen, die jährlich religiös-tendiertes Theater spielt, hat sich 2017 für ein Stück über Martin Luther entschieden. In erster Linie geht es um sein Leben bis zur Heirat mit Katharina von Bora – also um die Zeit seiner Ausbildung, seiner inneren Kämpfe, seiner Gewissensnot, was letztlich zur Spaltung der Kirche führte. Immer mit dabei der Teufel, den Marcel Grol verkörpert. Der 32-Jährige, der als Industriekaufmann arbeitet, übernimmt die Rolle des Spielleiters, steht manchmal im Hintergrund, wendet sich dann wieder ans Publikum, erklärt, kommentiert, verhöhnt. Eine Rolle, die Grol großen Spaß bereitet. „Bisher habe ich oft den netten Schwiegersohn gespielt, hier kann ich anders aus mir rauskommen“, sagt er höflich, holt dann tief Luft und ergänzt: „Also mal die Sau rauslassen.“

Matthias Siemer hat eine andere Herausforderung: Er muss die verschiedenen Lebensphasen Luthers darstellen, erst den jungen Draufgänger, der in der Kneipe mit seinen Freunden trinkt, dann den Mönch, der fest im Glauben steht und sich mit der kirchlichen Obrigkeit anlegt und dabei seiner Überzeugung treu bleibt. Siemer interpretiert seine Rolle körperbetont, darf sich bei Auseinandersetzungen auch wehren: „Das mag ich lieber spielen als die schnulzigen Sachen“, sagt er. Gerade hat der 27-Jährige seine Bachelorarbeit abgeschlossen, er studiert Ingenieurwesen. Die Arbeit für die Bühne beansprucht viel Zeit, aber Siemer kann hier gut abschalten. Marcel Grol bestätigt das und fügt hinzu: „Hier draußen funktioniert das Handy nicht richtig, es gibt einfach nur Natur.“

Anweisung des Regisseurs: „Ihr müsst torkeln!"

Marcel Grol ist seit 2007 bei der Waldbühne, bei der sich die meisten Einwohner Ahmsens engagieren – allesamt ehrenamtlich. „Das ist eine schöne Gemeinschaft, wir haben viel Spaß miteinander“, sagt er. Matthias Siemer hat im Alter von acht Jahren das erste Mal auf der Bühne gestanden, zwischendurch war er in mittleren Rollen zu sehen, jetzt muss er das erste Mal viel Text auswendig lernen. „Das ging ganz gut“, sagt er. Und was die Umsetzung der Rolle angeht, hätten ihm viele Leute mit Bühnenerfahrung geholfen. Warum er zur Waldbühne kam? „Ganz einfach: Für Fußball reichte mein Talent nicht.“

Spätes Glück: Martin Luther freundet sich mit Katharina von Bora
(Frieda Dörtelmann) an. Foto: Hermann-Josef Alves

Für Bernd Aalken, seit vielen Jahren der Regisseur der Waldbühne, war es selbstverständlich, in diesem Jahr Luther spielen zu lassen. In Eisenach entdeckte er eine „schöne Fassung“, wie er sagt, die er für die Bühne bearbeitete. Denn in Ahmsen will die Bühne gefüllt sein, es braucht also immer auch Szenen, in denen viel Volk zu sehen ist. Allerdings gibt es in diesem Jahr eine neue Regel: Mitmachen darf nur, wer auch bei allen Aufführungen dabei ist. Das bedeutet, dass häufiger Urlaub genommen werden muss. Nach der Premiere am 27. Mai wird Luther zum Beispiel an zwei Nachmittagen gespielt, wenn die traditionellen Frauenkundgebungen auf der Waldbühne stattfinden. Im Juli und August ist dann Hochsaison für das Stück.

An diesem Probenabend greift der Regisseur noch regelmäßig ins Spiel ein: „Ihr müsst torkeln“, ruft er den Männern zu, die gleich mit Luther in der Kneipe singen werden und die schon angeheitert sind. Später werden die Zuschauer den Reformator im Kloster sehen, in Worms, wo er seine Lehre verteidigt, bei einem Bauernaufstand.

Aalken hat zwei Ebenen im Spiel geschaffen, um Spannung in das Stück zu bringen. Im Vordergrund Martin Luther, der sich der Sprache des Mittelalters bedient, im Hintergrund immer der Teufel, der moderne Sprache verwendet. Lacherfolge verspricht sich der Regisseur übrigens durch den Einbau von Bezügen in die Fernsehwelt. Aber Einzelheiten möchte er nicht verraten: „Es soll ja eine Überraschung bleiben.“ Nur so viel: Karl-May-Fans sollten besonders aufpassen. Und: Aalken will die revolutionäre Seite Luthers zeigen, einen Mann, der für seine Sache protestierte und kämpfte, der harte Ausdrücke verwendete: „Einige haben wir etwas entschärft, aber mancher Zuschauer wird sicherlich auch mal schlucken müssen.“

Matthias Petersen

Die Premiere von „Luther“ ist am Samstag, 27. Mai, um 19.30 Uhr. Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff wird zur Einführung sprechen. Karten für die Premiere und auch für die Frauenkundgebungen gibt es bei der Waldbühne, Telefon 0 59 64/10 27. Das Kinderstück „Pippi Langstrumpf“ feiert am Samstag, 11. Juni, Premiere.

Infos zu den Aufführungsterminen: www.waldbuehne-ahmsen.de

 

Aktion: Eintrittskarten für „Luther“ gewinnen

Der Kirchenbote verlost in Zusammenarbeit mit der Waldbühne dreimal drei Eintrittskarten für die Aufführung am Samstag, 3. Juni, 19.30 Uhr. Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „Waldbühne“, dazu Ihren Namen und Ihrer Adresse an folgende Anschrift: redaktion@kirchenbote.de
Oder schicken Sie eine Postkarte an folgende Anschrift: Kirchenbote, Stichwort Waldbühne, Schillerstraße 15, 49074 Osnabrück. Einsendeschluss ist der 26. Mai 2017.