27.03.2012

Bundesfreiwilligendienst mit 73 Jahren

Die älteste „Bufdi" im Bistum

Den Bundesfreiwilligendienst nutzen nicht allein junge Menschen. Im Alter von 73 Jahren hat sich Gudrun Kenning für den Dienst gemeldet – und ist damit die älteste „Bufdi“ im Bistum. An ein Aufhören nach den zwölf Monaten denkt sie überhaupt nicht.

 

Eine afrikanische Maske wird Gudrun Kenning demnächst
präsentieren. Foto: Stefan Buchholz

„Ich wollte immer schon gerne was mit Menschen machen“, antwortet Kenning, wenn man nach dem Grund für ihre Freiwilligentätigkeit forscht. Dass sie ihren Herzenswunsch nicht auch zum Beruf machen konnte, lag am Veto des Vaters. Er habe sie nicht die Mittlere Reife machen lassen, damit sie nur Kindergärtnerin werde, lautete seine Weisung. Gudrun Kenning fügte sich, absolvierte die Lehre zur Industriekauffrau und blieb bis zum 60. Lebensjahr beruflich kaufmännische Angestellte.

Seitdem arbeitet sie freiwillig. Zwölf Jahre pflegte sie einen im Rollstuhl sitzenden Spastiker. Nach dessen Tod entschied sich Gudrun Kenning, es weiter mit einer freiwilligen Tätigkeit zu versuchen. „Ich muss immer eine Beschäftigung haben.“ Sie selbst hat keine Familie gegründet. Und nur mit ihrem Hund namens „Räuber“ Gassi gehen – das reicht der sportlich Gebliebenen nicht aus.

Mal die Zeitung vorlesen, mal Tränen lachen

Seit September arbeitet sie viermal halbtags pro Woche mit Demenzkranken. 200 Euro verdient sie sich so für ihr Auto und den Hund dazu. Elf Männer und Frauen sind in ihrer Gruppe, alle zwischen 80 und 100 Jahren alt. Kennings Aufgabe: Beschäftigung. Mal die Tageszeitung lesen und dabei die Meldungen über Mord und Totschlag aussparen. Mal ein Lied singen, mal einfach nur Tränen lachen. „Immer wieder probieren, die Menschen ein wenig herauszuholen“, beschreibt Kenning ihr Ziel. Dass sie das nicht dauerhaft erreicht, demotiviert sie keineswegs. „Ich bekomme unheimlich viel Liebe aus der Gruppe zurück.“

Gerade ist sie von der ersten Fortbildung zurückgekommen. Während der 14-tägigen Basisqualifikation gab es Praxistipps für die Arbeit mit Demenzkranken. Kenning selbst hat in dem Seminar zwei Gruppenstunden zum Thema Afrika erarbeitet. Die will sie bald in der Gruppe praktizieren. Bücher mit Fotos anschauen, eine afrikanische Maske zeigen und wieder einen Anknüpfungspunkt versuchen zu erwischen. Auch wenn sie die Stunden morgen von Neuem halten könnte. (buc)

Infos zu Freiwilligendiensten: www.arbeitsstelle-freiwilligendienste.de