20.04.2017

Priestermangel im Bistum Osnabrück

Dieses Jahr keine Weihe

Zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten gibt es 2017 im Osnabrücker Dom keine Priesterweihe. Für manche ist das eine Katastrophe, andere sehen darin einen Anruf des Heiligen Geistes, den es zu entschlüsseln gilt.

Zu Beginn der Liturgie legen sich die Weihekandidaten vor den Altar. Foto: bpo/Hermann Haarmann

Das Turmzimmer des Osnabrücker Priesterseminars ist ein Raum der Begegnung. Hier steht ein Fernseher, hier liegen Zeitungen aus – und hier gibt es eine Wand, die einen wahren Schatz beherbergt. Jeder Weihejahrgang ist hier im Bild verewigt, oft mit dabei der Bischof, meistens der Regens, der für die Ausbildung verantwortlich ist. Das älteste Bild ist von 1888, das jüngste vom vergangenen Jahr. Ein Foto von 2017 werden spätere Betrachter vergebens suchen. In diesem Jahr gibt es keinen Weihekandidaten.

Dass die Zahl der Priester zurückgeht, ist keine Neuigkeit. Insider erinnern sich, dass die Bischöfe Helmut Hermann Wittler und Ludwig Averkamp schon in den 70er und 80er Jahren vom Priestermangel sprachen. Und in den Bistümern im Osten Deutschlands kennt man das Phänomen vom ausgefallenen Jahrgang auch bereits. Dass es auch in einem Bistum wie Osnabrück mit starken Katholikenanteilen zum Beispiel im Emsland einmal so kommen würde, mag jetzt manchen überraschen. Ist im Laufe der Jahre etwas schiefgelaufen?

Zurückgehende Priesterzahlen: „Daraus etwas lernen“

Michael Franke, Jugendpfarrer im Bistum und auch zuständig für die Berufungspastoral, hält nichts von Schuldzuweisungen. An vielen Orten im Bistum gibt es die Tradition, Gott um geistliche Berufungen zu bitten. „Wir können doch jetzt nicht sagen, dass zu wenig gebetet wird“, sagt Franke. Gleichwohl hat er zusammen mit den Verantwortlichen der Diözesanstelle Berufe der Kirche eine Wallfahrt organisiert, die gezielt am Samstag vor Pfingsten stattfindet – jenem Tag, der seit vielen Jahren der traditionelle Tag der Priesterweihe ist. Dann sind die Gebetsgruppen sowie weitere Interessierte eingeladen, im Dom die Messe zu feiern und sich anschließend zu treffen (siehe „Termin“).

Das solle ganz bewusst keine „Trauerveranstaltung“ sein, sagt Franke, „auch kein Ersatz“. Während die Weiheliturgie um 9.30 Uhr begonnen hätte, treffen sich die Gebetsgemeinschaften erst um 12 Uhr zur Messe, die samtags jede Woche im Dom gefeiert wird. Der Bischof wird Hauptzelebrant sein. „Wir werden dann den Herrn der Ernte bitten, wie es auch im Evangelium heißt“, sagt Franke. Auf diese Weise könne allen bewusst werden, dass die Kirche ohne Priester nicht sein kann. „Wir brauchen sie, um Eucharistie zu feiern, um Jesus Christus zu begegnen.“ Denn der Priester repräsentiert Christus.

Vielleicht, überlegt Franke, sollten wir aus dem Umstand der zurückgehenden Priesterzahlen auch etwas lernen. „Möglicherweise ist es ja ein Zeichen des Heiligen Geistes, mit dem wir uns beschäftigen müssen“, sagt er. Sich Fragen stellen, warum es so gekommen ist, nach Antworten suchen, die nicht vorschnell ausfallen sollten. Auch Franke kennt die Forderungen: den Zölibat aufheben, bewährte Männer zu Priestern weihen, auch Frauen zur Weihe zulassen. Auch wenn manche Experten prophezeien, dass es dann mit den Zahlen wieder bergauf geht, wiegt Franke ab; solche Lösungen sind ihm zu schnell, zu funktional. Er möchte lieber darüber nachdenken, was den Gläubigen der Priesterberuf bedeutet und nicht allein darauf achten, dass wieder jede Gemeinde mit einem Priester besetzewird. Und er plädiert dafür, auf die richtigen Antworten zu warten. „So lange müssen wir die Spannung aushalten.“

„Wenn jemand für mich betet, rührt mich das sehr an“

Domkapitular Ulrich Beckwermert betrachtet die Fotos
früherer Weihejahrgänge, die im Priesterseminar im Turm-
zimmer zu sehen sind. Foto: Matthias Petersen

Franke hat viel Kontakt zu Mitgliedern der Gruppen, die um Priesterberufungen beten. „Sie denken dabei auch an die Priester, die regelmäßig ihren Dienst tun.“ Was bewirkt das in ihm, wenn er weiß, dass jemand für ihn, für seine Arbeit, für seine Berufung betet? Michael Franke macht eine lange Pause. „Mich rührt das sehr an“, sagt er zunächst sehr knapp. Dann holt er weiter aus: „Wenn ich diese Zusage bekomme, ist das ein unwahrscheinliches Geschenk, ein Zeichen von Solidarität und Verbundenheit, das mich stärkt. Denn ich weiß, dass ich dann mit meinem Dienst als Priester gesehen werde, nicht als Macher, als Chef oder als Manager, der den Laden schmeißt.“ Und dieses Wissen gebe ihm ganz viel Kraft.

Ulrich Beckwermert war in den vergangenen acht Jahren an der Auswahl der Priesteramtsbewerber als Regens unmittelbar beteiligt. „Sicherlich hätten wir mehr Kandidaten haben können, aber manche hielten wir einfach nicht für geeignet, auch wenn sie bestimmt gute Menschen sind, die ihre Begabung aber eben auf anderem Gebiet haben“, sagt er.

Etwas wehmütig blickt er auf die Wand im Priesterseminar, auf der er als Regens selbst einige Male abgelichtet ist. Zurzeit gibt es nur noch zwei Diakone, die sich auf die Priesterweihe 2018 vorbereiten, aber keine weiteren Theologiestudenten. Dann erzählt er davon, dass es wahrscheinlich ab Mai wieder zwei neue Priesteramtskandidaten geben werde. „Ich bin sicher, dass wir auch in Zukunft an dieser Wand Fotos aufhängen werden.“

Matthias Petersen

 

Termin

Die Wallfahrt für Freunde und Förderer geistlicher und kirchlicher Berufe findet am Samstag vor Pfingsten (3. Juni) statt, Anmeldungen sollten bis zum 15. Mai erfolgen. Sie steht unter dem Leitwort „Sprich nur ein Wort“. Von Klein Berßen fährt ein Bus über Stavern, Meppen, Haselünne und Fürstenau nach Osnabrück.

Um 12 Uhr ist die Messe im Dom, anschließend gibt es Mittagessen. Um 14.15 Uhr spricht der Bischof, außerdem gibt es ein Treffen mit Studenten aus dem Bistum. Ab 15 Uhr ist Gelegenheit zur Eucharistischen Anbetung im Dom, danach wird die Vesper gefeiert. Zur Messe und zur Anbetung sind auch Gläubige willkommen, die sich nicht angemeldet haben.

Anmeldungen und Information bei der Diözesanstelle Berufe der Kirche, Telefon 05 41/31 84 12; E-Mail: pwb@bistum-os.de; Internet: www.berufe-der-kirche-osnabrueck.de