17.05.2017

Neue Einheitsübersetzung der Bibel in den Büchereien

Ein Gefühl für Stil und Schönheit

In jeder Katholischen Öffentlichen Bücherei im Bistum Osnabrück gibt es jetzt die neue Einheitsübersetzung der Bibel. Der Fachmann für das Büchereiwesen freut sich darüber, dass die Autoren gut mit Sprache umgehen können.

Die Einheitsübersetzung der Bibel – jetzt auch in den Katholischen Öffentlichen Büchereien. Foto: monticellllo/fotolia

Das Seelsorgeamt hat die Aktion finanziert, die Dom Buchhandlung für den reibungslosen Versand gesorgt – seit einigen Tagen verfügen alle Katholischen Öffentlichen Büchereien (KÖB) im Bistum über eine Bibelausgabe mit der neu überarbeiteten Einheitsübersetzung. Thomas Oberholthaus hatte die Aktion angestoßen; er leitet die Fachstelle für die Büchereien im Bistum. Und lobt die neue Übersetzung.

„Inhaltlich fallen mir neu eingefügte Dinge auf“, sagt er im Gespräch mit dem Kirchenboten. In der Geschichte über die sogenannten Emmausjünger, mit denen der auferstandene Jesus auf dem Weg ist, heiße es bei Lukas jetzt: „Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen“ (24,15). In der alten Übersetzung fing der Vers einfach mit „Während sie redeten …“ an. „Über Formulierungen wie dieses ,Und es geschah‘ stolpere ich in der neuen Übersetzung häufiger“, sagt Oberholthaus. „So werde ich beim Lesen in aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, dass hier etwas ganz und gar Außergewöhnliches passiert.“ Und das sei gerade bei Texten wie der Emmausgeschichte, die vermutlich jeder Katholik mittleren Alters schon viele Male gelesen oder gehört habe, sehr hilfreich.

Oberholthaus ist als Fachmann für das Büchereiwesen natürlich einer, der viel liest. Zwar könne er die theologischen Aspekte der neuen Übersetzung nur erahnen, doch „als praktizierender Vielleser habe ich immer wieder große Freude daran, wenn Autoren mit Sprache umgehen können“, sagt er. Das gelte besonders für die Leistungen derer, die Texte ins Deutsche übertragen. „Die Übersetzungen sollen ja neben dem reinen Inhalt auch immer ein Gefühl für Stil, Rhythmus und Schönheit des Originals vermitteln. Und das halte ich in den Abschnitten, die ich bisher gelesen habe, für gut gelungen.“
Jetzt heißt es „Brüder und Schwestern“

Schließlich freue er sich als ehemaliger Lektor, der früher viele Lesungen vorgetragen hat, darüber, dass in den apostolischen Briefen die Anrede der Gemeinde angepasst worden sei. „Heute wird das viel treffendere ,Brüder und Schwestern‘ verwendet, bislang blieb es bei den ,Brüdern.‘“

Über zehn Jahre haben Fachleute an der neuen Übersetzung gearbeitet. 1980 war die „alte“ Fassung erschienen, seitdem hätten sich die Sprache und auch wissenschaftliche Erkenntnisse weiterentwickelt, so das federführende Bibelwerk in Stuttgart. Ende 2016 kam deshalb die neue Übersetzung auf den Markt.

Matthias Petersen