06.09.2017

Projekt „Buchstabensuppe"

Ein gutes Wort zur Mittagszeit

„Buchstabensuppe“ heißt eine Aktion der Nordhorner Stadtpastoral. Dabei wird aber keine heiße Bouillon mit Alphabetnudeln serviert – es geht um Texte, die Mut machen sollen. Und das alles beim Mittagessen in großer Runde.

Literatur zum Mittagessen: Gerd Wieners liest den Gästen Passagen
aus einem französischen Roman vor. Foto: Petra Diek-Münchow

Gleich halb eins, gleich gibt es zum ersten Mal die „Buchstabensuppe“ im Restaurant Frentjen. Fast 30 Gäste sind gekommen, rasch füllen sich die Plätze an den mit Rosen und lindgrünen Servietten hübsch gedeckten Tischen. Einige Besucher kennen sich, andere lernen sich kennen. Plaudern entspannt miteinander, genießen das Ambiente und die gute Gesellschaft. Und freuen sich auf eine ganz besondere Mittagspause – mit einem guten Wort.

Das kommt heute von Gerd Wieners aus dem Nordhorner „Kirchenschiff“. Mit seiner Kollegin Katharina Engelen  hat er die Aktion organisiert. Ganz bewusst haben beide die Gäste nicht ins Haus der Passantenpastoral an der Burgstraße eingeladen, sondern in eine Gaststätte in der Fußgängerzone. „Weil wir als Kirche hinaus in die Stadt gehen und Kultur stiften wollen“, sagt er.

Mal heiter, mal melancholisch, immer mit charmanter Leichtigkeit

Worum es geht? Eine halbe Stunde Essen im Schweigen, dabei liest eine in der Region bekannte Persönlichkeit hoffnungsvolle Texte vor: Gedichte, Geschichten, Passagen aus einem Roman. Wer mag und Zeit hat, kann danach noch ein wenig darüber sprechen und dann wieder zurückgehen – nach Hause, ins Büro, in die Werkstatt, zum Stadtbummel. „Eine sehr gute Idee“, findet die Besucherin Christa Smit. „Das hat mich echt gereizt.“ Denn Essen in Gemeinschaft macht viel mehr Freude.

Auf der Speisekarte stehen Bratwurst vom Bentheimer Landschwein und gebratene Scholle mit Gurkensauce. Klingt vielversprechend. Genau wie der Roman, aus dem Gerd Wieners heute beim Mittagstisch vorlesen wird. Lange hat der Gemeindereferent sich überlegt, was er aus seinem Bücherschrank auswählen soll – was passt und Mut macht. „Nathalie küsst“ ist ein solches Werk. Aus den 239 Seiten des französischen Schriftstellers David Foenkinos liest er mehrere Kapitel vor. Es geht um eine junge Frau, die jahrelang nicht über den Tod ihres Mannes hinwegkommt, bis sie ihrem Leben mit einem unüberlegten Kuss eine völlig neue Richtung gibt und neues Glück findet. Mal heiter, mal melancholisch, mit allen Höhen und Tiefen des Lebens, aber immer mit einer charmanten Leichtigkeit erzählt der Autor diese Geschichte. „Mich hat das bis zur letzten Seite gefesselt“, sagt Wieners.

Den Gästen der ersten „Buchstabensuppe“ scheint es gefallen zu haben, mehrere fragen interessiert nach und notieren sich den Titel. Die letzte Seite liest der Mann aus dem „Kirchenschiff“ aber nicht vor. „Das überlasse ich Ihnen, schauen Sie selbst hinein“, sagt er und lächelt.

Petra Diek-Münchow


Zur Sache

An jedem zweiten Mittwoch im Monat lädt das „Kirchenschiff“, das Haus der Stadtpastoral in Nordhorn, von 12.30 bis 13.30 Uhr zur Aktion „Buchstabensuppe“ ein. Im Restaurant Frentjen in der Hauptstraße 50 (Fußgängerzone) liest eine Persönlichkeit aus der Stadt oder Region Nordhorn beim Mittagessen Texte vor. Die Gäste können aus fünf Hauptgerichten zum Preis von 6,50 Euro wählen, Anmeldung im Kirchenschiff unter Telefon 0 59 21/1 79 64 41.

Am 13. September liest Buchhändlerin Viola Taube. Am 11. Oktober kommt Ludger Pietruschka (Krankenhaus- und Notfallseelsorger), am 8. November Anja Milewski (Gleichstellungsbüro Stadt Nordhorn) und am 13. Dezember Hermann Josef Quaing (Geschäftsführer Caritasverband Grafschaft Bentheim).

www.kirchenschiff-nordhorn.de