Meller Jugendgruppe gestaltet besonderen Gottesdienst

Ein Hauch Taizé

50 Menschen, die fünf Minuten lang still sind – das geht: Einmal im Monat im Taizé-Gottesdienst in Melle gelingt es Jugendlichen, eine harmonische Atmosphäre zu schaffen, die es ermöglicht, in Stille den eigenen Gedanken nachzugehen.

Schon der Beginn des Wortgottesdienstes ist ungewöhnlich: In der dunklen St.-Matthäus-Kirche versammeln sich alle um die Osterkerze zur Lichtfeier. Als jeder der rund 50 Gottesdienstbesucher seine Kerze entzündet hat, gehen sie in die alte Kirche und nehmen auf Kissen und Stühlen im Altarraum Platz.

Vorbereitet wird das Abendgebet von Kaplan Helmut Schumacher und der Gruppe „Zum Beispiel Wir“ – etwa 15 ehemalige Firmlinge und Jugendliche, die im vergangenen Herbst an der Taizé-Fahrt teilgenommen haben. Vor einem Jahr haben sie einen Gottesdienstablauf entwickelt, mit dem sie „ein Stück Taizé nach Melle holen wollen“. Wichtiges Merkmal sind die Wiederholungen. Lieder wie „Gott, lass meine Gedanken“ werden mehrere Male hintereinander gesungen. Das ist keineswegs langweilig, sondern verstärkt die Wirkung der Liedtexte, meint Nicolai Speer.
 

Momente der Stille und Kerzenlicht im Taizé-Gottesdienst.
Foto: Susanne Schäfer

Nach Psalm-Gebet und Lesung folgt keine Predigt, stattdessen kann sich jeder Besucher seine eigenen Gedanken machen und Antworten finden auf die Fragen, die die Jugendlichen vorlesen: „Habe ich den Mut, wie Abraham auf Gott zu vertrauen? Bin ich bereit, mich auf Gott einzulassen? Oder habe ich Angst vor dem Unbekannten?“

Die 16-jährige Jennifer Schedding genießt diese Minuten: „Die Stille gibt mir Zeit, über persönliche Dinge nachzudenken.“ In  Taizé sei es eigentlich üblich, zehn Minuten Stille zu halten. Fünf Minuten seien aber ein guter Kompromiss, um die Besucher aus Melle nicht zu überfordern und zu verschrecken, meinen die Jugendlichen.

Kraft für die Woche tanken

Der erste Montag im Monat wurde zunächst aus ganz praktischen Gründen gewählt, denn an diesem Tag hatten alle aus dem Vorbereitungsteam Zeit. Mittlerweile gefällt der Termin den Jugendlichen aber sehr gut. „Hier kann man Kraft für die neue Woche und den neuen Monat tanken“, sagt die 16-jährige Anna Schwieger.

Jeder einzelne findet in diesem Gottesdienst zwar Zeit für sich, aber zugleich ist die Gemeinschaft sehr wichtig. Das macht sich beim Schlusssegen bemerkbar. „Es wäre komisch, wenn nur einer den Segen spenden würde, schließlich sind wir eine Gemeinschaft“, sagt Anna Schwieger. Deshalb gehen die Jugendlichen am Ende mit kleinen Schalen voll Weihwasser umher. Jeder zeichnet mit dem Weihwasser ein Kreuz auf die Handinnenfläche seines Sitznachbarn und spricht: „Sei gesegnet im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“

Susanne Schäfer

Das nächste Abendgebet ist am 7. November um 19.30 Uhr in der St.-Matthäus-Kirche in Melle.