05.10.2017

Freiwilliges Ökologisches Jahr

Ein Ort zum Wohlfühlen

Die 19-Jährige Karina Lührsen aus Kettenkamp absolviert im Stift Börstel im Nordkreis von Osnabrück ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Ihre Aufgaben machen ihr große Freude, bringen aber auch Verantwortung mit sich.

Karina Lührsen genießt es, dass sie an der frischen Luft mit den Hunden herumtoben kann. Foto: Nadine Vogelsberg

Voller Elan stapft Karina Lührsen durch den Wald am Stift Börstel bei Grafeld und hebt zwischendurch einen auf dem Weg liegenden Ast auf. Sie wirft ihn ins Unterholz, wo er Spaziergänger nicht behelligt. Der Boden ist vom Regen aufgeweicht und matschig, aber das stört Lührsen in ihren blauen Gummistiefeln nicht. Mit einem dicken Pulli gegen den kühlen Septembertag geschützt, Arbeitshandschuhe immer dabei und das lange blonde Haar zum Zopf gebunden ist die 19-Jährige bereit für ihr Tagewerk. 

Es geht früh los, im Stift Börstel, wenn man wie Karina Lührsen aus Kettenkamp und Anna Julius ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolviert. Dann gilt es, als in der Frühe die Kaninchen zu füttern. Besonders auf Fritz müssen die beiden Jugendlichen dabei ein Auge haben, denn wegen einer Stoffwechselerkrankung nimmt er nicht zu. Also an das Kraftfutter für Fritz denken.

Die Hühner werden aus dem Stall gelassen und laufen für den Rest des Tages über das Gelände. Eingezäunt werden sie nicht, die Tiere wissen, bis wohin sie laufen können und bleiben in ihrem Bereich. Man muss nur vorsichtig sein – die Hennen haben keine festen Plätze, wo sie ihre Eier legen, da müssen Lührsen und Julius die Augen offenhalten und täglich Eier suchen. Meerschweinchen, Gans und Hunde werden anschließend gefüttert. 

Erst, nachdem alle Tiere ihr Futter erhalten haben, schauen Lührsen und Julius, was aktuell ansteht. Die Aufgaben ändern sich täglich, fest steht nur eines: Die jungen Frauen werden an die frische Luft kommen. Dass sie so viel an der frischen Luft arbeiten kann, freut Lührsen sehr. „Es ist einfach schön“, sagt sie glücklich und blickt über das weitläufige Gelände. Zu ihren Füßen picken ein paar Hühner, dahinter liegt das Meerschweinchengehege, und noch ein bisschen weiter weiden einige Schafe, gut behütet von zwei Hunden. 

Seit Karina Lührsen ihr FÖJ im August begonnen hat, verbringt sie nun fast den gesamten Tag draußen. Nachdem sie sich gleich in der ersten Woche eine Erkältung zugezogen hat, fühlt sie sich mittlerweile aber deutlich gesünder durch die vielen Stunden an der frischen Luft. Auch im Winter wird sie die meiste Zeit draußen verbringen und hat sich daher mit warmer Arbeitskleidung ausgestattet. 

Die Einkleidung war ein unvergessliches Erlebnis

Mittags trifft sie sich mit den Stiftsdamen zum Mittagsgebet in der Kapelle. Dann wechselt sie ihre Arbeitskleidung gegen einen langen weißen Gebetsmantel. Die FÖJlerinnen gehören im Stift Börstel zur Gemeinschaft dazu und sind daher zu Beginn ihres freiwilligen Jahres in einem Gottesdienst eingekleidet worden. „Das war unvergesslich!“, erinnert sich Lührsen. „Anfangs musste ich mich an den Gebetsmantel gewöhnen, jetzt finde ich ihn sehr bequem“, erzählt sie. 

Frühere FÖJler haben als Abschlussprojekte eine Fühlstation und ein Labyrinth angelegt. Karina Lührsen und Anna Julius überlegen bereits, wie sie mit ihrem Projekt das Stift bereichern können. Fürs Erste heißt es, Unkraut zu jäten, das Gartentor auszubessern oder einen neuen Unterstand für die Schafe zu bauen. Die Hunde begrüßen Lührsen freudig, wenn sie zur Schafswiese kommt. In den ersten Wochen waren sie ihr gegenüber misstrauisch, aber nun haben sie sich aneinander gewöhnt und Lührsen muss aufpassen, dass die beiden ihr keine Streiche spielen. „Neulich haben sie die Futternäpfe versteckt“, berichtet sie schmunzelnd. 

„Wenn ich hier mit den Tieren draußen sein kann, bin ich gutgelaunt – und wenn es den Tieren gutgeht, geht es mir noch besser!“, erzählt sie. Die praktische Arbeit liege ihr und sie schätzt die Nähe zu ihrer Heimat. Sie fühlt sich in ihrer Heimat verwurzelt und möchte gerne im Osnabrücker Land bleiben. Nach dem FÖJ würde sie gerne eine Ausbildung machen, zum Beispiel als medizinische Fachangestellte. Doch erst einmal fühlt sie sich auf dem Stiftsgelände wohl. 

Nadine Vogelsberg

 

Freiwilliges Ökologisches Jahr

In Niedersachsen werden aktuell 325 Plätze für ein FÖJ angeboten. Die Teilnehmer arbeiten ein Jahr in der Natur und haben auf das Jahr verteilt fünf Kurse, in denen auf ökologische Themen wie Naturschutz und Nachhaltigkeit eingegangen wird. Das FÖJ soll ihnen die Chance bieten, in ökologische Berufe hereinzuschnuppern und praktisch zu arbeiten. Jeder soll eine Projektarbeit ablegen.