Fastenzeit bewusst nutzen

Ein Würfel voller guter Vorsätze

Keine Süßigkeiten, kein Fernsehen, kein Handy. Immer mehr Menschen nutzen die Fastenzeit, um eingefahrene Gewohnheiten zu hinterfragen. Vor allem für Kinder soll Fasten aber keine Belastung sein, sondern Spaß machen und Raum für neue Ideen schaffen.

 

Auch eine Möglichkeit für eine Aktion in der Fastenzeit: In Wolfsburg haben Schüler im Frühjahr Kartoffeln gepflanzt und im Sommer die Ernte eingebracht. Foto: privat

Sie ist klein, oval und lecker. Rosara, rotschalig und vorwiegend festkochend, hat die jungen Messdiener der St.-Michael-Gemeinde im niedersächsischen Wolfsburg in der Fastenzeit begleitet. Vor zwei Jahren pflanzten die Jungen und Mädchen jede Menge der kleinen Kartoffeln in die Erde, die Ernte verkaufen sie ein halbes Jahr später vor der Kirche zugunsten von Klimaschuzprojekten in Bolivien. Gerne erinnert sich Initiator Norbert Batzdorfer an die Aktion: „Im Garten etwas einzupflanzen, das dann wächst und später geerntet wird, das kannten viele Kinder gar nicht mehr“. In den Gruppenstunden habe er ihnen von Bolivien und den globalen Dramen der Trockenheit erzählt. Die Kartoffel steht dabei als Zeichen der Verbundenheit zu Lateinamerika und für den Klimaschutz durch den Anbau heimischer Produkte.

Mit Ideen wie der Kartoffelpflanzaktion ruft das Bistum Hildesheim seit ein paar Jahren in der Fastenzeit Gemeinden und Familien zum „Klimafasten“ auf. In den Wochen vor Ostern sind sie eingeladen, über Klimawandel und den Schutz von Gottes Schöpfung nachzudenken – und den einen oder anderen Schritt zur Veränderung des eigenen Lebensstils auszuprobieren. Die Schöpfung bewusster wahrzunehmen und zu überlegen, wie auch Kinder sie bewahren können, gebe der Fastenzeit eine besondere Bedeutung, meint Katharina Bosl von Papp, Leiterin der Diözesanstelle Weltkirche. Vorschläge fürs „Klimafasten“ hat sie viele: Autofasten, Energie sparen, den Fleischkonsum überdenken, fair einkaufen oder Wasser sparen sind nur einige. Denn der Klimawandel sei längst nicht mehr nur ein Thema für Erwachsene: „Auch Kinder machen sich Gedanken darüber, wie die eine Welt von morgen aussehen wird, wenn wir unser Klima nicht schützen.“ 

Verzicht fällt vielen Menschen heute schwer. Ihn mit Kindern zu üben, ist aber sinnvoll und macht sie sogar fit für ein erfolgreiches Leben. Das zeigen eine ganze Reihe psychologischer Untersuchungen. So ergab die „Marshmallow-Studie“ aus den USA: Wer sich schon als Kind gut selbst beherrschen kann, schneidet besser in der Schule ab und ist sozial kompetenter. Kinder, die im Vorschulalter lange auf einen Marshmallow hatten warten können, waren als junge Erwachsene entschlossener, erfolgreicher in der Schule und konnten besser mit Rückschlägen umgehen. Die Ungeduldigen dagegen waren emotional instabiler und schnitten in der Schule schlechter ab – obwohl sie nicht weniger intelligent waren.

Überbleibsel des Karneval verbrennen

Als ein wichtiges Übungsfeld, um sich auch den dunklen Seiten des Lebens zu stellen, sieht die Osnabrücker Theologin Martina Kreidler-Kos die Fastenzeit. In der heutigen Elterngeneration werde dieses Thema leider eher ausgeblendet, beobachtet sie. „Da ist es eine gute Gelegenheit, eine Zeit im Jahr zu haben, um sich mit Verzicht, weniger Bedürfnissen, Tod, Trauer und Sterben auseinanderzusetzen.“ Gerade die Karwoche biete hier eine gute Gelegenheit, um mit Kindern über den Tod zu sprechen. Im Gegensatz zur Adventszeit hat die Fastenzeit einen klaren Startschuss: „Es ist eine große Chance, schon den Aschermittwoch zu nutzen, mit den Kindern in den Gottesdienst zu gehen und ein Aschekreuz zu bekommen“, rät Kreidler-Kos.
 

Der Fastenwürfel enthält sechs Fasten-
vorhaben. Foto: Astrid Fleute

Zu Hause könnten Familien mit Luftschlangen und Papierservietten die Überbleibsel des Karneval verbrennen und dann die Asche betrachten, die für Vergänglichkeit und Verwandlung stehe. „Das kann man am Feuer super nachvollziehen“, meint die vierfache Mutter. Auf jeden Fall sollten sich Eltern zu Beginn der Fastenzeit klar machen, dass sieben Wochen oft unübersichtlich lang sind, gerade für kleinere Kinder. Die Theologin rät dazu, die Zeit gut zu strukturieren und zum Beispiel auf „geprägte Tage“ zu setzen und einen Fastentag pro Woche einzuführen.

Eine andere Idee ist ein Fastenwürfel: Wie ein Gebetswürfel enthält er sechs Fastenvorhaben, die täglich oder wöchentlich neu ausgewürfelt werden. Neben dem klassischen Verzicht auf Süßes, Fernsehen, Handy oder Computer sollten darauf auch positive Anregungen stehen wie „kein Streit“, „Konflikte anders lösen“ oder „Gebet“. Familien sollten die Vorsätze ruhig mixen, damit sich Fasten und positive Vorsätze abwechseln können. Denn Fasten sollte Kindern Spaß machen und Raum schaffen für Veränderungen.

Neben dem Gebetswürfel steht bei Familie Kreidler-Kos in jeder Fastenzeit auch ein Kerzenweg auf der Fensterbank: Sieben dunklen Kerzen folgt eine helle. „Die Kinder sehen: wir gehen einen Weg und er endet im Licht“, erklärt die Theologin. Je nachdem, wie viele Kerzen gerade brennen, könne jeder erkennen, wie lange die Fastenzeit noch dauert. Der dritte Fastensonntag biete die Möglichkeit, als Zeichen der „Halbzeit“ ein Blümchen dazuzustellen. Die weiße Kerze am Ende können Eltern und Kinder später als Osterkerze verzieren.

Astrid Fleute

Ideen zum Klimafasten hat die Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Hildesheim als Download bereitgestellt: www.bistum-hildesheim.de (Stichwortsuche: Klimafasten)