Münsteraner Bischof weiht neue Kirche am Meer

Eine „Welle" hinter dem Deich

Felix Genn, Bischof von Münster, hat eine neue „Kirche am Meer“ eingeweiht. Eine gute Nachricht in Zeiten, in denen viele Kirchen geschlossen werden. Das Gotteshaus steht in Schillig (Wangerland) direkt hinter dem Deich. Zwar zählen zur Gemeinde nur rund 800 Wangerländer, aber in der Haupt- und Nebensaison schwillt der Urlauberstrom rapide an.

Nahe der neuen Marienkirche liegt beispielsweise einer der größten Campingplätze der deutschen Nordseeküste mit 1,2 Millionen Übernachtungen jährlich. So ist die Investition von 4,7 Millionen Euro gerechtfertigt, zumal der Vorgängerbau baufällig war. Das Kölner Architektenbüro Königs hat das Dach der „Kirche am Meer“ in Form einer Welle entworfen, die sich in den Himmel streckt. Pfarrer der Gemeinde in Wangerland ist Lars-Jörg Bratke, der gemeinsam mit Weihbischof Heinrich Timmerevers im Herbst 2010 den Grundstein legte.

 

 

Bereits im April vergangenen Jahres sprach unsere Redakteurin Petra Diek-Münchow mit Pastor Bratke, der in diesem Kirchenneubau ein wichtiges Hoffnungszeichen sieht:
 

Pfarrer Lars-Jörg Bratke vor der neuen Kirche, die 2011 noch im Bau war. Foto: Petra Diek-Münchow

Die Sonne hat es an diesem Frühlingstag noch ein bisschen schwer, sich durch die Wolken zu kämpfen. Hier oben, auf der Krone des grasbewachsenen Deiches, bläst der Wind einem ordentlich um die Ohren. „Kein Wunder“, sagt Lars-Jörg Bratke. „Unsere Kirche ist von drei Seiten von Wasser umgeben: Jade, Nordsee, Nordsee.“ Nicht nur dieser Standort ist ungewöhnlich. In Schillig (Bistum Münster) entsteht eine neue „Kirche am Meer“.

Das Gotteshaus war nicht das erste in dem beliebten Badeort Schillig. Doch St. Marien war gut 40 Jahre nach ihrem Bau mehr als nur sanierungsbedürftig. Das raue Nordseeklima hatte den Kalk-Sand-Stein zerfressen. „Das Dach, die Fassade, die Fenster waren kaputt“, sagt Bratke. Und erzählt, wie groß der Schock war, als die Gemeinde von geschätzten 1,6 Millionen Euro Kosten hörte – nur, um die Grundsubstanz zu erhalten.

Die Kirche aufzugeben, stand nach seinen Worten aber nie zur Debatte. „St. Marien gehört hierher. Das ist eine Institution“, verweist der 42-jährige Pfarrer auf ihren wichtigen Stellenwert für die Urlauberseelsorger. Im Sommer reichten die 300 Sitzplätze kaum aus, um alle Gottesdienstbesucher zu fassen. Bratke erzählt begeistert von den lebendigen Familienmessen an jedem Sonntag – von Gästen aus dem Emsland, dem Münster- und Sauerland, die Jahr für Jahr wiederkommen. „Da freue ich mich immer schon, sie wiederzusehen.“

Deshalb entschlossen sich Bistum und Kirchensteuerrat für eine große Lösung in Schillig. Die alte Kirche wurde abgerissen, an gleicher Stelle wird für etwa 4,7 Millionen Euro eine neue gebaut. Das Bonifatiuswerk hilft dabei mit Zuschüssen mit. Nach dem Entwurf des Architekturbüros Königs in Köln entsteht direkt am Deich ein ganz anderes Gotteshaus, das sein Profil im Namen trägt: „Kirche am Meer“. Formen, Farben und Steine nehmen Elemente der friesischen Landschaft und der See auf. Dunkelgrauer Klinker, der in der Sonne wie Fischschuppen glitzert, umgibt die wellengleich geschwungene Fassade. Beim Anblick des Baukörpers fühlt sich der eine Betrachter an die Brandung, der andere an die Dünen und der nächste an einen Schiffsbug erinnert. Der 22 Meter hohe Turm ähnelt einem Segel. Maritime Motive gibt es auch im Innern. Das einfallende Licht bricht sich derart, dass Besucher dort eine wandernde Wellenform sehen. Und die Wände leuchten sanft in der Farbe des Schilliger Strandes.

Während der Bauphase waren die Katholiken aus Schillig zu Gast in der evangelischen Kirche St. Nikolai. Im Sommer fanden Gottesdienste und Veranstaltungen in einer Zeltkirche am Pfarrhaus statt. Pastor Bratke empfand all das aber nicht als Last. Für ihn steckt darin eher Aufbruch und Hoffnung – gerade jetzt, wo viel von Glaubens- und Kirchenkrise gesprochen wird, wo andernorts Kirchen abgerissen werden müssen.

 

Zur Sache
Schillig liegt im Wangerland, etwa 20 Kilometer nördlich von Wilhelmshaven. Politisch gehört der Nordsee-Badeort zum Landkreis Friesland, kirchlich zum Oldenburger Teil des Bistums Münster. Der Pfarrbezirk Wangerland (Hooksiel und Schillig) mit 800 Katholiken bildet mit Schortens und Jever die 3700 Mitglieder zählende Pfarrei St. Benedikt mit Sitz in Jever. Pastoraler Schwerpunkt im Wangerland ist die Urlauberseelsorge.