Gemeinsam etwas unternehmen: bundesweit einmaliges Projekt

Eine gesunde Stunde am Tag

Fernsehen, PC und dazwischen irgendeine schnelle Mahlzeit – die Zeit für das Miteinander in der Familie kommt oft zu kurz. Mit dem Projekt „Gesunde Stunde“ lernen Eltern und Kinder, Familienaktionen mehr Beachtung zu schenken.

 

Mit den Eltern spielen und raufen – alle genießen es. Foto: Stefan Buchholz

Heute steht Ringen und Raufen auf dem Programm. Und das mit Mama oder Papa. In der Sporthalle der Grundschule Gellenbeck im Osnabrücker Land geht es schnell und laut zur Sache. Fast wie im richtigen Leben, wenn es um Jäger und Gejagte geht. Und um die Hoffnung auf Befreiung, wenn man erst mal gefangen wurde. Frei wird man nur, wenn sich zwei Leute finden und einen zum Leben erwecken.

Vorgegeben hat die Spielregeln Mechthild Tegeler. Die Sportlehrerin ist im „Gesunde Stunde“-Projekt des Landkreises Osnabrück für die actionreichen Spiele zuständig. Auf Lager hat sie Klassiker wie Völkerball und Gummitwist. Aber auch neue Ideen, wie etwa das körperliche Kopieren von Fast-Food-Produkten. 13 Schulen machen derzeit beim kostenlosen Projekt mit. Sie sind als Kontaktstellen wichtig und bieten Eltern und Kindern im Laufe des Jahres verschiedene gemeinsame Projekte an. Das Miteinander steht bei allen Angeboten im Mittelpunkt. Neben dem Block „Bewegung“, hat Projekt-Koordinatorin Silke Tegeder-Perwas vom Landkreis auch Ideen rund um „Entspannung“ und „Ernährung“ im Angebot.

Nachdem Mechthild Tegeler in der Gellenbecker Turnhalle  kurz vorgemacht hat, wie man eine Coladose, Pommes Frites oder den Cheeseburger nachstellt, geht es für die Kinder und Erwachsene darum, auf Kommando die unterschiedlichsten Formationen nachzubilden. „Damit soll das Teamwork gestärkt werden“, erklärt sie. Neben den Sportangeboten kommen auch Ruhe und  Entspannung bei Eltern-Kind-Massagen gut an. Auch hier ist Teamwork gefragt: Die Eltern massieren ihre Kinder – und umgekehrt. „Das stärkt das Vertrauensverhältnis, die Körperwahrnehmung und fördert die Konzentration“, sagt die zuständige Leiterin, Katja Werries. Da sowohl Eltern als auch Kinder stets begeistert von dem Angebot sind, hat Werries angefangen, nach der Stunde Zettel zu verteilen. Auf ihnen stehen Tipps, wie man den Wohlfühlfaktor auch zu Hause wieder gemeinsam entdecken kann. Neben Yoga für die Eltern und Kinder kommt Werries im Rahmen der „Gesunden Stunde“ auch direkt ins Klassenzimmer. „Dann geht es um Entspannungstechniken im Unterricht.“

Sport und Spiel, aber auch Yoga und Massage

Seit zwei Jahren beim Projekt dabei ist die Graf-Ludolf-Grundschule in Kloster Oesede. Hier werden Papa und Mama mit den Schülern auch miteingebunden, wenn es um den Einbau der Angebote in den Schulalltag geht. „Neben der Massage kommen Tanzen nach Hip-Hop-Musik oder der Gesellschaftsspiele-Nachmittag für die ganze Schule super an. Für uns ist die „Gesunde Stunde“ ein fester Bestandteil in der Schule geworden“, so Lehrerin Anette Böhning.

Seit bald zehn Jahren gibt es das Projekt in dieser bundesweit einmaligen Weise. Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück zusammen mit dem Kinderhospital starteten damals die Initiative. Wissenschaftlich wurde die „Gesunde Stunde“ von der Universität Osnabrück begleitet. Die Idee, im Projekt auch die Eltern mitzunehmen, hat mit der Nachhaltigkeit zu tun. „Die Familie hat einen wesentlichen Einflussfaktor beispielsweise auf das Bewegungsverhalten eines Kindes“, sagt Silke Tegeder-Perwas. „Wenn man beispielsweise lieber im Auto zum Bäcker um die Ecke fährt, als das Fahrrad zu nehmen, oder statt der Treppe stets den Aufzug benutzt, wird dem Kind vermittelt, dass man sogenannte überflüssige Aktivitäten besser vermeidet.“

Wie steht es um die Nachhaltigkeit? Ob die Eltern tatsächlich einmal am Tag eine Stunde etwas mit ihren Kindern unternehmen, ist natürlich nicht nachprüfbar, räumt Tegeder-Perwas ein. Neben Material in Form von Anleitungen, Rezepten und CDs, die einige Übungsleiter verteilen, evaluiert sie jede Stunde anhand eines Fragebogens. „Letztlich können wir ja nur ein Angebot machen.“ Immerhin überzeugt das Projekt schon länger die Sponsoren. Ein Pool aus Förderern von der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte, der Sparkassen-Stiftung bis hin zu verschiedenen Krankenkassen stellt jährlich 40 000 Euro zur Verfügung.

Stefan Buchholz

Informationen zur „Gesunden Stunde“ erteilt Silke Tegeder-Perwass, Tel. 05 41/33 21 98 61, oder per E-Mail: gesunde-stunde@landkreis-osnabrueck.de