Anspannung pur bei den Viertklässlern und ihren Eltern. In diesen Tagen erhalten sie die Empfehlungen für die weiterführenden Schulen. Nun müssen die Weichen für den weiteren Schulweg gestellt werden. Wie Eltern ihre Kinder dabei unterstützen können, erklärt Pascal Zimmer, Vorsitzender des Landeselternrates Niedersachsen.

Herr Zimmer, was raten Sie den Eltern der derzeitigen Viertklässler?
Die Schullaufbahnentscheidung ist wichtig und richtig, solange wir ein mehrgliedriges Schulsystem haben. Lehrer und Eltern sollten sich eng abstimmen und miteinander eine Entscheidung treffen, auf welche Schule das Kind künftig gehen soll. Meistens liegen die Lehrer mit der Einschätzung der Schüler richtig, und in der Regel deckt sich das auch mit der Meinung der Eltern. Wenn sich allerdings die Eltern anders als die Schullaufbahnempfehlung entscheiden, dann liegen allermeistens die Eltern richtig. Leider gibt es hierzu keine aktuellen Zahlen, das kritisieren wir schon lange. Bildung und Schulabschluss sind wichtig für sozialen und beruflichen Erfolg, weshalb viele Eltern unter Druck stehen und manchmal ehrgeiziger sind als es den Möglichkeiten, Begabungen und Verhältnissen der Kinder entspricht.
Wie können Eltern die Kinder sinnvoll beim Lernen unterstützen?
Das Wichtigste ist, zu Hause optimale Bedingungen zu schaffen: Das Kind sollte einen Arbeitsplatz haben, sich Zeit nehmen können für Hausaufgaben und Lernen. Es sollte eine Tagesstruktur vorherrschen, die das Arbeits- und Lernklima unterstützt. Elternhäuser sind jedoch keine kleinen privaten Lernanstalten, die meiste Arbeit muss in der Schule geleistet werden. Es darf zu keinen sozialen Ungerechtigkeiten kommen, denn nicht alle Eltern können ihren Kindern zu Hause beim Lernen helfen. Hier muss Schule ausgleichen.
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| Pascal Zimmer |
Gerade ist das „Volksbegehren für gute Schule“ in Niedersachsen gescheitert. Die Initiatoren wollten unter anderem zurück zu G9. Was halten Sie davon?
Viele Eltern sehen zwar, dass der Aufwand am Gymnasium größer geworden ist, die meisten wollen aber nicht zurück zu G9. Viele Probleme gab es damals auch schon, die gilt es, endlich anzugehen. So muss es viel mehr Lehrerfortbildungen geben, denn die Anforderungen an das Lernen am Gymnasium haben sich in den letzten 20 Jahren extrem verändert: weg vom reinen Lernen von Zahlen und theoretischem Wissen hin zur Anwendbarkeit des Gelernten, das heute ganz anders verarbeitet werden muss.
In Niedersachsen gehen derzeit auch verstärkt Oberschulen an den Start. Sind sie eine Bereicherung für die Schullandschaft?
Es war wichtig, dass etwas in der Schulstruktur passiert, da viele Schulen von der Schließung bedroht waren und die Hauptschulen nicht mehr angewählt wurden. Wir hätten uns jedoch mehr neue Gesamtschulmöglichkeiten gewünscht. Um sie durchsetzen zu können, bekommen die Oberschulen jetzt mehr Vorteile im Ganztag, das kann ich nicht nachvollziehen. Es ist notwendig, dass es auch gymnasiale Zweige an den Oberschulen gibt, hier gibt es bislang zu wenig Möglichkeiten.
Interview: Astrid Fleute
