Als Sanitäter übernehmen Kinder Verantwortung

Erste Hilfe auf dem Pausenhof

In vielen Schulen gibt es heute eigene Sanitätsdienste. Schüler lassen sich zu Ersthelfern ausbilden und sind sofort da, wenn in der Pause oder auf dem Schulweg ein Unfall passiert. Seit neuestem gibt es das sogar an Grundschulen. 

 

Wie die Profis: Fachmännisch legen die Mädchen einen Verband
um eine Hand mit einer blutenden Schnittwunde. Foto: Hüser

„Ich gucke auf den Mund. Dann mache ich den Kopf hoch, damit die Zunge nicht herunterrutscht. Dann lege ich die Hand unter den Kopf.“ Lisa Schoffro ist zehn Jahre alt und weiß, wie man mit einer bewusstlosen Frau umgeht. Auf einem Waldspaziergang mit ihrer Freundin Vera Weininger hat sie die Ohnmächtige auf dem Weg liegend gefunden. Die beiden tun das Richtige. Beobachten, stabile Seitenlage herstellen, Hilfe rufen, dableiben. Fünf Monate lang haben 13 Viertklässler der Hamburger St.-Antonius-Schule im Stadtteil Steilshoop am Nachmittag „Erste Hilfe“ gepaukt. Künftig können sie als Schulsanitäter auf dem Pausenhof patroullieren, ausgerüstet mit einer Sanitäterweste.

Jetzt absolvierten sie in der Malteser-Rettungsstation ihre Abschlussprüfung. Die bewusstlose Frau lag also gar nicht im Wald und hatte auch nicht das Bewusstsein verloren. Im nächsten Moment war Jenny Lange (15) schon wieder lebendig und im Einsatz, diesmal mit einem blutenden Schnitt in der Hand. Ein Verband muss her, fachgerecht um die Handfläche gewickelt, und psychologische Betreuung: Vom Schmerz ablenken, der Verletzten das Gefühl geben: Du bist nicht allein! Schon schluchzt Jenny nicht mehr so heftig.

Neu erworbene Fähigkeiten stärken das Selbstwertgefühl

Schüler als Sanitäter in ihren Schulen, das ist heute nichts Neues mehr. In ganz Deutschland begleiten die Malteser 450 Schulsanitätsdienste. Neu ist, dass es diesen Dienst jetzt auch schon in der Grundschule gibt.

„Es geht nicht nur darum, dass Schüler Erste Hilfe leisten“, erklärt Anna Zaubitzer, Lehrerin und ehrenamtliche Malteser-Sanitäterin. „Schwere Unfälle und Verletzungen sind bei uns nicht die Regel. Vor allem lernen die Kinder, Verantwortung zu übernehmen. Sie bekommen einen Blick dafür, was um sie herum geschieht. Damit kann man nicht früh genug anfangen.“ Und die neu erworbene Fähigkeit stärkt das Selbstwertgefühl. Der Prüfer nimmt Lisa und Vera beiseite. „Das habt ihr ganz prima gemacht!“, lobt er die Mädchen. Wie alle anderen Prüflinge bekommen sie eine Urkunde.

Stolz ist auch der Vater von Vera, Jürgen Weininger. Kann er denn eigentlich auch, was seine Tochter gerade gezeigt hat? „Jetzt wieder“, sagt er. Die vergangenen Monate waren für die ganze Familie eine Auffrischung ihrer Erste-Hilfe-Kenntnisse aus Fahrschulzeiten. Vater, Mutter, Geschwister und Großeltern wurden während des vergangenen Schulhalbjahres in die stabile Seitenlage verfrachtet, bekamen unsichtbare Schürfwunden verbunden und Pflaster aufgeklebt.

Andreas Hüser

 

 

Was können Kinder tun?

- bei einem Unfall helfen, statt vor Schreck weglaufen.

- die Situation erfassen: Welche Art von Verletzung kann ich erkennen?

- gezielt Hilfe holen bei Lehrern oder beim Notruf, Telefon 112

- Erstversorgung wie „Stabile Seitenlage“, blutstillende Verbände (es kommt nicht darauf an, dass der Verband hundertprozentig sitzt, sondern dass die Blutung gestillt wird)

- ruhig auf das Unfallopfer zugehen, dableiben, trösten, Sicherheit geben (das können Kinder ganz ausgezeichnet)

- sich in Erster Hilfe weiterbilden

- Kinder sollten nicht vor Schreck weglaufen, weil sie vor einer ungewohnten Situation stehen und Maßnahmen versuchen, die sie vorher nicht eingeübt haben.

Mehr dazu unter www.malteser-ssd.de