20.10.2016

Ein Ehepaar als Messdiener

"Es ist würdiger mit Messdienern"

Elfriede und Martin von Handorff aus dem oldenburgischen Holdorf haben sich als Paar gemeldet, als der Pfarrer nach erwachsenen Messdienern für Beerdigungen suchte. Mittlerweile sind sie ein eingespieltes Team. Und Elfriede von Handorff wundert sich manchmal.

Elfriede und Manfred von Handorff gehören zur Erwachsenen-Messdienergruppe im oldenburgischen Holdorf. Alle drei Monate übernehmen sie den Bereitschaftsdienst für Beerdigungen am Nachmittag. Foto: M. Rottmann

Nur einmal waren sie sich unsicher. Wegen des Schellens bei der Wandlung. Die Frage lautete: Wer klingelt zuerst? Der Messdiener auf der rechten oder die Messdienerin auf der linken Seite des Altares?

Martin von Handorff erinnert sich schmunzelnd an den kurzen Moment bei der Wandlung. Wie er fragend zu seiner Frau hin-übersah und auch sie nur mit den Achseln zuckte. Bis einer von beiden sich ein Herz fasste und das erste Schellen vorgab. Nur eine kleine Unsicherheit für die beiden damals Neuen im Dienst als Messdiener – die man als Paar vielleicht besonders unproblematisch lösen kann.

Messdiener zu sein – Elfriede von Handorff hatte es als Kind nie gelernt. Die heute 62-Jährige wusste trotzdem schon ziemlich gut, wie das geht. Weil sie es aus der Mutter-Perspektive kannte. Von ihrem Sohn und aus der Zeit, als ihre jüngste Tochter noch regelmäßig am Altar stand. „Ab und zu bin ich mit ihr den Ablauf des Gottesdienstes zu Hause durchgegangen, und da ist bei mir natürlich auch etwas hängen geblieben.“ Wann man knien muss, welche Verbeugungen dazugehören, wann Wasser und Wein an der Reihe sind. Dass ihr dieses Wissen selbst auch einmal nützen könnte – das konnte sie damals nicht ahnen.

 

Gelernt hat er noch mit Hochaltar und viel Latein

Auch für ihren Mann Martin (66) war die Messdienerzeit bis vor einem Jahr eigentlich nur noch eine schöne Erinnerung an die Kindheit. Mit Weihrauch, Hochaltar und viel Latein. Aber als der gelernte Bankkaufmann und spätere Buchhalter und seine Frau von dem Aufruf des Pfarrers hörten, zögerten sie nicht lange. Christian Wölke, leitender Seelsorger der Steinfelder St.-Johannes-Gemeinde, suchte für die Filialkirche in Holdorf erwachsene Messdiener für den Dienst bei Beerdigungen.

Denn: Immer weniger Kinder und Jugendliche haben nachmittags dafür Zeit. Zu sehr sind die meisten eingespannt zwischen Nachmittagsunterricht, Musikschule oder Sportverein. Oft genug telefonierte die Pfarrsekretärin vergeblich hinter ihnen her. So dass der Priester oft genug allein mit der Trauergemeinde am Grab stand.

„Zwölf Erwachsene haben sich deshalb vor gut einem Jahr spontan bereiterklärt, regelmäßig einzuspringen“, sagt Martin von Handorff. Seine Frau und er waren zwei davon. „Wenn wir nicht immer guten Kontakt zur Kirche gehabt hätten, hätten wir das wohl nicht gemacht“, sagt Elfriede von Handorff. Jahrelang plante sie im Vorstand der Frauengemeinschaft mit, war Bezirks-helferin, trug die kfd-Fahne bei Beerdigungen.

 

Alle drei Monate haben sie Bereitschaftsdienst

In drei Gruppen zu je vier Messdienern sind die zwölf neuen Ministranten aufgeteilt; jede übernimmt einmal im Quartal für einen Monat den Bereitschaftsdienst für Beerdigungen. Die von Handorffs waren im September wieder an der Reihe. „Manchmal hat man wenig zu tun und manchmal sind es dann gleich vier oder fünf Beerdigungen“, sagt Elfriede von Handorff und beschreibt, wie sie und ihr Mann ab und zu schon morgens beim Frühstück in der Tageszeitung nachschauen, ob wieder Dienste auf sie zu kommen.

Die Zeit fürs Dienen nehmen sie sich einfach. „Als Rentner geht das ja“, sagt Martin von Handorff, der ziemlich genau mit seinem Eintritt in den Ruhestand wieder Messdiener wurde. Auch für die fünf Enkel bleibe noch genügend Zeit.

Vor dem ersten Einsatz absolvierten die Neuen eine Unterrichtsstunde mit Pfarrer Wölke. „Das brauchten wir auch“, sagt Elfriede von Handorff. Das meiste kannte sie als regelmäßige Kirchgängerin und aus der aktiven Zeit ihrer Kinder zwar schon. Manches jedoch war neu. „Ungewohnt war zum Beispiel der Dienst in der Friedhofskapelle, zu lernen, wo man da stehen muss.“

Und dann war da noch die Sache mit dem Weihrauch. „Das kann ich nicht, das Weihrauchfass hakt bei mir immer an den Ketten fest“, meint Elfriede von Handorff achselzuckend und schaut zu ihrem Mann. „Das musst du dann eben machen.“ Martin von Handorff lächelt. „Kein Problem, wir stehen ja immer nebeneinander.“ Die erwachsenen Messdiener haben mittlerweile ihre festen Aufgaben. Nach ein paar Beerdigungen hat sich das eingespielt. Einer trägt das Kreuz, ein anderer den Weihrauch, und so geht es weiter.

Ungewohnt ist das Ganze nach einem Jahr Dienst nicht mehr. Im Altarraum zu stehen, das war für Elfriede von Handorff sowieso nicht neu. „Ich bin ja schon seit mehr als zwanzig Jahren Lektorin.“ Allerdings ohne besonderes Gewand.

 

Die Rochetts sind schon mit Namen versehen

Aber auch an die Sache mit den Rochettes haben sich die beiden mit der Zeit gewöhnt. Vor dem ersten Mal konnten sich die erwachsenen Messdiener das Passende aus dem Bestand der Gemeinde heraussuchen. Das hängt jetzt auf mit den Namen beschrifteten Bügeln in der Sakristei. So dass der Küster immer das Richtige bereitlegen kann.

Kritische Reaktionen haben die von Handorffs bisher noch nicht zu hören bekommen. Eher das Gegenteil. „Das finde ich toll, dass ihr das macht“, habe eine Bekannte gesagt und bedauert, dass in vielen Gemeinden Messdiener am Grab fehlten. „Es ist einfach eine würdigere Sache, wenn der Pfarrer dabei nicht alleine ist“, sagt Martin von Handorff.

Ist es etwas Besonderes, als Ehepaar Messdiener zu sein? Elfriede von Handorff lächelt. „Manches ist dann anders. Wenn es ums Dienen geht, ist mein Mann immer frühzeitig da“, sagt sie. „Pünktlich ist er zwar sonst auch, aber oft auf den letzten Drücker.“

Das meiste am Dienst ist genauso wie bei den Kindern und Jugendlichen. Manchmal sogar der Geldschein, den es als Dankeschön gibt. „Der kommt in eine Gruppenkasse“, sagt Elfriede von Handorff. „Im Sommer grillen wir. Und im Winter machen wir uns von dem Geld einen schönen Nachmittag mit Kaffee und Glühwein.“ Das findet sie wichtig, weil es den Zusammenhalt stärkt.

Von Michael Rottmann