Wie ein Lied über die Hungersnot zur Hymne der Fans der irischen Nationalmannschaft und von Celtic Glasgow wurde

Fangesang der Katholiken

Egal wie man zum erneuten Titelgewinn der Spanier steht, ihren bewegendsten Moment hatte die Europameisterschaft ohnehin als irische Fans das Lied „Fields of Athenry“ anstimmten. Der Song gehört zum festen Repertoire des katholischen Fußballvereins Celtic Glasgow, der sich seit jeher mit den protestantischen "Rangers" in den Haaren liegt.

Irische Fans bei der Euro. Eingefangen von der Google-Bildersuche

Eigentlich ist „Fields of Athenry“ ein Lied über die irische Hungersnot Mitte des 19.Jahrhunderts. Geschrieben wurde es in den 1970er Jahren von einem gewissen Pete St. John und anschließend bestimmt zigmal gecovert. Unter anderem von den Dubliners. Seit Jahren sind die „Fields“ - wohl weil dort Werte wie Wehmut, Stolz, Sehnsucht, Heimat mit einfachen und bewegenden Worten transportiert werden - auch in etlichen Stadien Groß Britanniens zu hören. Vor allem Fans der irischen Fußball- und Rugby-Nationalmannschaft singen sie, und in angewandelter Form -  Fields of Anfield Road – auch die Fans vom FC Liverpool. Weltweite Aufmerksamkeit erlangte der Song aber erst vor wenigen Tagen, als er von 20.000 irischen Fans beim EM-Spiel Spanien gegen Irland intoniert wurde. Beim Spielstand von 0:4 in der 87. Minute, als klar war, die Iren sind ausgeschieden, ertönte das Lied im Rund. Aus Respekt vor dem großartigen Gesang verzichteten die spanischen Fans auf die Anfeuerung ihrer Mannschaft. Ebenso schwiegen mehrere Fernsehmoderatoren, darunter auch ARD-Reporter Tom Bartels, minutenlang.


Keltisches Traditions-Logo

Seit Jahr und Tag gehört das Lied, wie kein Zweites, zum festen Repertoire der Fans des schottischen Traditionsklubs Celtic Glasgow. Gemeinsam mit Glasgow Rangers dominieren beide Vereine seit Jahrzenten die schottische Liga. Sie sind Kontrahenten in einem gleich dreifachen Konflikt. Die Klubs stehen „für jeweils verschiedene Konfessionen, verschiedene nationale Identitätsgefühle und für verschiedene soziale Klassen. Im Gegensatz zu den protestantischen Rangers, die bis 1989 prinzipiell nur protestantische Fußballer beschäftigten, waren bei Celtic seit Beginn alle Spieler – unabhängig ihrer Herkunft, kulturellen Identität oder Religion – willkommen,“ (sic!!!!) schreibt Wikipedia. Während sich die Rangers stets zur britischen Krone bekannten, war dies den irisch orientierten „Celts“ immer ein Dorn im Auge. Auch die britisch geprägte Oberschicht, die bei den Rangers auf der Tribüne sitzt, ist echten Fußballfans, die am liebsten aus der Arbeiterschicht rekrutieren, eher suspekt. Und last but not least: Während andere europäische Spitzenklubs zuletzt immer häufiger mit Hooligans und Bengalos werfenden Ultras zu kämpfen hatten, ist die Anhängerschaft der Celts ausschließlich für ihre unglaublich lautstarke, aber stets friedvolle Unterstützung ihrer Mannschaft bekannt.

Etwas anders formuliert: Manchmal ist es einfach hipper, schicker und wesentlich cooler, katholisch zu sein!  Die Fans von Borussia Dortmund bekennen sich übrigens bei Europapokalbegegnungen mit den Rangers traditionell zu ihrer Freundschaft mit Celtic; was mir, der eher mit der Berliner Hertha und dem Kölner FC liebäugelt, den BVB zumindest ansatzweise sympathisch macht…

Amy McDonald beim Konzert im Jahr 2010 (Foto: Athyllis, Wikipedia)

Immerhin eine kleine Winzigkeit aber spricht ein bisschen auch für die Rangers ;-). Sie haben mit der schottischen Sängerin Amy McDonald einen überaus bekannten  Fan, die, so scheint es, als Frau jeden Tag schöner wird. Erst vor wenigen Tagen hat die 24Jährige mit „Life in a Beautiful Light“ ihr absolut hörbares, drittes Studioalbum herausgebracht. In „Pride“ besingt die Frau mit dem Faible für Rennautos und den wahnsinnsblauen Augen (unbedingt Pride-Video gucken) ihre Eindrücke bei ihrem ersten Stadionbesuch der Rangers... Wer jetzt auf den schottischen Popmusikgeschmack gekommen ist, dem sei zum Schluss noch eine fulminate akustische Version von Amys ersten Welthit „This is the Life“ empfohlen.

 Ihr Webreporter Andreas Kaiser