26.07.2017

„Bibelmahl" unter freiem Himmel

Fladenbrot wie aus der Bibel

Was haben Jesus und seine Jünger eigentlich gegessen? Bei einem „Bibelmahl“ unter freiem Himmel haben viele Kinder in Norden ein Gespür dafür bekommen. Sie haben gekocht, Gewänder angezogen und zu Tisch gelegen.

Das wird gut: Christine Soja (l.) bereitet mit den Mädchen Fladenbrot zu, das die Kinder später beim Bibelmahl unter freiem Himmel essen. | Fotos: Petra Diek-Münchow

Der Hefeteig will einfach nicht so, wie Aivy will. Mit einem leisen Kichern versucht das Mädchen, die klebrige Masse von den Fingern zu streifen und erneut zu einem kleinen Kloß zu formen. So ganz klappt es noch nicht. Christine Soja schaut mit einem Schmunzeln zu, streut den Kindern neben ihr etwas mehr Mehl auf die Tischplatte und macht dann vor, wie es am besten geht: kneten, kneten, kneten und den Teig mit einem Nudelholz zu einem halbwegs runden Fladen ausrollen. Nach ein paar Minuten kriegen das auch die Mädchen gut hin, so kann das Brot gleich in den Backofen.

Und der wird in der Küche des Norder Pfarrheims schon ordentlich vorgeheizt, denn hier soll heute ein „Bibelmahl“ zubereitet werden. 18 Jungen und Mädchen sind zu diesem Vormittag gekommen, den mehrere Frauen aus der katholischen St.-Ludgerus-Gemeinde mit den Urlauberseelsorgerinnen Natalia Löster und Carolin Hanke organisiert haben. Die Idee und die Rezepte stammen dabei vor allem von Katechetin Marlene Specker. „Kochen kommt bei Kindern immer gut an“, sagt sie. Natürlich findet die gelernte Köchin und Hotelfachfrau keine komplette Speiseanleitung in der Bibel – dafür aber viele Schriftstellen, in denen von Kräutern und Gewürzen, Obst und Gemüse erzählt wird. Davon lässt sie sich inspirieren, kocht und backt daraus schmackhafte Gerichte.

Zum Beispiel das ungesäuerte Fladenbrot, das Aivy mit Hilfe von Christine Soja jetzt in den Ofen schiebt. Daneben rühren ihre Freundinnen würzig duftende Kräuter in Quark und Butter. Theresa, Yannik und Gretus legen am Herd panierte Hähnchenfilets in die Pfanne – sofort zieht ein leckerer Geruch durch die Küche. Auf der Speisekarte stehen außerdem Kartoffeln und süße Pfannkuchen, Weintrauben und Wassermelonen. Der Duft von gebratenem Fleisch und frisch gebackenem Brot, die leuchtenden Farben des Obstes – das macht Appetit. „Wann ist das Essen endlich fertig? Ich kriege Hunger“, sagt Yannik mit einem kleinen Seufzer.

Beim Mittagessen unter freiem Himmel liegen

An einem Tisch in großer Runde zu speisen – darin sieht  Natalia Löster eine wichtige Erfahrung. „Mahl halten ist eine Grundbotschaft der Bibel“, sagt die junge Theologin aus dem Büro „Seelsorge am Meer“. „Da wird ganz viel und ganz oft gemeinsam gegessen. Und jeder darf dazu kommen, immer und überall. Das ist Gemeinschaft.“ Die Kinder sollen heute aber nicht nur eine Ahnung davon bekommen, was Jesus und seine Jünger gegessen haben könnten, sondern auch wie. Deshalb gibt es keine Plastikschüsseln und kein feines Porzellan, sondern eingeölte Baumscheiben und Tonkrüge. Deshalb gibt es keine Gabeln, sondern Fladenbrot. Ein Stück abreißen, zusammenrollen, in den Kräuterquark tunken – lecker!

Worauf sich die Kinder besonders freuen, ist die ungewöhnliche Tischordnung. Denn sie sitzen nicht auf Stühlen, sondern liegen beim Mittagessen – unter freiem Himmel, auf kleinen Teppichen. Aus einer Holzplatte und einigen Steinen bauen sie auf dem Pfarrheim-Parkplatz dafür eine flache Tafel. „Meint ihr denn, Jesus war damals so angezogen wie wir heute?“, fragt Natalia Löster danach. Natürlich nicht. Eine große Kiste, randvoll mit bunten Gewändern und Tüchern, wartet auf die Jungen und Mädchen. So verkleidet, stellen sie sich dann in eine lange Reihe vor Carolin Hanke. Sie schminkt fast allen Kindern mächtige Bärte und Augenbrauen ins Gesicht.

Was fehlt jetzt noch? Das Tischgebet. Und das hören die Gäste des Norder Bibelmahls heute in zwei Sprachen. Eins der Mädchen, deren Eltern aus Vietnam stammen, spricht einen Dank an Gott in ihrer Landessprache. Natalia Löster schließt sich auf Deutsch an: „Alle gute Gaben, alles, was wir haben, stammt oh Gott von dir. Wir danken dir dafür.“

Petra Diek-Münchow