Taufpaten als Lebens- und Glaubensbegleiter

Ganz klar ein Lieblingsmensch

Sie sind nicht nur Geldgeber sondern vor allem Wegbegleiter im Glauben: die Taufpaten. Das gerät heute aber zunehmend aus dem Blick. Die Erstkommunionvorbereitung des Patenkindes ist eine gute Gelegenheit, die Paten an ihr Versprechen zu erinnnern.

 

Intensive Momente erlebt Stephan Brüggemann mit seinem Patenkind Theresa.Fotos: Astrid Fleute

Es war nur ein kurzer Moment, aber er machte Stephan Brüggemann einmal mehr klar, wie wichtig er als Taufpate für sein Patenkind ist. „Ich kam zu Besuch, stieg aus dem Auto und Theresa begrüßte mich freudig vor dem Haus. Da wurde die Nachbarin aufmerksam und fragte freundlich: ,Ach, Sie sind der Stephan aus Frankfurt?‘ Theresa hatte anscheinend schon viel von mir erzählt.“

Oft fällt dem 49-Jährigen diese Begegnung ein. Auch jetzt, während eines Nachmittages für Taufpaten, zu dem die Osnabrücker Pfarreiengemeinschaft Süd eingeladen hatte, muss er daran denken. „Wir haben eine größere Bedeutung, als wir selbst vielleicht wahrnehmen. Wir sind wichtige Ansprechpartner für die Kinder, das dürfen wir nie vergessen“, betont er.

Bei der Taufe versprechen die Paten, das Kind besonders auch im Glauben zu begleiten. Um sie dabei zu unterstützen, gibt es im Osnabrücker Süden ein wegweisendes Angebot: Hier können die Paten im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung einen Nachmittag mit ihren Patenkindern zum Thema „Taufe“ erleben. „Wir nehmen die Paten mit diesem Angebot ernst. Wo tauchen sie sonst in der religiösen Entwicklung der Kinder auf? Wann haben sie die Möglichkeit, einmal inhaltlich etwas mit dem Patenkind zu machen?“, erklärt Gemeindereferentin Petra Schnieber, die das Programm mit ihrer Kollegin Gisela Eiken-Fabian ausgearbeitet hat. Und die Paten kommen. Sogar aus Frankfurt,  Hamburg oder München machen sie sich auf den Weg. Die meisten sind dankbar für dieses Projekt, das bekommen die Gemeindereferentinnen oft zu hören.

Diese positive Resonanz ist nicht selbstverständlich. Häufig scheitern ähnliche Vorhaben an äußeren Umständen: lange Anfahrtswege, viele Termine, wenig Zeit. Diese Erfahrung hat auch Referentin Carolin Olbrich von der Kolping-Bildungsstätte Coesfeld gemacht: Schon dreimal hat sie versucht, einen gemeinsamen Tag für Taufpaten und Patenkinder anzubieten – zweimal musste er mangels Anmeldungen ausfallen. „Ich höre von so vielen Leuten, dass das eine tolle Sache ist, aber es ist anscheinend schlecht umsetzbar.“

Intensive Momente mit dem Patenkind

Auch Petra Schnieber kennt diese Bedenken: „Wir haben es trotzdem gewagt und die Termine sehr rechtzeitig bekanntgegeben.“ Inhaltlich geht es an diesem Nachmittag darum, über die Taufe zu sprechen und sie zu erneuern – in der Tauferneuerungsfeier, die fester Bestandteil der Erstkommunion ist. Eine besondere Form und Chance auch für die Erwachsenen, den eigenen Glauben noch einmal zu überdenken: „Ich kann Beziehungen erneuern – die zum Patenkind und die zu Gott“, erklärt Pfarrer Hermann Hülsmann.

Stephan Brüggemann hört aufmerksam zu. Während er mit Theresa an vier Stationen in der Kirche den Symbolen der Taufe nachspürt, meint er: „In mir passiert gerade viel. Ich beschäftige mich hier drei Stunden lang mit meinem Glauben. Das sind intensive Momente, die ich hier mit meinem Patenkind erlebe.“

Das Taufbecken, die Taufkerze, das weiße Kleid, das Chrisamöl – alles wird Paten und Kindern an diesem Tag genau erklärt und wieder ins Gedächtnis gerufen. „Ich erinnere mich noch genau an deine Taufe, mit der ja alles begonnen hat“, erzählt Barbara Neubüser Patenkind ihrem Rasmus. Auch die zweite Patin des Neunjährigen, Monika Kaumkötter, ist dabei. „Sonst sehen wir uns eher zu den Festen wie Geburtstagen und Weihnachten und auch zwischendurch. Aber es ist schön, hier einmal thematisch zu arbeiten. Wir haben nun eine neue Gesprächsgrundlage, wenn wir uns mal über den Glauben unterhalten wollen“, freuen sich die Patinnen über die Einladung. Alexandra Täupker hat neben Patenkind Lilly sogar ihren Mann mitgebracht: „Wir füllen das Patenamt bewusst gemeinsam aus“, erzählt sie, während sie mit der Neunjährigen eine Kerze entzünden.

Fast drei Viertel aller geborenen Kinder mit mindestens einem katholischen Elternteil werden katholisch getauft. Vielen Familien fällt es aber schwerer, einen katholischen Taufpaten zu finden. „Es gerät zunehmend aus dem Blick, dass Patenschaft etwas mit dem christlichen Glauben zu tun hat“, beobachtet Inga Schmitt, Referentin für Liturgie und Verkündigung im Bistum Osnabrück. Dass Eltern und Gemeinden die religiöse Begleitung unterstützen, sei daher absolut sinnvoll. „Ein Taufpaten-Nachmittag ist da eine sehr gute Gelegenheit“, ist sie vom Osnabrücker Projekt begeistert.

Das Wort „Pate“ kommt ursprünglich aus dem Lateinischen von „patrinus“ und bedeutet „Mit-Vater“ oder „Vater im Geiste“. In der Urkirche bezeugten zwei Taufpaten das Sakrament und begleiteten die erwachsenen Getauften auf ihrem Glaubensweg. Sie nahmen sie mit zu Gottesdiensten und sprachen mit ihnen über Christus – so wie jetzt auch die Paten mit ihren Kindern in Osnabrück.

Astrid Fleute