06.01.2017

Kommentar

Geht doch!

Den Kopf in den Sand stecken, aufgeben und nur über den Mitgliederschwund in den katholischen Verbänden jammern? Nein - es geht auch anders! Ein Kommentar von Susanne Haverkamp.

Die Mitgliederzahlen sinken. Überall. Die Kirchen haben von 2005 bis 2015 etwa zehn Prozent ihrer Mitglieder verloren, die SPD in zwanzig Jahren knapp die Hälfte. Auch die kirchlichen Verbände schrumpfen. So ist die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) mit rund 500 000 Mitgliedern zwar immer noch der größte Verband, hat aber seit 2005 rund zwanzig Prozent Mitglieder eingebüßt.

Nun könnte man sich resig-niert zurücklehnen und sagen: „Ist halt so, kann man nix machen. Verwalten wir den Niedergang möglichst gut“ – und viele sagen das tatsächlich oder handeln zumindest so. Dass etwa Erstkommunionkatechese die Zahl der aktiven Gemeindemitglieder erhöhen soll, wird meist vehement bestritten: es ginge um die Freude an Gott und dem Glauben, nicht um Rekrutierung.

Interessanterweise geht die kfd aber einen anderen Weg. Sie hat eine Kampagne zur Mitgliederwerbung gestartet, durchgeführt von den Mitgliedern in den Ortsgruppen, aber professionell begleitet vom Verband. 25 000 Neuanmeldungen in zwei Jahren ist das eine Ergebnis – damit schafft es die kfd, ihren „natürlichen Mitgliederschwund“ auszugleichen und die Zahlen weitgehend stabil zu halten; in einigen Diözesanverbänden gibt es sogar „Netto-Zuwächse“.

Das zweite Ergebnis ist aber mindestens genauso wichtig: neuer Schwung im Verband. Die Frauen schauen nicht mehr nur „defizitär“ auf die Rückgänge sondern auch auf die Zuwächse und sind stolz auf „ihren“ Verband. Die Aktionen zur Kampagne peppen ein oft eingefahrenes Programm auf und verleihen auch langgedienten Mitgliedern neuen Elan. Geht doch!

Müssen wir uns damit abfinden, nur immer kleiner zu werden? Natürlich gibt es den „demografischen Wandel“, keine Frage. Und natürlich steht Religion nicht mehr so hoch im Kurs wie vor Jahrzehnten. Aber Kampagnen wie die der kfd zeigen: Wer mutig auf Menschen zugeht und tolle Angebote macht, die über das Erwartbare hinausgehen, der kann auch heute noch Erfolg haben. Gemeinden, die einen besonders engagierten Kindergarten, eine tolle Jugendarbeit oder einen besonderen Chor haben, machen diese Erfahrung. Wo sich herumspricht „Da ist die Firmvorbereitung super!“, dorthin kommen die Jugendlichen – auch wenn sie anderswo wohnen. 

Natürlich kann man auch die Theorie vom „Gesundschrumpfen“ verfolgen: Nur die wahrhaft Überzeugten bleiben übrig. Inspirierend ist das aber nicht. Auch nicht für die, die noch dabei sind.

Von Susanne Haverkamp