12.05.2017

Reformationsgedenken in Quakenbrück

Getrennt und dann gemischt

Reformationsgedenken auch in Quakenbrück: Von Mischehen, Abstimmungen über Konfessionsschulen und evangelischen und katholischen Krankenhäusern erzählt eine Ausstellung im Stadtmuseum.

„400 Jahre Luther!": Dieses Buch erschien 1917 zum damaligen Reformationsjubiläum der evangelischen Kirche. Foto: Andrea Kolhoff

„Gegeneinander – Nebeneinander – Miteinander“ heißt die Ausstellung im Quakenbrücker Stadtmuseum, die sich mit dem evangelischen und katholischen Leben in der Stadt befasst. Durch die von Hermann Bonnus 1534 verfasste reformatorische Kirchenordnung für das Hochstift Osnabrück war Quakenbrücks Bevökerung evangelisch geworden. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde in der Immerwährenden Übereinkunft festgelegt, dass die Stadt zweipfarrig sein soll. Die Protestanten erhielten die Sylvesterkirche, die Katholiken das Recht, eine Kirche zu erbauen: St. Marien.

Auch das Schulwesen verlief schon bald getrennt. 1651 werden sowohl eine evangelische als auch eine katholische Schule erwähnt. Die evangelische Schule befand sich an der Sylvesterkirche und wurde 1904 und 1914 erweitert. Die katholische Schule erhielt 1895 einen Neubau am Markt, der 1915 und 1925 erweitert wurde. Die Nationalsozialisten hoben die Konfessionsschulen auf und machten die evangelische Schule zur Gemeinschaftsschule für Jungen, die katholische Schule zur Gemeinschaftsschule für Mädchen.

Heimliche Treffen sind nicht mehr nötig

Nach Kriegsende wünschte sich ein Großteil der Bürger, wieder Konfessionsschulen eröffnen zu können. Bei Abstimmungen, die von der britischen Militärregierung 1946 und 1947 veranlasst worden waren, fielen die Stimmen für eine konfessionsübergreifende Schule von Mal zu Mal kleiner aus. Im Mai 1948 wurden 482 Kinder zur katholischen und 708 Kinder zur evangelischen Schule angemeldet, 69 für eine Gemeinschaftsschule. Die vom Arbeitskreis christlicher Kirchen im Artland organisierte Ausstellung zeigt Schulbänke mit Tafeln und Schwämmchen, Mädchen- und Jungentornister und viele Bücher, die im Unterricht eingesetzt wurden. Für das Fach Religion sind die verschiedenen Werke der Konfessionen zu sehen, unter anderem auch ein Schulbuch von 1917, das zum Reformationsjubiläum der evangelischen Kirche erschien, die damals „400 Jahre Luther“ feierte.

Die Themen Krankenhaus und Eheschließungen bilden weitere Schwerpunkte. Eine 1864 von einem interkonfessionell getragenen Verein eingerichtete Klinik wird zum evangelischen Krankenhaus, die katholische Gemeinde eröffnet 1895 das Borromäus-Hospital. Ab 1972 stehen beide Häuser unter gemeinsamer Leitung, 1977 entsteht der Neubau des Christlichen Klinikums.

Sich in einen Vertreter der anderen Konfession zu verlieben, bedeutete früher oft, dass ein Partner konvertierte. Während sich die Verliebten vor 60 Jahren noch heimlich treffen mussten, zeigt ein Beispiel von 2016, wie entspannt der Umgang heutzutage ist: der Bräutigam katholisch, die Braut evangelisch, Trauung mit evangelischer Pastorin und katholischem Diakon in der katholischen Kirche auf Hengelage.

Andrea Kolhoff

Die Ausstellung ist bis 6. November zu sehen und donnerstags, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffet. Am Sonntag, 14. Mai, findet ein Erzählcafé zum Thema „Schule“ statt, Beginn ist um 15 Uhr im Museum.